Tata Nano : Das Billigauto wurde zum Mega-Flop

Beim Crashtest zerschellte der Tata Nano spektakulär.
Beim Crashtest zerschellte der Tata Nano spektakulär.

Vor zehn Jahren trat der Tata Nano an, den Pkw-Kauf für jedermann erschwinglich zu machen - und geriet zum Flop.

svz.de von
06. Oktober 2018, 16:00 Uhr

Statt den Start einer nie gesehenen Massenmobilisierung zu markieren, geriet der indische Kleinstwagen zum Mega-Flop. Jetzt wird die Produktion eingestellt.

Nano sorgte anfangs für Aufsehen

Es wirkte 2008 wie eine geniale Idee des indischen Autobauers Tata Motors: Der nur drei Meter lange Nano kostete umgerechnet keine 1500 Euro, war aber sicherer und viel komfortabler als die in Indien viel genutzten Motorräder und Roller. Gerade deren Fahrer hatte Konzernchef Ratan Tata, im Blick – für sie sollte der Kleinstwagen den gesellschaftlichen Aufstieg markieren.

Auch hierzulande sorgte der Nano für Aufsehen, weil Tata mit einem Europa-Export liebäugelte. Der Boulevard feierte das „billigste Auto der Welt“ als Beispiel für clevere Autobaukunst – und fragte hämisch, warum VW und Co. Vergleichbares nicht fertig brächten.

Tatas Ansatz war die radikale Reduktion

Auf Komfortextras wie Klimaanlage und Servolenkung wurde verzichtet, große Teile des Nano wurden aus geklebten Plastik- statt aus geschweißten Blechen gefertigt, Sicherheit war zweitrangig, Airbags und ABS nicht zu haben. Das Basismodell hatte nicht einmal eine Kofferraumklappe, der Gepäckraum war nur über die umgeklappte Rücksitzbank erreichbar. Ein 0,62 Liter kleiner Zweizylinder mit 38 PS benötigte volle 30 Sekunden, den Kleinstwagen auf Tempo 100 zu beschleunigen.

Diverse Qualitätsprobleme begleiteten den Markstart, obwohl Tata beim Preis sogar noch draufzahlte. Der eigentliche Kern des Scheiterns liegt aber wohl in der Grundidee. Die Inder wollten kein Billigauto. Wer sich einen Wagen leistet, will auch auf dem Subkontinent seinen sozialen Status zeigen. Ein Nano macht aber nicht einmal den ärmsten Nachbarn neidisch. Konzernlenker Ratan Tata räumt ein, das s die Bewerbung als „billigstes Auto“ ein Fehler gewesen sei. In zehn Jahren wurden nur 300 000 Fahrzeuge verkauft – für den Konzern ist das einstige Lieblingskind zum Verlustbringer geworden. Ganz im Gegensatz übrigens zur Tata-Tochter Jaguar Land Rover: Die Luxussparte läuft bestens.

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