Lesertelefon Geld- und Vermögensanlage : Alternativen neben dem Sparbuch

Sicherheit, Liquidität und Rendite: Diese drei Ziele bilden die Ecken des magischen Dreiecks der Geldanlage.
Sicherheit, Liquidität und Rendite: Diese drei Ziele bilden die Ecken des magischen Dreiecks der Geldanlage.

Ohne Risiko ist Rendite nicht mehr möglich – doch welche Anlage passt zu wem? Experten vom Bundesverband deutscher Banken beantworteten die Leserfragen.

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07. Juni 2016, 20:45 Uhr

Die Nullzinspolitik der Notenbank verunsichert viele Sparer. Welche Anlagen lohnen sich noch? Fragen zur Geld- und Vermögensanlage beantworteten gestern per Telefon und Live-Chat drei Experten vom Bundesverband deutscher Banken. Ein Auszug zum Nachlesen.

Meine Enkelkinder sind 10 und 16 Jahre alt. Sie sollen von mir je 10 000 Euro bekommen mit 18 Jahren. Welche Anlagen schlagen Sie vor?

Für den 16-Jährigen würde ich zu Spar- oder Festgeld raten. Hier gibt es zwar wenig Zinsen, aber auch keine Wertschwankungen. Für den 10-Jährigen sind auch Alternativanlagen im Fondsbereich möglich. Für Fonds sollte man eine Mindestanlagedauer von drei bis fünf Jahren haben. Bei Fonds sind die Renditechancen größer, aber man muss auch Wertschwankungen hinnehmen. Besprechen Sie das mit Ihrer Hausbank. Bei Kontoeröffnungen auf die Enkel müssen Sie auch die Eltern als gesetzliche Vertreter der Kinder einbeziehen.

Bei welchen Fonds sind die Renditen am höchsten?

Auf lange Sicht sind erfahrungsgemäß bei Aktienfonds die Renditechancen am höchsten. Aber Anleger müssen hier auch die höchsten Wertschwankungen akzeptieren. Anleger sollten sich vor einem Fondskauf gut informieren, ob die ausgesuchten Fonds zu ihren Anlagezielen und ihrer Risikoneigung passen.

Welche Kosten fallen bei Investmentfonds an?

Beim Kauf müssen Anleger in der Regel einen einmaligen Ausgabeaufschlag zahlen. Hinzu kommen jährliche Verwaltungsgebühren und möglicherweise Depotgebühren. Fragen Sie nach, Investmentfonds müssen alle Kosten offen ausweisen.

Wann gibt es wieder bessere Zinsen?

Wir rechnen in den nächsten Jahren nicht mit steigenden Zinsen, weil die Europäische Zentralbank nach wie vor bestrebt ist, das Zinsniveau niedrig zu halten. Deshalb ist es für eine sinnvolle Vermögensanlage wichtig, nach Alternativen neben dem Sparbuch Ausschau zu halten. Auch Aktien gehören in eine langfristige Vermögensplanung.

Würden Sie mir als eher konservativem Anleger auch zu Aktien raten?

Für einen langfristigen Vermögensaufbau sind Aktien als Renditebringer unabdingbar. Sie sollten aber nur Geld in Aktien anlegen, das langfristig investiert werden kann, um Wertschwankungen aussitzen zu können.

Wichtig ist zudem, dass Aktienanlagen immer breit gestreut werden, weil niemand mit Sicherheit sagen kann, wie sich eine einzelne Aktien entwickeln wird. Außerdem ist eine sichere Liquiditätsreserve als Tagesgeld oder Festgeld sinnvoll.

Wie finde ich die richtigen Aktien?

Schauen Sie zum Beispiel einmal auf die 30 größten deutschen Aktienunternehmen, die im Deutschen Aktienindex DAX zusammengefasst sind. Wir haben in Deutschland viele führende Unternehmen, die international gut aufgestellt sind. Oft bieten diese Unternehmen auch ansehnliche Dividenden, das heißt regelmäßige Ausschüttungen, die angesichts der extrem niedrigen Zinsen umso attraktiver sind.

Wer hierauf Wert legt und nicht selbst Aktien auswählen möchte, kann auch auf Dividendenfonds setzen. Das sind Aktienfonds, die in dividendenstarke Aktienunternehmen investieren.

