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Alt ist nicht gleich Kult : Absolute Ikonen der Straße

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Diese Fahrzeuge müssen drei Kriterien gleichzeitig erfüllen: Einzigartigkeit, Wiedererkennungswert und Bedeutung.

svz.de von
erstellt am 09.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Glitzernder Chrom, große Heckflossen, elegante Formen und satter Sound. Manche Oldtimer sind echte Designträume. Laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) fahren derzeit rund eine halbe Millionen Fahrzeuge, die älter als 30 Jahre sind, auf deutschen Straßen. Tendenz steigend: Vor zehn Jahren waren es nur rund 150  000 Fahrzeuge. Werden sie alle automatisch zu Ikonen?

Mercedes hat laut eigener Aussage in den vergangenen 130 Jahren mehrere Ikonen auf die Räder gebracht. Dazu rechnen die Schwaben das 540 K Coupé aus den 30er Jahren, die Heckflosse aus den 60er Jahren, den 300 SL Flügeltürer von 1954, den 230 SL Pagode von 1963 oder den 190er Baby-Benz aus den 1980er Jahren. „Die wesentliche Grundvoraussetzung für Ikonenstatus ist eine starke Marke“, sagt Ina Schultz von Mercedes. Für sie zählt zu den nächsten Anwärtern aus der jüngeren Vergangenheit die seit 1979 gebaute G-Klasse und der CLS.

Für Volkswagen gelten der Käfer, der Bulli, aber auch der Golf GTI als Ikonen. Käfer und Bulli haben nach dem Zweiten Weltkrieg die Massenmotorisierung gefördert, waren an der Wirtschaftswunderzeit beteiligt. Michael Mauer, Leiter des gesamten Designs des VW-Konzerns und Designchef bei Porsche, bezeichnet Ikonen als „einen Gegenstand, der bestimmte Werte, Vorstellungen oder auch ein eigenes Lebensgefühl verkörpert“.

Designprofessor Paolo Tumminelli von der International School of Design in Köln unterscheidet zwischen der absoluten, der mythischen und der Generations-Ikone. Die absolute Ikone muss drei Kriterien gleichzeitig erfüllen: Einzigartigkeit, Wiedererkennungswert und Bedeutung. „Die Ikone hebt sich ganz eindeutig von der Masse ab und wird sofort als solche erkannt, das Modell muss außerdem etwas für seine Zeit, eine Bewegung oder Kultur bedeutet haben.“ Dazu zähle eine Bewegung, die Kultur oder die Stimmungslage, wie die Wirtschaftswunder- oder Hippiezeit beim VW Käfer. Außerdem durfte die Ikone in Ruhe sterben, wurde also nicht neu aufgelegt. Zu den Ikonen zählen für ihn die Citroen DS, der Jaguar E-Type und der VW Käfer.

Bei den mythischen Ikonen handele es sich um Autos, deren Einzigartigkeit aufgrund einer forcierten Weiterentwicklung überholt wurde. So leitete Porsche den 911 vom Vorgänger 356 ab. Der aktuelle 911 (intern 991) fährt nun in der siebten Generation. Der Mercedes SL wird seit 1954 verkauft, nun in der sechsten Generation. Auch der Ford Mustang, gebaut seit 1964 und heute ebenfalls in der sechsten Generation, zählt deshalb nur zu den mythischen Ikonen.

Generations-Ikonen, die dritte Kategorie, seien Autos, die eine Ikone ihrer Generation waren und so auch viele Nachahmer fanden. „Das kann der Willys MB sein, aus dem unter anderen Land Rover und Land Cruiser entstanden, die man alle Jeep nennt“, sagt Tumminelli. Oder ein VW Golf I der 70er Jahre, dessen Form für viele Autos der 80er wie Talbot Horizon und Opel Kadett D zum Vorbild gestanden habe.

Durch die Modellvielfalt und den schnellen Wechsel der Modelle sieht der Design-Professor in Zukunft wenig Chancen für neue Ikonen. Nicht so für ausgewählte Youngtimer. „Formal gesehen hätte der erste Renault Twingo beste Voraussetzungen dazu, aber die völlig unterschiedlichen gleichnamigen Nachfolger verhindern den Aufbau eines Mythos“, sagt er. Zu den mythischen Ikonen der Neuzeit zählt er dafür den Audi TT, den Mazda MX-5 und den Toyota Prius. „Letzterer hat durch die Fließform einen hohen Wiedererkennungswert und als erstes Großserien-Hybridfahrzeug eine Bedeutung für die Mobilität“, sagt Tumminelli. Wenn wir uns in 20 Jahren noch an die Fahrzeuge erinnern werden, dann „vielleicht als letzte Automobilikonen“.

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