Vom Gesellen zum Meister : Meisterschule: Wo will ich hin?

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So finden Gesellen die richtige Meisterschule

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22. Juni 2019, 16:00 Uhr

Den Meisterbrief im eigenen Betrieb an die Wand hängen – für viele Handwerker ein großer Traum. Auf dem Weg dorthin gilt es aber zunächst die Meisterprüfung zu bestehen. Wer die vier Teile Fachpraxis, Fachtheorie, Betriebswirtschaft und Recht sowie Berufs- und Arbeitspädagogik erfolgreich absolviert, hat eine Qualifikation, die dem Bachelor-Abschluss an der Uni entspricht.

Doch anders als die Prüfung an sich ist die Vorbereitung darauf nicht gesetzlich geregelt, erklärt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Dafür gibt es bei verschiedenen Bildungseinrichtungen Meisterschulen oder Meisterkurse.

Doch wie finden Gesellen die passende Fortbildung?

Der ZDH empfiehlt, zunächst zu prüfen, ob die Schule zu den individuellen Zielen passt. Für einen Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik können die betriebswirtschaftlichen Inhalte im Lehrplan zum Beispiel besonders wichtig sein – etwa weil er den elterlichen Betrieb übernehmen möchte. Dagegen legt ein Konditorgeselle womöglich großen Wert darauf, bestimmte handwerkliche Techniken zu vertiefen – oder er weiß umgekehrt schon, dass gewisse Fertigkeiten für ihn keine Rolle spielen.

Konditormeisterin Alina Jakobsmeier ist zum Beispiel 2018 für die Meisterschule von Hamburg nach Köln gezogen. Für sie war neben dem guten Ruf der Schule entscheidend, dass dort wenig mit Zuckertechniken gearbeitet wird: „Ich wusste, dass ich das nicht vertiefen möchte, weil ich es nicht für zeitgemäß halte und auch, dass ich es für mein späteres Berufsleben nicht brauche werde.“ Laut ZDH spielt es für die Wahl der Meisterschule eine Rolle, welche Qualifikationen ein Geselle bereits erworben hat. Einzelne Abschlüsse, die Weiterbildung zum Kfz-Servicetechniker etwa, können sich angehende Meister auf die Prüfung anrechnen lassen – und deshalb auch diesen Teil der Vorbereitung außer Acht lassen.

Keine festen Qualitätskriterien für Meistervorbereitungskurse

Da es keine festen Qualitätskriterien für die Meistervorbereitungskurse gibt, ist es nicht immer einfach, gute Angebote zu erkennen. „Man sollte sich die Kurse ganz genau ansehen“, empfiehlt Julia Kuhnt, Weiterbildungsberaterin bei der Handwerkskammer Potsdam. „Die Lehrzeit und die Inhalte sollten in vernünftiger Relation zueinander stehen“.

Da gebe es große Unterschiede: Wo die Handwerkskammern zum Beispiel für bestimmte Teile der Vorbereitungskurse drei Monate einplanen, werben andere Anbieter mit Kursen, die nur wenige Tage oder Wochen dauern. Seinen Meister in möglichst kurzer Zeit abzuschließen, ist aber nicht alles. Viel wichtiger sei es ihrer Meinung nach, „dass die Teilnahme auf das Leben als Meister vorbereitet und man selbstbewusst in die Karriere geht“.

Daher gilt laut Kuhnt: Nicht nur auf prüfungsrelevante Aspekte achten, sondern auch auf Inhalte, die später im Beruf wichtig sind – zum Beispiel pädagogische Kenntnisse für die Tätigkeit als Ausbilder.

Entscheidend ist, ob die Schule zu den individuellen Rahmenbedingungen und Ressourcen passt. Der ZDH empfiehlt, vorab zu klären, ob eine Weiterbildung in Voll- oder Teilzeit besser zu den Familien- und Arbeitsbedingungen passt. Und wie viel Zeit jemand in die Fortbildung investieren muss. Auch die Frage, ob sich die Vorbereitung über das Aufstiegs-Bafög finanzieren lässt, kann die Entscheidung beeinflussen.

Für die frischgebackene Meisterin Alina Jakobsmeier war zum Beispiel von Anfang an klar: „Eine Meisterschule in Teilzeit kommt bei den Arbeitsbedingungen als Konditor nicht infrage.“ Am Ende sei es für sie eine Kosten-Nutzen-Rechnung gewesen: Wie viel Zeit und Geld muss man in die Meisterausbildung investieren, um gleichzeitig den größten Lernerfolg mitzunehmen? Der Vorbereitungskurs zur Meisterprüfung in Köln zum Beispiel ist auf ein halbes Jahr angelegt – in München dauert die Schule etwa elf Monate.

Meisten Einrichtungen erfüllen gute Standards

Außerdem wichtig sind die Ausstattung der Werkstätten, die Erreichbarkeit der Bildungseinrichtung sowie die fachliche und pädagogische Qualifikation der Dozenten. Wer die Wahl hat, sollte sich die Schulen vor Ort einfach mal ansehen, empfiehlt Knut Diekmann, Weiterbildungsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertags in Berlin. Und gegebenenfalls mit dem Geschäftsführer oder einem der Dozenten sprechen. „Ein Blick in die Unterrichtsräume und Werkstätten kann helfen, ein besseres Bild von der Ausstattung der Einrichtung zu bekommen.“

Die meisten Einrichtungen erfüllen gute Standards, sagt Diekmann. „Denn die staatliche Förderung der Prüfungsteilnehmer ist an bestimmte Qualitätskriterien der Anbieter gebunden.“ Aber auch Bildungszentren, die nicht staatlich gefördert sind, seien gut ausgestattet. „Hier erfolgt die Qualitätsprüfung oft in Eigenregie. Schulen und andere staatliche Einrichtungen durchlaufen eine öffentliche Prüfung, die die Qualität der Lehre belegt.“

Individuelle Faktoren wie die Zusammensetzung der Klasse oder Gruppe können bei der Entscheidung zwar auch eine Rolle spielen. „Das kann aber nur der Einzelne für sich beurteilen“, sagt Diekmann. Zudem ist es schwierig, diese Kriterien im Vorfeld der Entscheidung zu prüfen.

Einen guten Überblick zu den Weiterbildungsangeboten bekommen Interessierte bei Online-Datenbanken. Der ZDH verweist beispielsweise auf die Meisterschulen-Datenbank der Verlagsanstalt Handwerk unter www.handwerksblatt.de. Gesellen können zudem unter www.karriereportal-handwerk.de suchen.

Die Handwerkskammern empfehlen neben ihren eigenen Internetauftritten die Webseite www.meisterschulen.de oder das Angebot Kursnet der Bundesagentur für Arbeit. Ergänzend lohnt sich eine Weiterbildungsberatung bei der Handwerkskammer vor Ort.

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