Wir sind Rentner. Wie können wir unser Geld anlegen, um gute Erträge zu erzielen?

Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Dafür ist zunächst zu klären, wie groß die Anlagesumme und wie groß Ihr Gesamtvermögen sind. Zudem sind Anlagedauer und Risikobereitschaft sowie Ihre Erfahrungen mit Wertpapieren wichtig. Empfehlenswert ist die Vereinbarung eines Beratungstermins bei Ihrer Hausbank, für den Sie ein bis zwei Stunden einplanen sollten. Es gibt für jeden Kunden eine passende Anlage bzw. Anlagenmischung.

Für Spareinlagen gibt es kaum noch Zinsen. Nun hat man uns Mischfonds empfohlen. Was meinen Sie?

Mischfonds können eine Alternative sein, wenn das Geld mittel- bis langfristig angelegt werden soll und man bereit ist, für eine höhere Rendite Wertschwankungen hinzunehmen. Denn: Ohne Risiko ist Rendite heutzutage nicht mehr möglich. Für eine kurzfristige Geldanlage sind sie aber nicht geeignet. Mischfonds sind Investmentfonds, die breit gestreut in Anleihen und Aktien anlegen.

Wie hoch ist die Rendite bei Mischfonds?

Das lässt sich im Vorhinein nicht sagen. Die Wertentwicklung hängt ab von der Entwicklung der Wertpapiere, in die der Fonds anlegt. Bisher konnten Anleger mit Mischfonds auf längere Sicht im Schnitt etwa drei bis fünf Prozent erzielen.

Wir haben einen Teil unseres Geldes in Aktienfonds angelegt und damit gute Erfahrung gemacht. Wie schätzen Sie die weiteren Aussichten für Aktien ein?

Wir sind für die Aktienmärkte positiv gestimmt, wenngleich man kurzfristig immer wieder mit heftigen Kursausschlägen rechnen muss. Denn im verzinslichen Bereich gibt es aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase kaum noch Rendite. Fest verzinste Wertpapiere sind also kaum eine Alternative. Und es sieht derzeit nicht danach aus, als wenn sich daran so bald etwas grundlegend ändern würde.

Wir überlegen, einen Teil unser Aktienfonds zu verkaufen. Sind die dabei erzielten Gewinne steuerpflichtig?

Wenn Sie die Aktienfonds vor 2009 erworben haben, sind daraus erzielte Veräußerungsgewinne steuerfrei. Für Veräußerungsgewinne aus Aktienfonds, die ab dem 1. Januar 2009 erworben wurden, fällt dagegen grundsätzlich Abgeltungsteuer an, wenn der Sparerfreibetrag von 801 Euro bzw. 1602 Euro bei Verheirateten überschritten ist.

Ich habe einen größeren Betrag Termingeld. Ist das sicher?

Durch die gesetzliche Einlagesicherung sind sämtliche Bankeinlagen eines Kunden bis zu maximal 100 000 Euro voll geschützt. Dazu gehören neben Spareinlagen auch Giro-, Festgeld- und Termineinlagen. Höhere Beträge sind oft durch freiwillige Sicherungseinrichtungen geschützt. Fragen Sie im Zweifel bei der Bank nach.

Nähere Informationen zur Einlagensicherung können Sie auch im Internet unter www.bankenverband.de einholen.

Sind auch Wertpapiere durch die Einlagensicherung geschützt?

Nein, Wertpapiere fallen nicht unter die Einlagensicherung. Bei Wertpapieren wie Inhaberschuldverschreibungen müssen Anleger auf die Bonität des Schuldners achten.

Wie kann ich die vermögenswirksamen Leistungen anlegen?

Hier bieten sich Fonds oder Bausparen an. Früher gab es auch noch Kapitallebensversicherungen, doch die wurden bei den meisten Anbietern aufgrund der niedrigen Zinsen inzwischen eingestellt. Vereinzelt kann es auch noch klassische VL-Sparverträge geben. Gegebenenfalls bietet sich je nach Höhe der gezahlten VL-Leistungen eine Aufstockung durch Gehaltsabzug an.

Aktienanleihen bieten einen Zins von vier bis fünf Prozent. Wo ist der Haken dabei?

