Automesser in Las Vegas : Ab in die Wüste

Kennzeichen für den Erlkönig: Beim Gouverneur von Nevada, Brian Sandoval (l.), holte Mercedes-Entwicklungschef Thomas Weber das Nummernschild „W213“ für Erprobungsfahrten mit der selbstfahrenden neuen E-Klasse ab.
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Kennzeichen für den Erlkönig: Beim Gouverneur von Nevada, Brian Sandoval (l.), holte Mercedes-Entwicklungschef Thomas Weber das Nummernschild „W213“ für Erprobungsfahrten mit der selbstfahrenden neuen E-Klasse ab.

Selbstfahrende Autos und neue Elektroantriebe auf den Messeständen der deutschen Autobauer in Las Vegas

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16. Januar 2016, 16:00 Uhr

Die erste Automesse des Jahres war nicht mehr in Detroit – sie hat in Las Vegas stattgefunden. Die großen Autobauer präsentierten sich auf der Consumer Electronics Show, die in der Wüste von Nevada zuende ging. Zwischen Fernsehern und Smartphones setzten Mercedes & Co. ein Zeichen: Wir gehören zum modernen digitalen Lifestyle dazu.

Stichwort Connectivity: Kein Hersteller kann es sich mehr leisten, ein neues Modell ohne ausgefeilte Schnittstelle zum Handy des Kunden anzubieten. Freisprecheinrichtung war gestern – heute kommt die Musik vom Handy und neue Whatsapp-Botschaften werden auf dem Touchscreen des Autos angezeigt.

Die neue E-Klasse von Mercedes hatte ihren ersten öffentlichen Auftritt zwar später in Detroit, auf einer Autoshow im klassischen Stil, doch bei einem Pressefrühstück in Las Vegas legte Entwicklungschef Prof. Thomas Weber schon mal die Karten offen. Die Mercedes-Mittelklasse verfügt nicht nur über zwei große Displays mit HD-Auflösung und versteht sich glänzend mit dem Handy, sondern ist schon für das autonome Fahren vorbereitet. Beim Gouverneur von Nevada holte Weber sich dafür ein spezielles Kennzeichen mit der Nummer „W213“ ab. Das entspricht der internen Bezeichnung der neuen Baureihe und ist gleichzeitig die Lizenz für Erprobungsfahrten in dem US-Bundesstaat. Es handelt sich um ein normales Serienfahrzeug, bei dem nur die Software erweitert wurde – schon nimmt der Mercedes selbst das Steuer „in die Hand“.

Wichtige Voraussetzung, damit die selbstfahrende E-Klasse ebenso vorausschauend handeln kann wie ehedem der Fahrer, ist hochauflösendes Kartenmaterial. Allein mit GPS-Satellitennavigation ist die automobile Zukunft nicht zu schaffen – der Autopilot benötigt zentimetergenaue Informationen, um am Zebrastreifen zu bremsen und nicht an den Bordstein zu geraten. Zu diesem Zweck haben sich Audi, BMW und Mercedes zusammengetan und Nokia die Kartendienst-Tochter „Here“ abgekauft.

Apple und Google hätten den Autobauern auch eine Kooperation angeboten, verriet Weber im Hintergrundgespräch. Doch deren Ansinnen, auch personenbezogene Daten des Autofahrers zu sammeln, sei für die Hersteller nicht akzeptabel gewesen. Die künftigen Sensoren in den Autos würden ermitteln, wo und wann das Auto durch ein Schlagloch fährt oder den Scheibenwischer auslöst – der Name des Fahrers aber bleibt für „Here“ tabu.

Auch bei den Motoren tut sich etwas: Bis Ende 2017 will Mercedes den Brennstoffzellenantrieb in die Serie bringen und damit in Konkurrenz zu Toyota und Honda treten. Als Basis wurde das neue Kompakt-SUV Mercedes GLC auserkoren. Während die Wolfsburger Kollegen nach ihrem Diesel-Desaster in Las Vegas nur Elektroautos promoten, setzt Mercedes auf Plugin-Hybride. Die Zahl der Stecker-Modelle soll sich bis Ende 2017 von fünf auf zehn verdoppeln. Auf dem Messestand unter dem Stern dominierten jedoch weniger sparsame, dafür aber schnelle Modelle: Ein C 63 Coupé und ein AMG GT S im coolen grauen Mattlack. Mit V8 und bis zu 510 PS so richtig nach dem Geschmack der Amerikaner.

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