Lesertelefon: Geldanlage : Anleger benötigen einen langen Atem

Vor einer Investition sollten sich Sparer über ihre Anlage gut informieren.
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Vor einer Investition sollten sich Sparer über ihre Anlage gut informieren.

Wie spare ich für die Altersvorsorge? Wo gibt es hohe Renditen? Wie entwickelt sich das Zinsniveau? Experten beantworteten die Fragen unserer Leser.

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16. Mai 2017, 20:55 Uhr

Nullzinsen, aber zwei Prozent Inflation. Da wird das Ersparte nach und nach immer weniger wert. Was können Sparer tun? Wie legt man sein Geld am besten an? Fragen zur Geld- und Vermögensanlage beantworteten unseren Lesern drei Experten vom Bundesverband deutscher Banken – am Telefon und im Chat.

Aus einem Immobilienverkauf erhalte ich 100 000 Euro. Ich möchte davon regelmäßig 450 Euro monatlich entnehmen als „Mietzuschuss“. Welche Anlageform ist sinnvoll?

Auf Sparkonten und Tagesgeldkonten ist das Geld kurzfristig verfügbar und sicher, bringt Ihnen aber kaum Zinsen. Da Sie das Geld erst nach und nach benötigen, könnten Sie den Betrag nach Laufzeiten staffeln und einen Teil mittel- bis langfristig zum Beispiel in Fonds anlegen. Bei Fondsanlagen müssen Anleger zwar mit Wertschwankungen leben, andererseits sind aber längerfristig auch attraktive Renditen möglich. Vereinbaren Sie ein Gespräch mit Ihrem Berater, der Ihnen diesbezüglich Anlagevorschläge unterbreiten kann, die Ihren persönlichen Vorstellungen und Ihren Rendite- und Risikoerwartungen entsprechen.

Was kann ich tun bei schleichender Inflation und bei einem von der Europäischen Zentralbank angestrebten Inflationsziel von zwei Prozent, um mit meinen Anlagen eine höhere Rendite zu bekommen?

Eine Rendite oberhalb der Inflationsrate ist mit Sparkonten und Bundeswertpapieren nicht möglich. Wer die Inflation schlagen will und eine Rendite von über zwei Prozent anstrebt, muss bereit sein, bei seiner Geldanlage ein gewisses Risiko einzugehen. Damit ist nicht das Risiko eines Totalverlustes gemeint, sondern das Risiko von Wertschwankungen. Zu denken ist an Sachwertanlagen wie Aktien und Immobilien. Das geht auch mit kleinen Beträgen über entsprechende Fonds.

Gibt es Geldanlagen mit einer jährlichen Rendite von fünf Prozent?

Mit sicheren Geldanlagen ist diese Rendite nicht möglich. Bundesanleihen zum Beispiel bieten weniger als ein Prozent Rendite, bei kürzeren Laufzeiten ist deren Rendite sogar negativ. Auch für Sparkonten und Festgelder liegt die Verzinsung meist mehr oder weniger deutlich unter einem Prozent. Höhere Renditen bedeuten grundsätzlich auch mehr Risiko. Wer dazu bereit ist, kann beispielsweise mit Aktienanlagen langfristig durchaus mehr als fünf Prozent im Schnitt erzielen.

Gibt es „den“ besten Fonds?

Nein, welcher Fonds „der beste“ ist, hängt von den persönlichen Umständen des Anlegers ab. Für risikofreudige Anleger sind andere Fonds ratsam als für risikoaverse Anleger. Welche Fondsanlagen am besten zu Ihnen passen, sollten Sie im Gepräch mit Ihrem Berater klären. Wichtig: Wer in Fonds anlegen will, sollte einen Zeithorizont von mindestens fünf bis sechs Jahren für seine Anlage haben.

Welche Anlagen sind für einen Zeitraum von 20 Jahren sinnvoll?

Für diesen Zeitraum bieten Aktien die höchsten Renditechancen. Da die Aktienkurse derzeit auf historischen Höchstniveaus notieren, ist es jedoch ratsam, nach und nach einzusteigen oder einen Mischfonds zu bevorzugen, der sowohl in Aktien als auch in verzinsliche Papiere anlegt. Auch wer langfristig anlegt, sollte grundsätzlich auf eine breite Streuung seiner Anlagen achten und nicht einseitig investieren.

Lohnt es Gold zu kaufen?

Gold ist keine klassische Anlage, weil es keine regelmäßigen Zinsen abwirft. Im Rahmen einer breiten Risikostreuung kann man Gold mit etwa fünf, maximal zehn Prozent dem freien Anlagevermögen beimischen. Letztlich ist ein Goldkauf eine Spekulation auf einen Goldpreisanstieg.

Was halten Sie von Diamanten als Anlage?

Diamanten sind weniger leicht handelbar als Goldbarren oder Goldmünzen. Der Preis kann ebenso stark schwanken wie bei Gold. Als Geldanlage eher weniger geeignet als Edelmetalle.

Wie schätzen Sie die künftige Zinsentwicklung ein? Steigen bald die Zinsen?

Wir rechnen auf absehbare Zeit nicht mit einer Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank. Auch wenn eine Leitzinserhöhung kommt, dann wohl nur in kleineren Schritten über mehrere Jahre.

Wir besitzen seit Jahren verschiedene Aktien und haben uns stets über gute Dividendenausschüttungen gefreut. Nun hat der DAX (Deutscher Aktienindex) Rekordniveau erreicht. Sollen wir die Aktien weiter halten oder lieber verkaufen?

