Revolution im Radio : Warum der Deutschlandfunk keine Verkehrshinweise mehr sendet

Der DLF schmeißt die Verkehrshinweise aus dem Programm.
Der DLF schmeißt die Verkehrshinweise aus dem Programm.

Insgesamt 30 Minuten täglich informiert der öffentlich-rechtliche Radiosender über Staus auf deutschen Autobahnen.

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30. Dezember 2019, 10:03 Uhr

Köln | Ab dem 1. Februar werden im Radioprogramm Deutschlandfunk keine Staumeldungen mehr zu hören sein. Die Ausstrahlung werde eingestellt und stattdessen das Nachrichtenangebot ausgebaut, teilte das öffentlich-rechtliche Deutschlandradio mit. Damit entspreche man den Wünschen der Mehrheit der Hörerschaft.

Stauservice im Radio sei veraltet

"Das in den 1970er-Jahren innovative Serviceangebot "Verkehrsnachrichten" war in den letzten Jahren verstärkt kritisiert und durch die flächendeckende Verfügbarkeit mobiler Navigationssysteme für die meisten Hörerinnen und Hörer überflüssig geworden." Durch die bundesweite Ausstrahlung von Deutschlandfunk werden in den maximal zwei Minuten Sendezeit nur ausgewählte Staus aufgezählt – das hat den Nutzwert deutlich beeinträchtigt, wie es weiter hieß.

Deutschlandradio beruft sich auch auf eine Befragung von mehr als 5000 Hörern im Sommer 2019, wonach 68,7 Prozent die Verkehrsnachrichten im Deutschlandfunk für "nicht wichtig" oder "weniger wichtig" hielten. Mit dem Wegfall der Staumeldungen wird den Angaben zufolge die eingesparte Zeit für mehr Nachrichten genutzt. An einem durchschnittlichen Werktag sollen so rund 30 Minuten mehr Zeit dafür zusammenkommen.


Verkehrsinfos weiter mit festem Platz im Regionalen

Als der Deutschlandfunk (Dlf) am 25. März 1964 mit Durchsagen über Verkehrsstörungen startete, galt das als großer Schritt. Das habe in die Zeit mit rasant wachsendem Individualverkehr und damit einhergehend mit mehr Staus und Unfällen gepasst, heißt es beim öffentlich-rechtlichen Deutschlandradio, zu dem der Dlf gehört. "Nach unserem Kenntnisstand war der Deutschlandfunk das erste Programm, das ein solches Angebot unterbreitet hat, insofern tatsächlich innovativ."

Werktäglich hat der Sender 2,18 Millionen Hörer. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter privaten und öffentlich-rechtlichen Hörfunkhäusern ergab zugleich, dass Verkehrsinfos weiter ihren festen Platz im Radio haben – trotz Konkurrenz von Navigationssystemen und Apps. Die befragten Sender haben anders als der Deutschlandfunk ihre Zielgruppen vor allem im Regionalen.

Vom öffentlich-rechtlichen Norddeutschen Rundfunk (NDR), der an einem gewöhnlichen Tag fast vier Stunden Verkehrsmeldungen in all seinen Programmen sendet, heißt es: "Die Verkehrsmeldungen im Radio sind angesichts der Zunahme des Verkehrs auf den bundesdeutschen Straßen wichtiger denn je."

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Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen verweist radio NRW darauf, dass es dort auch das dichteste Straßen- und Autobahnnetz gibt. Der Verkehrsfunk spiele bei den NRW-Lokalradios trotz Navi und Apps immer noch eine Rolle. Programmdirektor Thomas Rump sieht diesen Vorteil: "Die persönliche Ansprache durch den Nachrichtenredakteur oder Moderator vermittelt den Hörern Authentizität und Verlässlichkeit."

Der Deutschlandfunk ist nicht das erste Programm, das diesen Schritt geht. Im Mai 2019 nahm Rock Antenne den Verkehrsfunk aus dem On-Air-Programm, weil es sich ebenso um ein nationales Radio-Format handelt, wie es von der Unternehmensgruppe Antenne Bayern heißt. Bei Antenne Bayern selbst blieben Stauinfos im Programm. Zwar nutzten viele auch Navigationssystem und Handysoftware, wie der Chefredakteur von Antenne Bayern, Ralf Zinnow, betont. Im Verkehrsservice werde jedoch nicht nur die Meldungsliste vorgelesen, sondern es werde versucht, hilfreiche Zusatzinfos zu liefern, die ein Navigationssystem nicht liefern könne.

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