9300 km und nur eine Reifenpanne

Kleine Pause auf großer Reise
Kleine Pause auf großer Reise

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13. Januar 2008, 03:39 Uhr

Parchim. Auch wenn ich heute einen Opel Omega fahre, denke ich gerne an die Trabant-Besitzerzeit von 1974 bis 1990 zurück. Zwei Trabant waren es. Natürlich je zehn Jahre Wartezeit, wobei ich den ersten Trabant nach acht Jahren mit 120 000 Kilometer Laufleistung verkauft habe. Ich erhielt 8000 DDR-Mark. Das war mehr als der Neupreis, damals 7900 DDR-Mark, und zu damaligen Verhältnissen übliche Praxis. Dabei hatten wir noch Glück. Jahre zuvor mussten Gebrauchtfahrzeuge dem Maschinengroßhandel bei wesentlich geringerem Erlös angeboten werden.


Flucht vor überlaufenen DDR-Urlaubsorten
Übervolle Ostseestrände und Campingplätze waren Hauptgrund unserer jährlichen Auslandsfahrten, dazu das Kennenlernen von Land und Leuten, das der ganzen Familie sehr gefiel. Das Jahr über wurde von solchen Fahrten geschwärmt und neues geplant und natürlich dafür gespart, was bei den üblichen DDR-Gehältern nicht einfach war, obwohl meine Frau auch im Berufsleben stand. Unser Sohn Steffen verzichtete zugunsten einer Bulgarienfahrt auf ein Farbfernsehgerät, das wir uns anschaffen wollten. Elf Fahrten unternahmen wir mit einem Trabant an die bulgarische Schwarzmeerküste.

Campieren im Trabant
Wichtiges Utensil war ein Dachgepäckträger, der die gesamte Campingausrüstung und noch vieles andere mehr aufnahm. Nebenbei bemerkt haben wir auf diese Weise ebenfalls Schränke, Polstergarnituren, Schreibtische und vieles andere bis nach Berlin hin transportiert. Sicher hat der Trabant gegenüber manchem Westwagen nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile. Zum Beispiel haben wir während der Fahrten nach Bulgarien in jedem Transitland wild gecampt. Das heißt ohne besondere Umrüstung haben wir mit drei erwachsenen Personen im Trabant geschlafen. Lediglich die hintere Sitzbank und die Lehne wurden zu Hause gelassen
und für die Fahrt voll Textilien und anderes gepackt.

Benzinnotstand in Rumänien
Seit den 80er- Jahren war das Wort Tankstelle für uns ein Reizwort. So wirkte sich die Ölkrise in Rumänien besonders aus. Viele Tankstellen hatten kein Benzin mehr, so dass es vorkam, dass wir selbst den letzten Kanister Reservebenzin nachfüllen mussten. 20 Liter führten wir immer mit. In solchen Fällen waren wir so gereizt, dass keiner den anderen mehr ansprechen mochte.

Gut erinnere ich mich noch an eine Situation. Der Reservehahn war schon längst geöffnet und das letzte bisschen Benzin hatte den Vergaser passiert. Mitten in einem rumänischen Dorf blieben wir endgültig stehen. Das Schlimmste war, dass vom letzten Benzin der Vergaser vollkommen verschmutzt war und ich ihn erst ausbauen und reinigen musste. Inzwischen war ein Teil der Dorfbevölkerung zu uns gekommen. Zum Glück hatten wir für derartige Fälle genügend Süßigkeiten mit, die meine Frau an die Umstehenden verteilte. An den Tankstellen erlebten wir Kolonnen von rumänischen Fahrzeugen, die dort Tage auf ihre monatliche Ration Benzin warteten. Dies ist kein Tippfehler. Zehn Liter pro Monat gab es für die einheimische Bevölkerung. Touristen hatten eine gesonderte Säule, die mehrfach verschlossen war. Wir durften auch vorfahren, was für uns oft beschämend war.

Gipfelfahrt im Kaukasus
Der Höhepunkt unserer Reisen führte uns mit dem Trabant in die damalige Sowjetunion. Wir unternahmen, gebucht beim Reisebüro der DDR, eine Rundfahrt auf dem großen Kaukasusring. Das größte, was wir je während unserer Fahrten erlebten, war die Georgische Heerstraße. Für uns ein Erlebnis, das alles bisherige in den Schatten stellte. Einige Serpentinen bewältigte unser voll bepackter und mit drei Personen besetzter Trabant nur im ersten Gang.
Ein ähnlich überwältigendes Erlebnis war die Fahrt auf den Elbrus. 9300 Kilometer legten wir während dieser Reise zurück, die unser Trabant mit nur einer Reifenpanne gut überstand.

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