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Nissan Testcenter : Folterkammer für neue Autos

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nissan gewährt einen Einblick in sein streng gesichertes spanisches Testcenter.

Wenn ein neues Auto auf den Markt kommt, hat es ein extrem komplexes Test- und Prüfprogramm hinter sich. Der Laie staunt, welche Details die Ingenieure genau unter die Lupe nehmen, wie viele Fahrprogramme und Simulationen am Computer ablaufen. Eigentlich lassen sich die Hersteller bei dieser Feinarbeit nicht beobachten. Nissan machte jetzt eine Ausnahme: Im streng gesicherten Technical Centre Europe (NTCE) in Barcelona konnten wir den Technikern über die Schulter schauen.

Wie findet man schnell heraus, wie es um die Dauerhaltbarkeit eines neuen Modells bestellt ist? Dazu gibt es im NTCE den „Road Simulator“. Das ist ein vier- und hochbeiniges Gestell, auf dessen Stelzen gerade je ein Reifen eines Qashqai fixiert ist. Diese Maschine veranstaltet eine echte Höllenfahrt: Die einzelnen Beine sausen unterschiedlich weit und unterschiedlich schnell nach oben und nach unten, simulieren so eine Fahrt durch übles Gelände oder einen schnellen Autobahn-Ritt. Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche läuft das Folterprogramm. „Wir können so ein Autoleben von zehn bis zwölf Jahren in drei bis vier Wochen nachahmen“, sagt ein Techniker.

Ein Stück weiter sind Motoren in massive Metallkäfige eingespannt. Auch sie laufen ohne Pause, Woche für Woche, Monat für Monat. Auf bis zu 50  000 simulierten Kilometern Fahrt zeichnen Computer eine Fülle von Daten über Leistung, Verbrauch, Emissionen, Verschleiß und vieles mehr auf – rund 40  000 Parameter, um die eine optimale Einstellung für die Serie zu finden. Auch Getriebe werden von Robotern viele tausende Male durchgeschaltet. Das alles bei extremen Bedingungen: In Klimakammern mit einem Temperaturbereich von der Arktis bis zur Sahara, also von minus 40 bis plus 90 Grad Celsius, oder im Feinrüttler, bei dem Sensoren die Eigenfrequenzen einzelner Bauteile erfassen und so die Daten für ein vibrationsarmes Fahrzeug liefern. Im Windkanal und in schallisolierten Kammern wird für einen möglichst hohen Akustik-Komfort geforscht.

Auch Fremdfabrikate werden getestet, denn im NTCE geht es immer um die Suche nach Autos und Komponenten, die aktuelle Topstandards setzen. So steht hier auch ein VW Golf GTE verkabelt auf einem Prüfstand.

Neben Computern und Robotern kommen menschliche Sensoren zum Einsatz. „Wir schließen das Programm immer mit echten Testfahrten ab“, erklärt einer der 470 Mitarbeiter. Dabei werden zum Beispiel die Reaktionen der Prototypen in Kurven akribisch aufgezeichnet, werden verschiedene Lenk-Abstimmungen probiert, wird nach der angenehmsten Abstimmung von Motor und Getriebe beim Beschleunigen gesucht. „Es wird immer individuell auf die Bedürfnisse europäischer Kunden eingegangen“, sagen die Japaner.

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