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Ratgeber

19. November 2017 | 17:09 Uhr

Gesundheit : Abnehmen beginnt im Kopf

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Der Frühling ist die Zeit der Diäten. Ob Low Carb Diät, Formula Diät oder Atkins Diät - mal soll wenig Kohlenhydrate essen, mal gar keine, mal die richtigen. Doch das Abnehmen beginnt im Kopf.

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erstellt am 02.Apr.2012 | 10:03 Uhr

Der Frühling ist die Zeit der Diäten. Vollmundig werden sie von den jeweiligen Vertretern angepriesen. Low Carb Diät, Formula Diät oder Atkins Diät - mal soll wenig Kohlenhydrate essen, mal gar keine, mal die richtigen. Prof. Dr. Susanne Klaus vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung weiß: "Oft werden sogar einzelne Nahrungsmittel, zum Beispiel Zucker, für die Gewichtszunahme verantwortlich gemacht." Ein bestimmtes Nahrungsmittel oder eine Nahrungsmittelgruppe können jedoch nicht allein an den Pranger gestellt werden. Entscheidend sei immer die Summe der Kalorien. Nach Beendigung der Radikal-Diät tritt oft der sogenannte Jo-Jo-Effekt ein. Die große Mehrheit der Betroffenen, Experten schätzen bis zu 80 Prozent, nehmen das abgenommene Gewicht schnell wieder zu und in der Regel noch ein paar Kilogramm mehr. "Die Diät war dann einfach zu rigide, und die alten Ernährungsgewohnheiten setzten sich wieder durch", sagt die Professorin. Das Diäten-Dilemma nimmt seinen Lauf.

Alternativen zur süßen Belohnung suchen

In der Theorie wissen wir sogar, was dagegen hilft, als da wären: dauerhafte Umstellung der Ess- und Trinkgewohnheiten, mehr Bewegung. Was uns hindert, genau das auf die Dauer umzusetzen, findet im Kopf statt. "Psychologische Faktoren sind enorm wichtig", so Martina Ammann, die als diplomierte Ernährungsberaterin HF arbeitet. "Wie viele Personen essen oder trinken etwas, um sich Gutes zu tun, wenn es ihnen schlecht geht oder sie belastet sind. Gerade in diesen Situationen ist der Griff in den Kühlschrank sehr bequem." Hier müssen Alternativen zu Schokolade und Co erarbeitet werden. Für die Expertin ein ganz klar psychologischer Prozess. Im Sinne, was kann ich tun, um das emotionale Defizit anders auszugleichen als über das Essen.

Der US-amerikanische Ernährungspsychologe Brian Wansink beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema, warum wer wann was isst, und er ist zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen. In seinem Buch "Essen ohne Sinn und Verstand" schreibt er: "Wir stopfen uns nicht aus Hunger voll, sondern weil uns Familie und Freunde beeinflussen, Packungen und Päckchen, Namen und Nummern, Ablenkungen und Abweichungen, Geruch und Geschmack."

Beispiele fallen einem dazu genug ein. Sie lehnen bei einer Einladung ein zweites Stück Kuchen ab. Wer wird da nicht weich, wenn die Gastgeberin fragt: Hat es Dir etwa nicht geschmeckt? Oder wenn im Supermarkt ein neues besonders schaumig geschlagenes Puddingprodukt auftaucht. Nur einmal probieren. Schon ist man in die Essfalle getappt, und die Versuchungen lauern überall. Doch was hier negativ gepolt scheint, lässt sich durch kleine Tricks auch ins Positive wenden. Denn Wansinks Überzeugung ist, eiserner Wille allein führt meist nicht zum Ziel. Vielmehr sind es viele kleine Änderungen in der Umgebung und im Alltagsverhalten, die Erfolg versprechen. So könne man kleine Teller benutzen, denn wir sind darauf geeicht, aufzuessen. Süßigkeiten sollten in einem abgeschlossenen Schrank außer Reichweite aufbewahrt werden, denn was vor uns steht, werde auch gegessen. Jeder kennt das etwa von beruflichen Meetings. Besonders wichtig im Prozess der Ernährungsumstellung ist auch die fortwährende Motivation. So kann man sich seine Lieblingsjeans über den Stuhl hängen, in die man schon seit geraumer Zeit nicht mehr hineinpasst. Oder Sie heften ein Foto aus alter Zeit an den Kühlschrank, als Sie noch schlanker waren. Hilfreich ist auch sich zu überlegen, wie man sich anders belohnen kann, wenn vermeintlich Essen die Lösung ist. Frauen beispielsweise könnten sich die Nägel lackieren oder einen neuen Duft auftragen. Statt sich beim Abnehmen mit dem Satz "Du musst, du musst" zusätzlich unter Druck zu setzen, ist es oft wirkungsvoller einfach zu entspannen, sich ein Bad zu gönnen oder die Rosen zu beschneiden.

Wohlfühlgewicht statt Body-Maß-Index

Hinzu kommt, dass immer noch im Rahmen einer Ernährungsberatung standardmäßig mit dem Bodymaßindex gearbeitet wird. Doch in der letzten Zeit sprechen Ernährungsmediziner schon häufiger vom individuellen Wohlfühlgewicht. Das kann auch schon mal um einiges über dem BMI liegen. Jedes Programm zur Gewichtsreduktion sollte ganz individuell erarbeitet werden. Unterschiede gibt es hier beispielsweise auch zwischen Männern und Frauen. Für einige ist es angebracht, regelmäßig einen großen Teller Salat zu essen, andere profitieren mehr von eiweißreicher Kost. Einen überraschenden Befund lieferte jetzt ein deutsches Forscherteam von der Universität Tübingen. Im Rahmen einer Studie haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung genetisch so veranlagt ist, dass Vollkornbrot bei der Gewichtsabnahme nicht hilfreich ist. "Am Ende kommt es darauf an, die Ernährungsform für sich zu finden, die einem langfristig entspricht", sagt Prof. Susanne Klaus. Man kann das Projekt Gewichtsabnahme also ganz entspannt angehen.

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