Der Zins ist bei Aktienanleihen zwar garantiert, doch wenn der Kurs der zugrunde liegenden Aktie unter einen bestimmten Schwellenwert fällt, wird dem Anleger bei Fälligkeit des Wertpapiers nicht das Kapital zurückbezahlt, sondern stattdessen eine bestimmte Anzahl der Aktie eingebucht. Dann macht der Anleger Verlust. Aktienanleihen sind daher nur etwas für risikobereite Anleger.

Denken Sie, dass betriebliche Formen der Altersvorsorge, wie Pensionsfonds oder Pensionskasse sinnvolle Ergänzungen zur Rente sind? Oder gibt es andere Alternativen?

Wir halten das grundsätzlich für eine sehr gute Ergänzung der Altersvorsorge. Aber auch hier gilt: Es gibt viele Details zu beachten. Lassen Sie sich in Ruhe die Vor- und Nachteile der jeweiligen Instrumente schildern und sich eventuell parallel von Ihrem Anlageberater bei der Bank dabei noch fachlich unterstützen. Gute Berater gehen auf sinnvolle Überlegungen der Kunden/ Arbeitnehmer intensiv ein und zeigen alle möglichen Varianten und/oder Alternativen auf. In jedem Fall ist es aber zu begrüßen, dass Arbeitgeber sich auch in Phasen zinsreduzierter Märkte umfangreiche Gedanken zur Zukunftssicherung ihrer Mitarbeiter machen.

Alternativen oder Ergänzungen gibt es durchaus. Dabei sollte der Blick gut und gern auch über die staatlich unterstützten Angebote hinausgehen. Wichtig ist, dass die Anlageformen Ihren persönlichen perspektivischen Vorstellungen entsprechen. Im Laufe der letzten Jahre sind beispielsweise Investmentsparpläne mittels Fonds oder ETF’s (Indexfonds) immer günstiger geworden.

Ist es wegen der hohen Rendite sinnvoll, Geld im Ausland anzulegen, wie zum Beispiel in der Türkei?

Wir empfehlen die Beimischung von Anlagen in Fremdwährungen grundsätzlich eher bei größeren Vermögen, bei denen der Anleger den Wunsch äußert, die Dispositionen im Einzelfall zu entscheiden.

Wir unterscheiden jedoch schon, ob es sich bei ausländischen Anlagen um etablierte Industrieländer handelt oder um Schwellenländer, wie die Türkei, die regelmäßig einem stärkeren Länderrisiko ausgesetzt sind. Wir betrachten dabei immer das Risiko des Landes (höheren Zinsen stehen häufig auch höhere Schwankungsrisiken der betreffenden Währung entgegen) und das Risiko des Herausgebers des verzinslichen Wertpapieres (Emittentenrisiko). Eine Beimischung wird in aller Regel nur bis zum hohen einstelligen Prozentbereich empfohlen. Für kleinere Vermögen bieten sich Systemlösungen an (Vermögensmanagementsysteme oder Mischfonds), die Währungsanlagen beinhalten.

Von einer Anlage bei einer Bank direkt im Ausland schrecken zunehmend mehr Kunden zurück, da die Gebühren für die Verwahrung und Verwaltung in den letzten Jahren überproportional gestiegen sind. Hinzu kommen logistische Überlegungen, die sich auf die erhoffte Rendite negativ auswirken.

Gibt es aktuell eine Möglichkeit, eine Summe von 40 000 bis 50 000 Euro sinnvoller anzulegen als auf dem Tagesgeldkonto mit 0,5 Prozent? Bedingung ist die sofortige Verfügbarkeit, da auf dem Immobilienmarkt nach einem älteren Haus gesucht wird.

Im Grund nicht – von einer Geldanlage sprechen wir, wenn der mittelfristige Anlagezeitraum mindestens eingehalten werden kann. Bei kurzfristigem Bedarf (schnelle Entscheidung für einen Hauskauf) verbietet es sich in den allermeisten Fällen, nach Alternativen im Bereich der Renten-, Immobilien- oder Aktienmärkte zu suchen. Hier steht die Sicherheit dem Renditewunsch voran.

In Zeiten der Nullzinspolitik, respektive Minuszinspolitik der EZB Europäischen Zentralbank sind die von Ihnen angeführten 0,5 Prozent schon ein bemerkenswerter Zinssatz für kurzfristige Geldeinlagen!





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