Neue Autos für Sie gefahren : Die Hände weg vom Steuer

Die neue Mercedes-Benz E-Klasse streckt sich auf 4,92 Meter.
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Die neue Mercedes-Benz E-Klasse streckt sich auf 4,92 Meter.

Die neue E-Klasse von Mercedes macht den Einstieg ins autonome Fahren möglich und präsentiert einen neuen Vierzylinder-Diesel

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19. März 2016, 16:00 Uhr

Zugegeben, die Angst fährt mit. Die Angst, nicht rechtzeitig eingreifen zu können. Freihändig fahren. Automatisches Überholen. Die neue E-Klasse von Mercedes-Benz kann dies. Mit dem so genannten „Drive Pilot“, das ist die nächste Stufe des teilautonomen Fahrens. Wir sind in der automobilen Zukunft. Am Steuer einer neuen E-Klasse bei ersten Testfahrten auf Straßen und Autobahnen rund um Lissabon oder auch im dichten Stadtverkehr der portugiesischen Metropole.

Per Knopfdruck wird dem Fahrzeug die Macht am Steuer übergeben. Was geschieht, wenn dies ein Polizist sieht? Die Hände weg vom Steuer und das Auto fährt. Die E-Klasse folgt vorausfahrenden Fahrzeugen bis Tempo 210 im korrekten Abstand. Bis Tempo 130 findet der Drive Pilot seinen Weg sogar ohne klar erkennbare Fahrbahnmarkierungen. Der Wagen bremst automatisch vor einem Stauende, erkennt Fußgänger, Wildwechsel und anderen Querverkehr und löst, falls erforderlich, eine Notbremsung aus.

Wir wollen überholen. Das System benötigt dazu eine kleine Hilfestellung. In Form des linken Blinkers, dann schert der Mercedes nach links aus und überholt. Plötzlich leuchtet im Headup-Display ein Symbol in Form des Steuerrads auf. Dazu eine Hand. Was heißt, dass der Fahrer doch bitteschön das Zepter wieder in die Hand nehmen solle. Alle zehn bis zwölf Sekunden kommt dieser Hinweis. Hat Mercedes etwa kein Vertrauen in die eigene Vision? In die eigene Technik?

Der Drive Pilot, gegen Aufpreis von rund 2000 Euro ausschließlich in der E-Klasse buchbar, ist ein ganz besonderer Aspekt der neuen Modellreihe. Aber eben nicht alles. Optisch wirkt die E-Klasse kompakter, gedrungener als das Vorgängermodell, obwohl die Fahrzeuglänge um 4,3 cm auf 4,92 m zugelegt hat. Wobei Neu von Alt nicht auf den ersten Blick zu unterscheiden ist. Die Designer haben Zurückhaltung geübt. Die Entwickler dagegen nicht. 70 Kilo weniger bringt die neue E-Klasse auf die Waage. Dann die Mercedes-typischen Eigenschaften wie Top-Verarbeitung, Komfort, Geschmeidigkeit und ein komplett neuer Motor: Premiere hat hier der 2,0-Liter-Diesel (ab 47  124 Euro), genannt OM 654. Der Vierzylinder leistet 194 PS, schickt sein maximales Drehmoment von 400 Nm bei 1600 U/min ins Neunganggetriebe und erfüllt bereits die zukünftigen Abgasvorschriften von 2017. Der Normverbrauch wird mit 3,9 Litern angegeben. Das ist ein im Labor ermittelter Wert. Tatsächlich dürfte er bei rund fünf Liter liegen. Was aber für diese Klasse beachtenswert ist. Der neue Vierzylinder ist sehr leise und nicht mehr so rauh wie der bisherige 2,2-Liter-Diesel.

Veränderungen auch im Armaturenbrett: Zwei überdimensionale, hoch auflösende Displays agieren als Datenlieferant – allerdings kostet dieser Spaß happige 4383 Euro Aufpreis. Wer das nicht bezahlen will, muss mit konventioneller Instrumentierung vorlieb nehmen.

Mercedes behauptet, die neue E-Klasse sei derzeit das intelligenteste Auto weltweit. Anders formuliert: Die E-Klasse bietet einen Einstieg ins autonome Fahren. Wenn man dies dann so will. Jürgen Muhl

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