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Serie Finanz-Wissen : Anleihen statt Spareinlagen?

vom
Aus der Onlineredaktion

Teil 9: Anleihen unterliegen Kursschwankungen. Wer von Zinssteigerungen ausgeht, sollte kurze Laufzeiten wählen

Wem die von den Banken angebotenen Zinsen auf Spareinlagen nicht reichen, kann sein Geld direkt als Kredit an Staaten, Unternehmen oder auch Banken vergeben.

Das geschieht über Anleihen, die der Anleger am Anleihemarkt (Börse) kauft. Je nach Bonität und Laufzeit der Anleihe können die Renditen unterschiedlich hoch sein. Der Anleger trägt dafür das Risiko, dass der Schuldner seinen Zins- und Tilgungsleistungen nicht vollumfänglich nachkommt.

Bei Anleihen ist nicht der gezahlte Zins wichtig, sondern die Rendite. Sie ist der einzige Vergleichsmaßstab bei Anleihen und setzt sich aus Nominalzins plus/minus Kursgewinn/-verlust zusammen. Hinzu kommen noch die Kosten und Gebühren der Bank, die die Rendite schmälern.

Anleihen werden an den Börsen gehandelt und unterliegen während der Laufzeit somit Kursschwankungen. Steigt der allgemeine Marktzins oder verschlechtert sich die Bonität des Emittenten, fällt der Anleihekurs und umgekehrt. Je länger die Restlaufzeit der Anleihe ist, desto stärker wirken sich diese Änderungen auf den Kurs der Anleihe aus. Erst zur Fälligkeit hat der Anleger einen Rückzahlungsanspruch von 100 Prozent des Anleihenennwertes.

Vereinfachtes Beispiel

Ein Anleger investiert heute 10 000 Euro in eine Anleihe (Zinskupon 2 Prozent, Laufzeit fünf Jahre, Kaufkurs 100 Prozent). Der Anleger erhält also fünf Jahre lang 2 Prozent Zinsen auf den Nennwert (10 000 Euro) und danach den Nennwert zu 100 Prozent zurück. Die Rendite entspricht hier genau dem Zinssatz. Steigt der Marktzins für fünfjährige Anleihen (über Nacht) von 2 auf 3 Prozent, würde kein Anleger mehr diese Anleihe kaufen, da er ja nur 2 Prozent statt nunmehr 3 Prozent Rendite erhält. Der Zinssatz der Anleihe ist jedoch fest. Deshalb gleicht der Markt diesen Nachteil aus. Da Anleger nun 5 Prozent (1 Prozent x fünf Jahre) mehr Zinsen bekommen müssten, fällt der Kurs der Anleihe um circa diesen Wert auf etwa 95 Prozent. Der Anleger, der diese Anleihe vorfristig verkaufen will, erleidet 5 Prozent Kursverlust.

Der Anleger jedoch, der sie erwirbt, investiert jetzt nur noch 9500 Euro für 10 000 Euro Nennwert, erhält darauf fünf Jahre lang 2 Prozent Zinsen und zusätzlich die gesparten 5 Prozent als Kursgewinn zur Fälligkeit. Nach fünf Jahren hat er insgesamt 15 Prozent Ertrag (5 x 2 Prozent Zinsen plus 5 Prozent Kursgewinn) – also eine jährliche Rendite von 3 Prozent pro Jahr – erzielt. Je länger die Restlaufzeit ist, desto größer ist dieser Kursänderungseffekt.

Tipp

Die letzten zehn Jahre waren geprägt von fallenden Zinsen. Langlaufende Anleihen haben dadurch sehr hohe Kurszuwächse erhalten.

Wer also zukünftig von Zinssteigerungen ausgeht, sollte eher Anleihen mit kurzen Laufzeiten kaufen, um die Kursrisiken während der Laufzeit gering zu halten und auf die Zinssteigerungen reagieren zu können.

Alternative – Rentenfonds (ETF)

Eine Alternative zu Anleihen können Anleihefonds (Rentenfonds) sein. Sie unterscheiden sich nach Emittent (Staaten, Unternehmen, Regionen), nach Laufzeiten und nach Währungen. Der Vorteil gegenüber Einzelanleihen ist die große Streuung.

Der größte Nachteil jedoch sind die vergleichsweise hohen Kosten der klassischen Rentenfonds. So kommen neben dem Ausgabeaufschlag noch Verwaltungskosten hinzu. Hier empfiehlt es sich, auf kostengünstige ETF (Exchange-Traded-Fund) zu setzen, die einen bestimmten Rentenmarktindex abbilden. Da sie jedoch keine Provisionen abwerfen, werden Sie von den meisten Banken nicht aktiv angeboten. Fragen lohnt sich also.

Achtung!

Derzeit ist kaum ein Marktsegment so von Spekulationen geprägt wie der Anleihemarkt. Das viele billige Geld, Spekulationen gegen Volkswirtschaften und Währungen sowie wirtschaftspolitische Interessen führen schon seit Jahren zu massiven Verwerfungen an den Anleihemärkten. Deutschland ist bisher der größte Profiteur dieser Entwicklung Die Zinsen für zehnjährige deutsche Staatsanleihen liegen derzeit bei 0,5 Prozent. Ob das eine faire Verzinsung ist, mag die Zukunft zeigen.

Ausländische Staatsanleihen oder auch einige Unternehmensanleihen erscheinen derzeit noch interessant. Doch bedenken Sie: Keiner zahlt freiwillig höhere Zinsen. Höhere Zinsen (Rendite) bedeutet stets eine schlechtere Bonität. Deshalb werden Sie misstrauisch, wenn Ihnen Anlagen mit Renditeversprechungen weit über Marktzins angeboten werden!

Eine eigene Zinsmeinung – gepaart mit geringen Kosten – ist notwendig, um heute noch angemessene Renditen erzielen zu können.

Im Vergleich können klassische Bankenanlagen mit Laufzeiten bis zu drei Jahren derzeit trotz niedriger Zinsen eine echte Alternative sein.

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