Auto-Tipp : Atemberaubender Renner

Der neue Audi R8 V10 plus kommt im Herbst zu Preisen ab 187  400 Euro zu den Händlern.
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Der neue Audi R8 V10 plus kommt im Herbst zu Preisen ab 187 400 Euro zu den Händlern.

Audi legt den Supersportwagen R8 neu auf. Saugmotor holt 610 PS aus zehn Zylindern.

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01. August 2015, 16:00 Uhr

Traditionell und gleichzeitig topmodern: Audi gelingt mit dem neuen R8 der Spagat in der Liga der Supersportwagen. In Zeiten von Downsizing und künstlicher Beatmung gönnt man sich die Extravaganz, ein frei saugendes Hochdrehzahlmonster mit 5,2 Litern Hubraum, verteilt auf zehn Zylinder, zwischen zwei Achsen zu packen. Das Resultat ist atemberaubend, der Preis allerdings auch: 187  400 Euro.

Die Ausfahrt im 610 PS starken Audi R8 V10 plus über portugiesische Landstraßen zur Rennstrecke in Portimão nahe der Atlantikküste wird zum Vergnügen. Männer in Straßen-Cafés applaudieren, Kinder reißen Augen und Münder auf, wenn der Konvoi der Boliden durch kleine Dörfer rollt – Begeisterung beim Publikum in Portugal. Außerorts macht der R8 den Fahrer süchtig mit unfassbarem Schub, seiner Kurvengier, dem Sound zwischen Brabbeln, Fauchen, Röhren sowie krachendem Backfire beim Herunterschalten.

Im Autódromo do Algarve geht’s ans Limit. Die anspruchsvolle Berg- und Talbahn ist wie geschaffen für den R8. Zeigte er sich auf der Anfahrt im „Comfort“-Modus noch als alltagstauglicher, fast geschmeidiger Reisewagen, wird er auf der Rennstrecke zum Biest, wenn das „Performance“-Programm eingeschaltet ist. Der Straßen-R8 der zweiten Generation und die LMS-Rennversion wurden parallel entwickelt. Beide werden von 500 Spezialisten in den „Böllinger Höfen“ in Heilbronn von Hand montiert und weisen 50 Prozent Gleichteile auf.

Diese Motorsportgene im schnellsten Serien-Audi aller Zeiten werden spürbar, wenn der Zehnzylinder Gaspedalbefehle augenblicklich umsetzt, wie es nur ein Sauger kann, und lustvoll bis zu 8700 Touren dreht. In 3,2 Sekunden katapultiert er den R8 auf Tempo 100, in weniger als zehn Sekunden auf 200 und es geht weiter bis 330. Dabei eilt das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ohne Schubunterbrechung durch die Fahrstufen.

Die Beschleunigung fühlt sich wie ein Tritt ins Kreuz an. Die umgekehrte Wucht entfalten Keramikbremsen, die so brutal zubeißen, dass man in den Gurt gedrückt wird. Messerscharf seziert die direkte Lenkung enge Kurven, die 20-Zoll-Walzen krallen sich in den Asphalt. Das Auto bleibt auch in Extremsituation stabil, das Handling ist überragend. Dafür bürgt nicht nur der Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung, sondern auch eine aufwendige Konstruktion. Rahmen und Karosserie sind aus Aluminium und Karbon gefertigt, deutlich leichter und um 40 Prozent steifer als beim ersten R8.

Eindruckvoll ist auch das Interieur. Auch hier gesellen sich Karbon und Aluminium zu Leder und hochwertigen Kunststoffen. Die Sitzschalen passen wie angegossen. Die gesamte Bedienung ist auf den Fahrer fokussiert. Alle wesentlichen Funktionen lassen sich wie in einem Rennwagen über das Lenkrad bedienen, etwa die Auswahl der Fahrmodi und da wiederum die Präzisierung des Performance-Programms auf die Fahrbahnbeschaffenheit (Dry, Wet, Snow). Das virtuelle Cockpit zeigt hochaufgelöst auf einem 12,3 Zoll-Display auch G-Kräfte, Reifentemperaturen und Rundenzeiten an.

Das Ganze gibt es einen Tick zahmer für 165  000 Euro: Im R8 V10 ohne den Zusatz „plus“ entfaltet der gleich Motor „nur“ 540 PS, einige teure Elemente wie die Keramikbremsen müssten hier optional gebucht werden. Die Leistungsunterschiede sind marginal: Der Standardsprint dauert hier 3,5 Sekunden, die Spitze liegt bei 323 km/h.

Für einen Supersportwagen ist der Audi R8 V10 fast zu perfekt, es fehlt das Kapriziöse und Nervöse, auch optisch strahlt der Audi nicht die zügellose Aggressivität aus. Aber dafür gibt es den Konzernbruder Lamborghini Huracán, der sich die technische Basis mit dem R8 teilt.

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