Ausbreitung der Beifuß-Ambrosie : Aggressiv, aggressiver, Ambrosia

Mit Schutzanzug, Handschuhen und Feinstaubmaske  beseitigt ein Mann  Beifuß-Ambrosiapflanzen.
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Mit Schutzanzug, Handschuhen und Feinstaubmaske beseitigt ein Mann Beifuß-Ambrosiapflanzen.

Eine Ausbreitung der Beifuß-Ambrosie könnte in Deutschland Kosten in Millionenhöhe verursachen. Die aus Nordamerika eingeschleppte Pflanze verlängert mit ihrem späten Pollenflug die Beschwerdezeit der Allergiker.

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26. September 2012, 10:39 Uhr

Eine Ausbreitung der Beifuß-Ambrosie könnte in Deutschland Kosten in Millionenhöhe verursachen. Die aus Nordamerika eingeschleppte Pflanze verlängert mit ihrem späten Pollenflug die Beschwerdezeit der Allergiker. Die dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten, etwa für Behandlungen oder durch krankheitsbedingte Fehlzeiten, beziffert eine Pilotstudie erstmalig auf 200 Millionen bis - im schlimmsten Fall - mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr. Die Ausbreitung der Pflanze müsse deswegen eingedämmt werden, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Umweltmedizin in Forschung und Praxis".

Die Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und des Allergiezentrums der Ludwig-Maximilians-Universität München hatten für ihre Studie Pollenallergiker in Süddeutschland befragt und die Ergebnisse auf Deutschland hochgerechnet. "Kosten von Ambrosia-Allergien abzuschätzen ist auch deshalb bedeutsam, weil Maßnahmen gegen die Verbreitung der Ambrosia ebenfalls Kosten verursachen", erklärte UFZ-Studienleiterin Wanda Born. Die Pollenallergiker waren gefragt worden, wie oft sie allergiebedingt einen Arzt aufsuchen, wie lange sie stationär behandelt werden müssen oder wie lange sie deshalb arbeitsunfähig sind.

Extrem aggressive Pollen und späte Blütezeit

Die Ambrosia, auch Beifuß-Ambrosie oder beifußblättriges Traubenkraut genannt, ist in mehrfacher Hinsicht besonders gefährlich. Die Pflanze ist extrem allergen. Schon rund zehn Pollen pro Kubikmeter Luft genügen, um bei Pollenallergikern - und nicht nur bei ihnen - die typischen Reaktionen wie tränende und juckende Augen, Heuschnupfen oder Kopfschmerzen auszulösen. Die Symptome können bis hin zu Atemnot und Asthmaanfällen reichen. Gleichzeitig produziert die Ambrosia sehr viele Samen, eine einzelne Pflanze mehrere Zehntausend, die noch dazu über Jahrzehnte keimfähig bleiben. Außerdem hat die Beifuß-Ambrosie ihre Hauptblütezeit von August bis zum ersten Frost. Das verlängert die Leidenszeit für Pollenallergiker um Wochen. Wer im Oktober mit Heuschnupfen zu kämpfen hat, reagiert möglicherweise allergisch auf die Ambrosia-Pollen.

Durch den weltweiten Handel und die sich verändernden Klimabedingungen war das beifußblättrige Traubenkraut im 19. Jahrhundert nach Europa gekommen. In Südfrankreich, Norditalien, Ungarn, Slowenien, in der Slowakei und der Schweiz hat sich der Eindringling schon extrem ausgebreitet. In Deutschland sind der Süden und Teile des Ostens besonders betroffen. Die Ausbreitung erfolgt hauptsächlich über Saatgut und Futtermittel, die mit Ambrosiasamen verunreinigt sind, und durch den Transport von Erde in der Land- und Bauwirtschaft. Durch Vogelfutter kommt die Ambrosia in private Gärten, Zoos und Parks.

Auf Brachflächen zu finden

Die Pflanzen mögen offenen, salzhaltigen Boden, Licht, Wärme und vor allem in der Wachstumsphase viel Feuchtigkeit. Frost erhöht die Keimfähigkeit. Die Ambrosia ist nicht verdrängend. Gegen andere Gräser und Unkräuter kann sie sich nicht durchsetzen. Daher ist sie häufig auf Brachland, an Bahndämmen oder auf Schutthalden zu finden.

Wer in seinem Garten Ambrosia-Pflanzen entdeckt, sollte sie am besten vor der Blüte mitsamt der Wurzel he rausreißen und in einer Plastetüte in den Hausmüll werfen. Dabei sollten Handschuhe und lange Kleidung getragen werden, um die Härchen am Stengel nicht zu berühren. Diese können zu Hautreaktionen führen. Blühen die Pflanzen bereits, raten Experten sogar zu einem Mundschutz. Allergiker sollten diese Arbeit nie selbst ausführen.

Verwechslungsgefahr mit Gemeinem Beifuß

Um die Beifuß-Ambrosie beseitigen zu können, muss man sie zunächst erkennen. Und das ist nicht so einfach. Sie ist leicht mit dem Gemeinen Beifuß zu verwechseln. Aber es gibt deutliche Unterscheidungsmerkmale. Die Sprossachse ist bei der Ambrosia behaart, beim Beifuß nicht. Außerdem sind die Blätter der Ambrosia artemisiifolia - so der lateinische Name - beidseitig grün, während die Blattunterseiten des Beifuß deutlich weiß-silbrig aussehen. Der Beifuß riecht zudem aromatisch, während die Ambrosia nicht duftet.

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