Sinnvoll ist eine Gesamtanalyse Ihres Vermögens. Haben Sie insgesamt eine breite Vermögensstreuung, die Ihren persönlichen Vorstellungen entspricht? Es kann nicht schaden, nach einer starken Kursentwicklung für einen Teil der Aktien auch mal Gewinne zu sichern, da niemand weiß, wo die Kurse künftig hingehen. Aber wenn Sie weiterhin auf gute Renditechancen aus sind und weiterhin von attraktiven Dividendenausschüttungen profitieren möchten, sollten Sie sich nicht ganz von Aktien verabschieden. Zumal es angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus kaum Alternativen auf dem Markt für verzinsliche Anlagen gibt.

Mir ist Sicherheit für mein Geld absolut wichtig, die Rendite ist mir dafür egal. Nun hat man mir „Zuwachssparen“ angeboten. Was halten Sie davon?

Wenn Ihr Sicherheitsanspruch sehr hoch ist, gibt es kaum eine Alternative zu klassischen Sparprodukten. Achten Sie aber auf die konkrete Vertragsgestaltung, insbesondere auch auf die Verfügbarkeit, Laufzeit und möglichen Kündigungsfristen.

Lohnt sich Sparen für die Altersvorsorge noch?

Ja, aber nicht mit herkömmlichem Sparen auf dem Sparbuch, da es kaum noch Zinsen gibt. Auch die klassische private Rentenversicherung bietet bei Neuverträgen nur noch einen bescheidenen Garantiezins von 0,9 Prozent. Fondssparpläne sind dagegen für regelmäßiges Sparen nach wie vor geeignet und bieten langfristig bessere Renditeaussichten. Sparen zur Vorsorge ist jedenfalls weiterhin wichtig und sinnvoll.

Was ist der Unterschied zwischen regelmäßigem Investmentsparen und einer Fondsversicherung?

Vorteile eines Fondssparplans sind hohe Flexibilität und ständige Verfügbarkeit des Kapitals. Eine Fondsversicherung hat dagegen in der Regel eine feste Laufzeit, sie kann steuerliche Vorteile bieten, im Regelfall ist während der Laufzeit ein kostenloser Fondswechsel möglich. Später ist eine Einmalauszahlung oder auch eine monatliche Rente möglich. Wichtig ist eine regelmäßige Überprüfung der Fondsauswahl.

Ist eine Investition in Aktien grundsätzlich sinnvoll?

Aufgrund des globalen Wirtschaftsaufschwungs und der positiven Stimmung an den Kapitalmärkten erscheint ein Investment sinnvoll. Schwankungen sind aber weiterhin zu erwarten. Anleger benötigen daher einen langen Atem. Aktuell sind Dividendentitel, aber auch Mischfonds bzw. Absicherungsstrategien mit Zertifikaten interessant.

150 000 Euro sind auf dem Girokonto zur Anlage, doch mit Wertpapieren hatte ich vor Jahren schlechte Erfahrungen gemacht. Was soll ich tun?

Ungeachtet der negativen Erfahrungen ist eine Wertpapieranlage mit einem Teil des Geldes empfehlenswert. Vereinbaren Sie dazu ein Beratungsgespräch mit Ihrer Bank. Stellen Sie dem Berater alle Fragen, die Sie im Zusammenhang mit Ihrer Geldanlage haben. Er kann Ihnen Vorschläge machen, die Ihren Anlagezielen und Ihrer Risikomentalität entsprechen.

Was kostet es, wenn ich Wertpapiere kaufe?

Das ist unterschiedlich und hängt unter anderem von der Art des Wertpapiers und von der Höhe des Anlagebetrages ab. Kosten müssen vom Bankberater genau erklärt und protokolliert werden.

Wo sehen Sie den Dax Ende 2017 – sieht nach Deckenbildung aus aktuell, oder?
Die Institute des Bundesverbandes Deutscher Banken haben unterschiedliche Prognosen für die kurze Frist. Insgesamt sehen wir aktuell einen DAX per Jahresultimo von etwa 13 000. Die Einschätzungen, ob es sich um einen Deckel oder einen Kursausbruch in einen neuen Bereich handelt, sehen die Marktteilnehmer unterschiedlich. Sicherlich ist das aktuelle Kursniveau geeignet, sich stärker mit den betriebswirtschaftlichen Ausprägungen einzelner Werte aus dem Index oder den Sub-Indizes auseinanderzusetzen. Generell ist es im Bereich der Anlageklasse Aktien sinnvoll, keinen zu kurzen Anlagehorizont zu haben...

500 Aktien Siemens, 400 Allianz, 210 BASF, 50 000 Euro in Gold, Einfamilienwohnhaus in Schwerin vermietet: Ist das als „Risikostreuung“ Ihrer Ansicht nach so sinnvoll? Oder sollte ich umschichten?

Dem Vernehmen nach sind Sie mit diesen Anlagen in drei von fünf Anlageklassen präsent. Im Bereich der Anlageklasse Aktien sind Sie in letzter Zeit vermutlich sehr erfolgreich am Markt präsent gewesen. Hier würden wir auf jeden Fall eine deutliche Verfeinerung der Streuung favorisieren, da Sie nur am deutschen Aktienmarkt investiert sind.

Gold sehen wir derzeit positiv, auf den ersten Blick jedoch scheint die Gewichtung zu hoch. Hier käme es auf eine Überprüfung Ihrer Anlagementalität an. Ein Einfamilienwohnhaus in Schwerin sollte aktuell von den auch aufgrund der niedrigen Kapitalmarktzinsen profitierenden Wertsteigerungen zielführend sein bei einem mindestens mittelfristigen Anlagehorizont. Insofern würde ich Ihre aktuelle Aufstellung mit den Gewichtungsempfehlungen Ihrer Bank abgleichen und sich die Vor- und Nachteile von Diversifikationsempfehlungen schildern lassen.

Experten: Roland Rueß, Jörn Floreck, Ralf Schönfeld


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