Autopflege : Chemie ist Gift fürs Cabrio

Wenn trockenes Säubern nicht mehr hilft, dürfen Seife oder Haarshampoo zum Einsatz kommen.
Wenn trockenes Säubern nicht mehr hilft, dürfen Seife oder Haarshampoo zum Einsatz kommen.

Für eine ordentliche Pflege des Verdecks muss bei der Wahl der Reinigungsmittel einiges beachtet werden.

svz.de von
05. März 2016, 16:00 Uhr

Am liebsten ist es Cabrio-Fans natürlich, wenn das Verdeck nicht zu sehen ist und zusammengeklappt im Kasten verharrt. Das Verdeck darf sich im Prinzip nur bei Kälte und Regen über die Köpfe spannen. Vernachlässigen aber sollte man sein flexibles Dach deshalb nicht.

Während Stahlklappdächer recht pflegeleicht sind, verlangen Stoffverdecke viel Zuwendung. Dabei gilt aber: Das richtige Maß ist wichtig. „Viele Verdecke werden durch falsche Reinigung zerstört“, sagt Christian Petzoldt, Fachbuchautor zum Thema Fahrzeugpflege aus Hagen.

Moderne Stoffdächer bestehen aus Textilfasern und einer dünnen Gummizwischenschicht für die Dichtigkeit. Diese haben PVC-Dächer verdrängt, sagt Michael Altmeyer vom Cabriodach-Hersteller Webasto. „In der Pflege sind beide Varianten aber vergleichbar.“

Für Cabriobesitzer mit Stoffverdeck hat Petzold eine einfache Regel: „Mechanische und chemische Belastungen sind Gift für die Verdecke.“ Wenn man sein Cabrio im Frühjahr das erste Mal aus der Garage holt, reichen in der Regel Staubsauger und Nylonbürste, um das Verdeck startklar zu machen. Denn bevor es das erste Mal eingeklappt wird, müssen Staub- und Sandpartikel heruntergeputzt werden. „Diese reiben sonst beim Einklappen die Stoffstruktur auf“, so Petzoldt. Mit der Bürste streicht man das Verdeck in Faserrichtung aus und lockert damit den feinen Schmutz – danach saugt man ihn ab.

Diese Trockenwäsche sollten Cabrio-Besitzer ihrem Verdeck in regelmäßigen Abständen gönnen, rät Petzoldt. Manchmal ist der Schmutz auf diese Art aber nicht zu beseitigen. Der ADAC empfiehlt dann zunächst kaltes, klares Wasser und eine Bürste. Doch das reicht nicht immer aus. Dann sollte man zunächst zu neutraler Seife oder Haarshampoo ohne Conditioner greifen, sagt Petzoldt. „Das schont die Struktur.“ Bei hartnäckigen Flecken können spezielle Reiniger aus dem Fachhandel helfen. Die gibt es in verschiedener Zusammensetzung für unterschiedliche Verdeckarten.

Vorsicht bei sauren und alkalischen Reinigern: Sie sind Gift für Verdecke. Von haushaltsüblichen Fleckentfernern rät der ADAC entschieden ab. Auch Hochdruckreiniger sind nichts für empfindliche Stoffverdecke. Sie können den Verdeckstoff und die Dichtungen schädigen, sagt Altmeyer. „Empfehlenswert sind dagegen haushaltsübliche Dampfreiniger.“ Gerade bei hartnäckigem Schmutz seien sie effektiv. Wer mit Nässe arbeitet, sollte sein Verdeck gut trocknen lassen, ehe man es öffnet. Ansonsten drohen Stockflecken, da das Restwasser im Verdeckkasten in den Stoff einzieht und nicht verdunsten kann.

Nur weil man ein Stoff- oder Vinylverdeck hat, müssen Cabrios nicht zwangsläufig komplett von Hand gewaschen werden. Wer seinen Liebling in die Waschanlage lenkt, sollte aber eine wählen, die ein spezielles Cabrio-Waschprogramm anbietet, empfiehlt Petzoldt. Da wird der Wasser- und Bürstendruck reduziert, so dass sich die Verdecke nicht unter der Spannung verziehen. Programme mit Wachs sind dagegen gar nichts für Stoffverdecke. Nicht in die Waschanlage gehören alte Verdecke aus Baumwolle, wie sie oft bei Oldtimern zu finden sind.

Diese sollte man immer per Hand waschen, rät Petzoldt.

Eine Imprägnierung macht Stoff-Verdecke haltbarer und schützt vor rascher Wiederverschmutzung. Der Stoff sollte vorher gereinigt und trocken sein. Erst danach wird die Imprägnierung aufgetragen. Als Imprägniermittel rät Altmeyer zu Nanosprays, die Siliziumoxid enthalten. Diese bilden – im Gegensatz zu Mitteln auf Basis von Wachs oder Silikon – auch bei nur unregelmäßigem Auftragen keine Ränder oder Flecken, erläutert er.

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