Nur für Sportwagen-Fans : Der Bollerwagen

Ikonenhaftes Design: Das Jaguar F-Type Coupé hat die perfekten Sportwagen-Proportionen.
Ikonenhaftes Design: Das Jaguar F-Type Coupé hat die perfekten Sportwagen-Proportionen.

Jaguar F-Type R mit 550 PS lässt seine Kraft eindrucksvoll hören

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03. November 2018, 16:00 Uhr

Dieses Auto ist in Zeiten, da die Mobilitätswende mit Elektro-Gedöns an die Tür klopft, ein Gruß aus der Vergangenheit mit dem Mittelfinger: Acht Zylinder, fünf Liter Hubraum, 550 PS, ein provozierender Sound und Platz für zwei Personen mit möglichst wenig Gepäck. Die ultimative Unvernunft – herrlich! Wie schön, dass es den Jaguar F-Type R gibt.

Das Publikum ist durchaus geteilter Meinung: Viele schauten dem schneidigen Briten wohlwollend hinterher, wir sahen aber auch Leute, die den Vogel und andere despektierliche Gesten zeigten, selbst wenn wir vorschriftsmäßig durch die Ortschaft schlichen. Der F-Type wirkt optisch wie akustisch immer irgendwie zu schnell.

Wir fuhren das Coupé, das uns noch besser gefällt als der Roadster. Die Proportionen wirken noch stimmiger. Schon vier Jahre nach seinem Erscheinen wirkt der erste Jaguar-Sportwagen seit dem legendären E-Type (1961– 1974) wie eine Design-Ikone.

Ein bisschen peinlich ist das Anlassen des Motors, wenn man nach dem Einkauf vom Parkplatz eines gut besuchten Supermarktes aufbricht. Der Druck auf den Startknopf weckt ein Ungetüm. Obwohl man den Gasfuß still hält, gibt der V8 erst mal ein Brüllen von sich, das die Umgebung aufschreckt. Beinahe lassen die Leute ihre Tüten fallen.

Vierflutigen Abgasendrohren entweicht betörender Sound.
Vierflutigen Abgasendrohren entweicht betörender Sound.
 

Mit Fauchen und fettem Ploppen aus der Abgasanlage mit Klappensteuerung trollt sich die Wildkatze dann Richtung Straße. Da ist sie schon eher in ihrem Element, am liebsten auf kurvigen Pisten. Der F-Type R gehört zwar zum 300er-Klub, aber das Tempo ist selbst auf einsamer Autobahn extrem. Wir kamen bis 298 km/h – unglaublich, wie schmal die Fahrbahn dann aussieht – und gingen vom Gas, weil vorn ein Lkw auftauchte, den wir lieber nicht in dieser Irrsinnsgeschwindigkeit passieren wollten.

Spannender ist die Querbeschleunigung, die der F-Type großartig beherrscht. Die Alu-Karosserie ist äußerst verwindungssteif und deutlich fester als das Cabrio. Das hat erheblichen Einfluss auf die Fahrdynamik, ebenso der serienmäßige Allradantrieb, der nur wirksam wird, wenn an der Hinterachse Schlupf droht. Dann schickt er Kraft nach vorn. Wir erinnern uns noch an das delikate Eigenleben des Hecks beim F-Type mit reinem Hinterradantrieb. Das kommt mit AWD nicht vor, der Jaguar bleibt mit seinen 20-Zoll-Walzen auch in sehr schnellen Kurven stoisch in der Spur. Nur das Gewicht von 1,8 Tonnen setzt der Agilität des Flitzers Grenzen.

Dafür genießt man auf längeren Touren überraschend viel Komfort in stabilen, aber bequemen Sitzen. Den Sound muss man mögen, er kann schon aufdringlich werden. Wir gaben den Bollerwagen aber nur ungern wieder her.

Daten und Preise: Jaguar F-Type Coupé

2-türiges, 2-sitziges Coupé mit Allradantrieb und 8-Gang-Automatik, Länge/ Breite/Höhe/Radstand: 4,48 m/2,04 m mit Spiegeln/1,31m/2,62 m, Leergewicht: 1730 kg, Kofferraum: 310 Liter. - 5.0-Liter-V8 mit Kompressoraufladung: 405 kW/550 PS, maximales Drehmoment: 680 Nm bei 3500 U/min. 0-100 km/h: 4,1 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit, Normverbrauch: 10,9 l/100 km, 249 g CO2/ km, Testverbrauch 11,5 l/100 km, ab 118 300 Euro
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