zur Navigation springen

Lesertelefon : Aktienanlagen erfordern langen Atem

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Welche Geldanlage ist für wen die richtige? Zahlreiche Leser nutzten gestern unser Telefonforum mit Experten vom Bundesverband deutscher Banken

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Sparbuch, Fonds, Aktien – wohin mit dem Ersparten bei den niedrigen Zinsen? Wie kann man mehr aus seinem Geld machen? Fragen zur Geld- und Vermögensanlage beantworteten gestern bei unserem Leserforum zwei Experten vom Bundesverband deutscher Banken. Ein Auszug:

 

Nach sechs Jahren läuft nun mein Sparvertrag aus, etwa 20 000 Euro. Ich bin 75 Jahre alt und weiß nicht recht, wie ich das Geld neu anlegen soll. Was meinen Sie?

Aufgrund der niedrigen Zinsen und mit Rücksicht auf Ihr Alter würde ich das Geld nur für etwa ein bis drei Jahre festverzinslich anlegen. Holen Sie sich entsprechende Sparangebote ein und suchen Sie ein Anlagegespräch mit Ihrem Bankberater.

Wir haben einen offenen Immobilienfonds, er ist nicht gesperrt, und mit der Wertentwicklung waren wir bisher zufrieden. Sollen wir die Fondsanteile weiter halten?

Als Beimischung ja. Denn im Rahmen einer breiten Vermögensstreuung ist es sinnvoll, einen Teil auch in Immobilien investiert zu haben.

Kann ich heutzutage noch einen Zins von 3 Prozent für mein Geld bekommen?

Mit sicheren Anlagen ist das aktuell nicht möglich, Das Zinsniveau ist deutlich niedriger. Bedenken Sie, dass Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit, die erstklassige Bonität haben, derzeit nur eine Rendite von 1,0 Prozent bieten. Bei kürzeren Laufzeiten gleicher Bonität ist der Zins noch niedriger.

Wann steigen die Zinsen?

Auf absehbare Zeit ist mit deutlichen Zinssteigerungen nicht zu rechnen. Die Europäische Zentralbank hat mehrfach klargestellt, dass sie das Zinsniveau für die nächste Zeit niedrig halten will.

Wie lege ich 50 000 Euro am besten an?

Das hängt ab von Ihren Anlagezielen und Ihrer Risikoeinstellung. In der Regel hat es sich bewährt, sein Vermögen aufzuteilen auf verschiedene Anlageklassen wie Anleihen, Aktien, Immobilien. Darüber hinaus sollte man genügend verfügbare Liquidität zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto für unvorhergesehenen Geldbedarf halten. Im Detail besprechen Sie das am besten mit Ihrem Bankberater.

Ich habe seit zehn Jahren etwa 20 000 Euro in offenen Immobilienfonds angelegt. Muss ich bei einem Verkauf Halte- und Kündigungsfristen beachten?

Grundsätzlich gilt zwar eine zwölfmonatige Kündigungsfrist. Aber für offene Immobilienfondsanteile, die vor dem 21. Juli 2013 erworben wurden, hat der Anleger einen Freibetrag von 30 000 Euro pro Kalenderhalbjahr, den er ohne vorherige Kündigung sofort veräußern kann. Deshalb wird in Ihrem Fall keine Kündigungsfrist wirksam, das heißt Sie können Ihre Fondsanteile jederzeit veräußern.

Lohnen Mischfonds, wenn ich 6000 Euro für etwa fünf bis sechs Jahre anlegen möchte?

Wenn Sie eine höhere Rendite anstreben als bei einer herkömmlichen Spareinlage ja. Ein Mischfonds streut seine Anlagen breit auf Aktien und Anleihen. Mittel- bis langfristig ergeben sich dadurch gute Renditechancen. Sie müssen aber mit Wertschwankungen leben können, wenn Sie in Mischfonds anlegen. Berücksichtigen Sie auch den Ausgabeaufschlag, den Sie beim Kauf von Fondsanteilen einmalig zahlen, und den Sie über die Laufzeit wieder „verdienen“ müssen.

Ich könnte jetzt Aktien mit Gewinn verkaufen. Ist der Kursgewinn steuerpflichtig?

Wenn Sie die Aktien vor dem 1. Januar 2009 erworben haben, sind Veräußerungsgewinne steuerfrei. Haben Sie dagegen die Aktien nach dem 1. Januar 2009 erworben, unterliegen Veräußerungsgewinne grundsätzlich der Abgeltungsteuer zuzüglich Soli und gegebenenfalls der Kirchensteuer, wenn der jährliche Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro pro Person überschritten ist.

Lohnt es auf dividendenstarke Aktien zu setzen?

