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Auto & Verkehr

20. November 2017 | 22:22 Uhr

MPU oder Idiotentest? : Aus Fehlern lernen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Tipps für die Vorbereitung auf die medizinisch-psychologische Untersuchung

Bei acht Punkten in Flensburg ist der Lappen weg. Wer betrunken oder unter Drogeneinfluss beim Autofahren erwischt wird, dem kann sogar sofort die Fahrerlaubnis entzogen werden. Um sie dann wiederzuerlangen, muss der Betroffene bei der Straßenverkehrsbehörde seine Eignung mittels Gutachten nachweisen.

Medizinisch-psychologische Untersuchung, kurz MPU, heißt das, und es ist für viele Prüflinge mit Angst behaftet. Kein Wunder, die Durchfallquoten sind erheblich. „Knapp 36 Prozent wurden im Jahr 2013 bei der MPU als ungeeignet und 7 Prozent als nachschulungsfähig eingestuft“, sagt Petra Bierl von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Immerhin 57 Prozent aller begutachteten Personen hätten durch die MPU eine Bestätigung ihrer Eignung zum Führen eines Kfz erhalten.

„Sobald feststeht, dass eine MPU gefordert wird, sollte man sich seriös beraten lassen“, rät Dr. Markus Schäpe aus der ADAC Rechtsabteilung. Kostenlose Informationsveranstaltungen seriöser Einrichtungen wie Prüfinstitutionen oder Straßenverkehrsämter vermitteln einen Überblick über die Kurse und Hilfsangebote. Nützlich dafür sind auch Broschüren, die etwa von der Rechtsabteilung des ADAC angeboten werden. Wie die Vorbereitung aussehen sollte, hängt vom Einzelfall ab. Je nachdem, ob Alkohol am Steuer, Drogen oder Medikamente zum Verlust der Fahrerlaubnis führten, können sogar therapeutische Maßnahmen wie eine Suchttherapie notwendig sein.

In einem unverbindlichen Erstgespräch mit einem Verkehrspsychologen können solche Fragen bereits geklärt werden. „Bei einer seriösen und kompetenten verkehrspsychologischen Maßnahme im Vorfeld einer MPU werden beispielsweise auch Kosten- und Zeit-Aspekte zu Beginn vertraglich geregelt“, erklärt Petra Bierl.

Zu einer verkehrspsychologischen Vorbereitung rät auch Jan Schepmann, Referent des Geschäftsbereichs Fahrzeug und Mobilität beim Verband der TÜV e. V. Bei der Auswahl des Beraters sei Vorsicht geboten. „Es gibt viele unseriöse Anbieter, die mit den Ängsten der Betroffenen spielen“, warnt Schepmann. „Man erkennt sie daran, dass sie oft ein Garantieversprechen für eine positive Begutachtung abgeben.“ Ein Indiz für Seriosität sei es, wenn die Vorbereitung sich auf die Auseinandersetzung mit der Ursache für den Verlust des Führerscheins konzentriere. Selbst ernannte MPU-Experten, die mit „Psycho-Tricks“ für positive Gutachten werben, sollte man eher meiden. Nach der MPU, die aus einem Explorationsgespräch, einer medizinischen Untersuchung und einem Test der psycho-physischen Reaktionsfähigkeit besteht, werde das Gutachten erstellt, so Schepmann.

„Es ist für die Straßenverkehrsbehörde die Grundlage für die Entscheidung, ob eine Person die Fahrerlaubnis zurückerhalten kann oder nicht.“ Bei einer negativen Beurteilung muss in einem weiteren Anlauf ein neues MPU-Gutachten erstellt werden. Eine Einstufung als „nachschulungsfähig“ bedeutet, dass die Fahrerlaubnis erst nach Teilnahme an einem entsprechenden Kurs wieder erteilt wird. Die Rahmenbedingungen der Vorbereitung unterscheiden sich je nach Anbieter. Die Mitglieder des Bundesverbands Niedergelassener Verkehrspsychologen BNV. bieten eher Einzelgespräche an, doch auch Gruppensitzungen sind möglich. „Weil mehrere Personen an den Kursen teilnehmen, können diese zu einem günstigeren Stundensatz angeboten werden“, erläutert Rüdiger Born, Geschäftsführer des BNV. Einzeltherapien würden maßgeschneidert und bräuchten weniger Stunden, erläutert Born. In einem ersten Orientierungsgespräch werden die Weichen für den Einzelfall gestellt. Je nachdem, welches Problem vorliegt, dauern Einzeltherapien meist 10 bis 15 Stunden, Gruppenkurse können bis zu 40 Stunden dauern.

Die Diplom-Psychologen erarbeiten mit den Betroffenen Ansätze für Verhaltensänderungen. „Hier geht es darum, die Gewohnheiten im Umgang mit Alkohol, Drogen oder Regelverstößen zu erkennen und alternative Lösungen zu finden, mit denen der Fahrer oder die Fahrerin dauerhaft zufrieden sein kann, und die zu ihm oder ihr passen“, beschreibt Rüdiger Born die Arbeit. Eine Stunde beim Verkehrspsychologen kostet etwa 100 Euro. „Manche bieten eine kostenlose Erstberatung an, was aber nicht die Regel ist“, erklärt BNV-Vorstand Born weiter. „Es müssen ja gute Qualität und eine gute Diagnostik abgeliefert werden, darauf kommt es an.“ Auf die Liste der handverlesenen Verkehrspsychologen des BNV wird auch von den ADAC-Juristen verwiesen.

„Letztendlich“, so Rüdiger Born „ist es wichtig, dass man überhaupt etwas tut“. Denn die Chancen, ohne Vorbereitung ein positives MPU-Gutachten zu erhalten, stünden schlecht, sagt er und verweist auf eine Informationsbroschüre des ADAC. Eine Erfolgsquote von 85 bis 95 Prozent bestätigt der ADAC darin denjenigen, die eine Vorbereitung beim Verkehrspsychologen abgeschlossen haben.

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