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Auto & Verkehr

20. September 2017 | 02:10 Uhr

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

 Mit einem kühlen Getränk in der Mittelkonsole geht es über die Autobahn. Die Klimaanlage regelt die Temperatur, und der Tempomat hält automatisch den Abstand zum Vordermann. Moderne Autos bieten viel Komfort. Doch auch wenn europäische Autos auf dem alten Kontinent gebaut werden – viele Ideen stammen aus anderen Regionen.

„In manchen Ländern ist die Fahrzeugentwicklung weiter. In den USA legen Autofahrer im Schnitt deutlich mehr Kilometer zurück als in Deutschland, für sie ist das Auto ein zweites Zuhause“, sagt Paolo Tumminelli, Designprofessor an der Technischen Hochschule Köln. „Meist sind es deshalb Komfort-Details, die zuerst in amerikanischen und später in europäischen Autos kommen.“ Dazu zählen unter anderem Becherhalter, Automatik-Getriebe, Zentralverriegelung, Servolenkung, Klimaanlage, Tempomat und elektrisch öffnende Heckklappen.

Der Geschmack der Amerikaner deckt sich immer mehr mit dem europäischen. „Es gibt kaum Fahrzeuge, die nur für lokale Märkte entwickelt werden. Jedoch einige, die nicht in den USA angeboten werden. Die Hersteller sparen sich damit einen Vertrieb und die oft aufwändigen Zulassungshürden“, sagt Tumminelli.

Die Entscheidung, welches Fahrzeug auf welchem Markt verkauft wird, habe aber nichts mit der Größe des Unternehmens zu tun. Kleine Hersteller wie Lamborghini, Ferrari oder Aston Martin bieten ihre Fahrzeuge weltweit an.

Heute entwickeln Designer Autos, die auf der ganzen Welt den Geschmack treffen. Länder wie China oder die USA haben jedoch eine andere Ästhetik als Europa. In China habe der Drache eine besondere Bedeutung, so Tumminelli. „Deshalb erinnern auch entfernt Autos an ihn: große Frontpartie, großer Kühlergrill und nach hinten abfallende Linien, so dass das Auto schmaler wirkt.“ Nach deutschem Geschmack seien die Autos am Heck eher breiter. Europäer kultivieren eher den Mythos des sportlichen Autos.

Während US-Kunden auf Geländewagen und SUVs setzen, bevorzugen chinesische Kunden Limousinen. Eine Gattung, die in Europa nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Gebe es den Exportabsatz aber nicht, würden manche dieser Fahrzeuge kaum in Europa angeboten. „Wir haben heute eine lebendige Entwicklung durch die Öffnung der Märkte“, sagt Prof. Tumminelli.

Ihm zufolge wird in Zukunft das Design bei Fahrzeugen eine größere Rolle spielen, da sich die Autos darin maßgeblich unterscheiden. Die Technik und Qualität der Fahrzeuge sei nicht mehr ausschlaggebend für den Kauf – sie sei derzeit auf einem hohen Niveau. Auch der Preis sei bei der hohen Leasingquote nicht mehr Verkaufsargument Nummer eins.

Professor Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management an der Fachhochschule Wirtschaft in Bergisch Gladbach sieht den Vorteil von global entwickelten Autos und Fahrzeug-Plattformen darin, dass hohe Stückzahlen möglich sind. Das reduziere die Entwicklungskosten pro Stück und damit die Preise für den Endverbraucher. „Außerdem schauen die Hersteller bei hohen Stückzahlen noch genauer auf die Qualität.“ Aber es gebe noch Fahrzeuge für lokale Märkte. „Wenn der Markt groß genug ist, wie in China, kann es sich für Hersteller lohnen, ein spezielles Fahrzeug dafür zu entwickeln.“ Denn China mache rund 30 Prozent des weltweiten Absatzes aus.

Die Geschmäcker der Kunden seien international verschieden: Deutsche Kunden legen Wert auf ein hohes technisches Niveau und Individualisierung, asiatische auf Konnektivität und technische Spielereien, amerikanische auf Komfort. Von dem Mix profitieren alle Kunden weltweit. Ein gewisser Grad an Individualisierung und das Eingehen auf Kundenbedürfnisse würde aber künftig in allen Ländern wichtiger werden.

Um den Geschmack und die Wünsche der Kunden in den Ländern zu erfassen, besitzen die meisten Hersteller sogenannte Car-Kliniken. Dort werden Kunden anhand von Fahrzeugbeispielen nach ihren Vorlieben gefragt. Amerikanische Kunden bevorzugen große Ablagen für Flaschen und Kaffeebecher. Kein Wunder also, dass BMW im neuen in South Carolina gebauten X3 Platz für 1,5-Liter-Flaschen integriert hat. Auch das berührungslose Öffnen der Heckklappe wünschen sich besonders viele Amerikaner – der deutsche Kunde kann sich darüber bald freuen.

Die Fahrzeuge unterscheiden sich nur noch durch verschiedene Aufkleber und das Blinkerdesign. Aber noch etwas sei anders: „Europäische Kunden stellen ihre Fahrzeuge gerne individuell zusammen, Amerikaner wählen komplette Ausstattungspakete“, sagt Bill Buckley, Projektleiter X3 bei BMW in Spartanburg. Während deutsche Autofahrer meist eine schwarze Innenausstattung wählen, greifen Amerikaner lieber zu Braun und Chinesen zu helleren Tönen. Wichtig bei den Kunden aus allen Ländern: „Die Haptik, die Optik und auch das Geräusch beim Zuschlagen der Türen muss hochwertig sein“, so Buckley.

Chinesische Kunden erwarten außerdem mehr Chrom, einen sichtbaren Auspuff und einen edlen Innenraum. „Im Grunde bauen wir Weltautos. Es gibt mittlerweile viele Übereinstimmungen in den Ländern“, sagt Mercedes-Chef Dieter Zetsche. Die meisten Kunden verlangen im Premium-Segment Eigenschaften, die typischerweise dem Begriff „Made in Germany“ zugeschrieben werden: hohe Qualität, Sicherheit, Wertbeständigkeit und Sportlichkeit. Ganz gleich, ob sie im auf dem Highway unterwegs sind oder in der Stadt im Stau stehen – am besten mit einem kühlen Getränk im Becherhalter. 

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