Kriminalität : Autodiebe fangen Funksignale ab

Uli Deck (Illustration)
Uli Deck (Illustration)

Schlüssellose Zugangssysteme immer mehr eine Einstiegshilfe für Kriminelle

svz.de von
29. Juni 2016, 05:00 Uhr

Sie sollen eigentlich den Komfort, vor allem aber die Bequemlichkeit für Autofahrer erhöhen, erweisen sich in der Praxis aber immer mehr als Einstiegshilfe für Autodiebe. Gemeint sind die englisch „Keyless go“ genannten „schlüssellosen Zugangssysteme“, für die viele Automarken neuerdings zusätzlich kassieren. Weil sie ständige Funksignale senden, genügt es, sich mit dem „Keyless go“ seinem Auto zu nähern, um dieses zu öffnen.

„Das Problem ist, dass Autodiebe dieses Signal mit einem sogenannten Funkwellenverlängerer abfangen und verstärken können.“ Das erklärte der für die Bekämpfung des grenzüberschreitenden Autodiebstahls zuständige Frankfurter Staatsanwalt Peter Sostaric gestern. Und er beschrieb eine Masche, die den Ermittlern zunehmend zu schaffen macht. „Weil viele Autofahrer den Schlüssel auf dem Fensterbrett oder gleich am Bund in der Eingangstür lassen, streichen die Täter mit dem Funkwellenverlängerer an den Häusern entlang, um Signale zu empfangen. Wenn es in der Nähe steht, öffnet sich das entsprechende Auto“, so Sostaric.

Da sich – solange das Signal empfangen wird – auch noch das Auto per Knopfdruck starten lässt, könnten die Diebe in Sekundenschnelle losfahren. „Bei einer Polizeikontrolle gibt es dann gar keine Hinweise mehr, dass der Wagen gestohlen wurde. Höchstens wenn der Motor ausgeschaltet werden muss und der Dieb Probleme bekommt, neu zu starten“, beschreibt der Staatsanwalt.

Eine andere Masche besteht darin, das Funksignal abzufangen, wenn das Auto nach dem Einparken vom Besitzer verriegelt wird. Momentan sei es für die Täter zwar noch recht kostspielig, sich solche Funkwellenverlängerer zu besorgen. Einige der Modelle, die laut Sostaric „um die 30 000 Euro kosten“, funktionierten jedoch bei verschiedenen Autotypen und rentierten sich damit in kurzer Zeit für die Diebe. Ein einfaches Mittel, um sich gegen diesen Trick zu schützen, besteht darin, den „Keyless go“ mehrfach mit Aluminiumfolie zu umwickeln, damit keine Funkwellen mehr in die Umgebung gelangen und somit auch nicht abgefangen werden können.

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