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Auto & Verkehr

19. Oktober 2017 | 14:56 Uhr

Audi SQ7 : Der Diesel-Dampfhammer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Audi treibt es beim großen SUV auf die Spitze: SQ7 kommt mit 435 PS und neuer Verdichter-Technik gegen das Turboloch

svz.de von
erstellt am 21.Mai.2016 | 00:00 Uhr

Das nennt man Schub: Ein Tritt aufs Gas – und die 2,4 Tonnen und 5,07 Meter lange Fuhre rauscht ab mit einem Temperament wie ein Sportwagen. Nach 4,8 Sekunden knackt der Audi SQ7 die 100-km/h-Marke und die Wucht im Antriebsstrang hält unvermindert an. Leichtfüßig bewältigt der Riese Zwischensprints, Überhol- und Einfädelungsmanöver.

Man konnte nicht behaupten, dass der Audi Q7 bisher untermotorisiert gewesen wäre. Mit 218 oder 272 PS bei den Selbstzündern und 333 PS beim Benziner lässt sich das Luxus-SUV standesgemäß bewegen. Der Diesel-Dampfhammer stellt aber alles in den Schatten. Downsizing? Hier nicht. Unter der Haube steckt ein nagelneu entwickelter 4,0-Liter-Achtzylinder, der muntere 435 Pferdchen traben lässt. Doch nicht die PS-Werte sind hier der Clou, sondern das Drehmoment, das für die spürbare Power verantwortlich ist. Fette 900 Newtonmeter liegen schon ab 1000 U/min an, nahe der Leerlauf-Drehzahl. Das war bisher die Liga von überkandidelten Brachial-Boliden vom Schlage Bugatti Veyron.

Im Audi SQ7 fühlt sich der Antritt wie in einem besonders starken Elektroauto an, weil die Kraft fast unmittelbar zur Verfügung steht. Strom und Elektrik sind auch das Geheimnis dieses sportlichen Giganten. Erstmals hat Audi ein zusätzliches Teilbordnetz mit eigenem 48-Volt-Akku installiert. Hieraus schöpft ein elektrisch angetriebener Verdichter (EAV) seine Energie und arbeitet als Gehilfe der beiden Turbolader.

Entwicklungsziel war die endgültige Beseitigung des Turbolochs. Obwohl die Motortechnik hier schon weit gekommen ist, beklagen ganz anspruchsvolle Turbodiesel-Fahrer gern eine „Anfahrschwäche“. Die trübt nun nicht wirklich den Alltag ein, aber wenn es etwas zu verbessern gibt, ist ein deutscher Ingenieur zur Stelle, um so etwas wie den EAV zu kreieren. Der schaufelt extra Luft in die Brennkammern, bevor die Turbolader aktiv werden. Der elektrisch betriebene Verdichter hingegen wird einfach angeknipst und legt mit der Zwangsbeatmung der acht Töpfe los. Später kommen die vom Abgasstrom angetriebenen Turbolader dazu, was insgesamt den durchgängigen Schub aus dem Stand bis zur freiwillig begrenzten Spitze von 250 km/h ergibt.

Das 48-Volt-Netz bedient auch eine elektromechanische aktive Wankstabilisierung, die optional zusammen mit Allradlenkung und Sportdifferenzial geordert werden kann. Damit hat der SQ7 nicht nur die Kraft wie ein Sportwagen, sondern dringt trotz des hohen Aufbaus auch fahrdynamisch in die Dimensionen von flachen Flitzern vor: Seitenneigung und die Tendenz zum Untersteuern in flotten Kurven sind deutlich reduziert.

Was soll das Ganze? Der rund 90  000 Euro teure SQ7 ist Spaßmobil, aber auch Technologieträger. Viele segensreiche Erfindungen der Automobiltechnik starteten in der Oberklasse und wurden dann nach unten durchgereicht, wie etwa ABS und ESP, die heute in jedem Kleinwagen zu finden sind. Die EAV-Technik reduziert auch Verbrauch und Emissionen. So kommt der SQ7 auf einen Normwert von 7,2 Litern/100 km, was angesichts der Leistung in Ordnung geht. Kleinere Motoren können mit dem EAV-Konzept erst recht zu Sparmeistern werden.

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