Wenn Sie bereit sind, das Kursrisiko von Aktien einzugehen, sind dividendenstarke Aktien eine gute Beimischung. Denn mit 3 Prozent und mehr sind die Dividenden großer Unternehmen – zum Beispiel aus dem DAX 30, der die größten 30 deutschen Aktiengesellschaften umfasst – attraktiver als die Verzinsung herkömmlicher Anleihen. Da aber niemand vorhersehen kann, wie sich die Aktienkurse künftig entwickeln, sollte man nur einen Teil seines Geldes dafür verwenden und dieses Geld auch langfristig investieren können. Für Aktienanlagen braucht man einen langen Atem, und man sollte trotz der Wertschwankungen ruhig schlafen können.

In 22 Monaten läuft die Zinsbindung unseres Hypothekendarlehens aus. Lohnt ein Forwarddarlehen?

Das lohnt durchaus, wenn Sie sich den akuell sehr niedrigen Zins sichern wollen. Sprechen Sie dazu zunächst Ihren Bankberater an. Sie können sich natürlich darüber hinaus auch Angebote anderer Institute zum Vergleich einholen.

Ich habe Anteile eines offenen Immobilienfonds, der gesperrt wurde. Was passiert nun? Wie geht es weiter?

Offene Immobilienfonds können für maximal zwei Jahre geschlossen werden. Danach müssen sie entweder wieder geöffnet oder abgewickelt werden.

Was kann ich bei einer Falschberatung meiner Bank tun, wenn diese auf meine Einwände nicht eingeht?

Sie können sich an den zuständigen Ombudsmann wenden. Bei den privaten Banken ist das die Ombudsstelle des Bundesverbandes deutscher Banken in Berlin. Sparkassen und Volksbanken haben eigene Ombudsstellen. Für Bankkunden ist das Ombudsmannverfahren kostenlos. Und es ist unbürokratisch. Der herkömmliche Rechtsweg, die Einschaltung eines Rechtsanwaltes, bleibt Ihnen immer noch unbenommen, sollten Sie mit der Entscheidung des Ombudsmanns nicht einverstanden sein.

Aus einem Immobilienverkauf erhalte ich 300 000 Euro. Wie lege ich den Betrag am besten an und wie sieht es mit der Steuerpflicht aus?

Eine breite Vermögensstreuung über verschiedene Anlageklassen ist ratsam. Dazu empfehle ich Ihnen ein Beratungsgespräch bei Ihrer Bank. Kapitalerträge sind grundsätzlich steuerpflichtig, wenn der Sparerpauschbetrag von 801 Euro im Jahr – Eheleute das Doppelte – überschritten wird. Dabei gilt seit 2009 nicht mehr der persönliche Einkommensteuersatz, sondern die 25-prozentige Abgeltungsteuer zuzüglich Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Ist eine Goldanlage sinnvoll?

Als Vermögensbeimischung mit etwa 5 bis 10 Prozent wird Gold oft empfohlen. Anleger sollten aber bedenken, dass Gold keine regelmäßigen Erträge bringt. Gold ist keine herkömmliche Anlage, sondern gilt eher als eine Art Versicherung für Finanzkrisen. Verdienen lässt sich damit nur, wenn der Goldpreis steigt.

Was ist besser, Goldmünzen oder Goldbarren?

Das ist Geschmacksache. Sowohl Goldbarren wie auch gängige Goldmünzen können in Deutschland mehrwertsteuerfrei erworben werden. Eine kleinere Stückelung empfiehlt sich, wenn man sein Gold einmal aufteilen, teilweise veräußern, verschenken oder vererben möchte. Andererseits sind kleinere Stückelungen sowohl bei Goldbarren wie Goldmünzen im Verhältnis zu großen Stückelungen teurer.

Aus meiner Lebensversicherung bekomme ich 130 000 Euro. Mein Haus ist schuldenfrei, aber ich habe kein weiteres Vermögen. Wie lege ich das Geld am besten an?

Das hängt von Ihren eigenen Zielen und Ihrem Bedarf ab. Wenn Sie zum Beispiel Ihre Rente aufbessern möchten, kann es sinnvoll sein, für einen Teil des Geldes eine Sofortrente abzuschließen. Oder Sie vereinbaren einen monatlichen Auszahlplan im Sparbereich oder mit Fonds. Eine Notfallreserve sollte auf jeden Fall auf dem Girokonto oder Sparkonto verbleiben. Ratsam ist ein ausführliches Beratungsgespräch bei der Bank mit einer entsprechenden Bedarfsanalyse.

Ich möchte einen Teil meines Vermögens an meinen Sohn übertragen und dabei sicherstellen, dass aus der Erbmasse möglichst lange eine monatliche Zahlung an meinen Sohn erfolgt. Es soll keinesfalls das Erbe auf einen Schlag verbraucht werden. Was tun?

Suchen Sie eine Lösung unter Einbindung Ihres Sohnes und eines versierten Rechtsanwaltes. Sprechen Sie auch mit Versicherungen, weil hier lebenslange Auszahlpläne für die persönliche Absicherung Ihres Sohnes möglich sind.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen