Schrägen schrecken nicht : Mit dem Unimog im Testgelände

Auf dem in der Nähe von Gaggenau liegenden Testgelände werden Unimogs auf Antrieb und Leiterrahmen geprüft.  Fotos: Mercedes
Auf dem in der Nähe von Gaggenau liegenden Testgelände werden Unimogs auf Antrieb und Leiterrahmen geprüft. Fotos: Mercedes

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30. März 2019, 16:00 Uhr

„Sie steigen weder gerne Treppen hoch, noch putzen sie mit Begeisterung ihre Schuhe“, so charakterisiert Karl-Josef Leib keineswegs pubertierende Teenager, sondern leicht augenzwinkernd den Unimog-Fahrer. Leib ist technischer Leiter des Unimog-Museums und erklärt auf dem Mercedes-Offroadtestgelände in Ötigheim die besonderen Fähigkeiten der „Universalmotorgeräte“ – sprich Unimog - sowie die Eigenschaften deren Fahrer. Was es mit der Schuhputzunlust auf sich hat, bleibt zwar unklar, die Treppenfrage klärt sich dagegen recht schnell auf. Dass Unimog-Fahrer auch ein gutes Gleichgewichtsorgan haben müssen, setzt Leib als nicht erwähnenswert voraus. Dazu später mehr.

Auf Herz und Nieren geprüft

Auf dem in der Nähe von Gaggenau liegenden Testgelände werden Unimogs auf Antrieb und Leiterrahmen geprüft. Wie auch das Modell U 5023, der in der Mercedes-Sprechweise zu den „hochgeländegängigen“ Fahrzeugen zählt. Der gelb lackierte Unimog mit Doppelkabine auf der Teststrecke macht schon mal Eindruck durch Größe. Sechs Meter lang, 2,80 Meter hoch und fast 2,50 Meter breit - so ein Gefährt sieht man nicht jeden Tag. Neben der imposanten Maße beeindruckt auch die Technik des Fahrzeugs. Er verfügt über einen geschweißten Rahmen, Portalachsen, zuschaltbaren Allradantrieb und zwei Differenzialsperren. Der jeweils passende Reifendruck zur Geländebeschaffenheit lässt sich im Display per Knopfdruck einstellen. Verwindungen von bis zu 60 Zentimetern, Achsverschränkung von bis zu 30 Grad und Neigungswinkel bis 38 Grad stellen ihn vor keine Probleme. Für den Vortrieb sorgt ein 5,1-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 231 PS, 900 Nm Drehmoment stehen bis zu 1.600 Umdrehungen an.

Soweit die Theorie. Warum also nicht mal Treppenstufen hochfahren? Das macht ja Unimog-Fahrern bekanntlich mehr Spaß als selber laufen. Schaut man sich die steile Treppenanlage von unten an, kann man das sofort nachvollziehen. Hier könnten Boxer á la Rocky für ihren nächsten Boxkampf Kondition und Beweglichkeit aufbauen. Also doch lieber den Unimog nehmen. Er nimmt die Treppenstufen mit einer gewissen Leichtig- und Lässigkeit als Aufwärmübung für die nächsten Programmpunkte. Weitere Steigungen und natürlich Abfahrten mit unterschiedlichen Untergründen wie Stein, Schotter oder Sand stellen ihn ebenfalls vor keine großen Herausforderungen.

Neigungsfahrten sehen von außen betrachtet gar nicht so dramatisch aus.
Neigungsfahrten sehen von außen betrachtet gar nicht so dramatisch aus.

Spektakulärer sieht eine Wasserdurchfahrt mit einer Tiefe von 1,20 Metern aus. Die mächtige Bugwelle, die er dabei vor sich herschiebt, beeindruckt. In einem Geröllfeld geht es ebenfalls zur Sache. Dank der Portalachsen sind maximale Verschränkungen mit großen Steinbrocken möglich. Während Fahrerkabine und Aufbau fast diametral zueinanderstehen, werden Hindernisse souverän überfahren. Böschungswinkel von maximal 44 Grad vorn und 51 Grad und hinten erleichtern das Queren von Gräben, dito seitliche Neigungsmöglichkeiten bis 38 Grad.

Wobei Neigungsfahrten von außen betrachtet gar nicht so dramatisch aussehen. Diese Einschätzung ändert sich aber, wenn man sie selbst im Fahrzeug erlebt. Über zwei Minuten in Schräglage an die Beifahrertür gepresst und retour in freier Hanglage Richtung Fahrer veranschaulichen bei einer Mitfahrt, was Maschine und Mensch zu leisten vermögen. Und eben auch, dass Unimog-Fahrer über einen guten Gleichgewichtssinn verfügen müssen.

Ein wenig Komfort muss sein

Wobei die modernen Unimogs noch vergleichsweise kommod sind, denn ein wenig Komfort hat über die Jahrzehnte dann doch Einzug in die Kabine gehalten. Die Unterschiede zu früher werden deutlich, wenn man die Tour mit einem Fahrzeug (H 116) aus dem Jahr 1978 unternimmt. Obwohl es 41 Jahre auf dem Blechbuckel hat, ist es immer noch krekel und dient normalerweise im nahegelegenen Unimog-Museum für Demonstrationszwecke im eigenen Offroad-Gelände. In ihm ist es aber eng und laut, die Gangwechsel erfolgen unter lautem Protest und der Federungskomfort tendiert auf der Skala von 0 bis 10 gegen minus 5. Gut, wenn die Zahnplomben festsitzen. Man selbst rutscht etwas haltlos auf dem Gestühl hin und her.

Die Frage zur Haltbarkeit der Alleskönner beantwortet Leib übrigens mit einer Anekdote. Demnach wurde ein Entwicklungsingenieur in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gefragt, wie lange denn die Fahrzeuge arbeitsfähig seien. Dieser antwortete, dass wisse er nicht, es gäbe sie schließlich erst seit 1949.

Ein Unimog hat normalerweise einen harten Alltag. Sei es als Geräteträger im Kommunaldienst, als Helfer in Katastrophengebieten, Feuerwehrwagen und ja, auch im militärischen Einsatz. Aber selbst wenn sie von der öffentlichen Hand in Ruhestand geschickt werden, ist ihr Arbeitsleben meist nicht vorbei. Unimogs sind als Gebrauchte sehr beliebt, speziell bei Privatleuten. Denn ein besseres Gefährt für eine Weltreise auf vier Rädern lässt sich schwerlich finden.

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