Austritte aus der AfD : Neue Partei von Frauke Petry? Im Internet gibt es „die Blauen“ schon

<p>Frauke Petry und ihr Ehemann Markus Pretzell wollen nicht Teil der AfD-Bundestagsfraktion sein.</p>
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Frauke Petry und ihr Ehemann Markus Pretzell wollen nicht Teil der AfD-Bundestagsfraktion sein.

Petry hat sich eine Internetadresse sichern lassen: www.dieblauen.de – und das schon vor Monaten. Oder war das am Ende doch nur ein „Böhmermann“?

svz.de von
27. September 2017, 11:26 Uhr

Berlin | Wohin geht der Weg der bislang wenigen AfD-Abtrünnigen und was haben sie im Hinblick auf zukünftige Wahlen politisch vor? Nach dem Austritt von Frauke Petry aus der AfD-Fraktion und geplanten Parteiaustritten gibt es Indizien dafür, dass sich die Abweichler den neuen parlamentarischen Gruppennamen „die Blauen“ geben. Möglicherweise wird die Splittergruppe unter selbigem Namen auch eine neue Partei gründen, die die AfD-Markenfarbe übernimmt.

Dass eine Partei-Gründung im Raum steht, ließ Petrys Ehemann Marcus Pretzell am Mittwoch im ZDF anklingen: „Es gibt derzeit keine Partei, die in der Lage wäre, politische Veränderungen in Deutschland durchzusetzen. Und wenn es keine gibt, dann muss man ... ja, lassen Sie sich mal überraschen, was wir so vorhaben“, sagte Pretzell zu Neugründungsplänen. „Wir sind dabei, wir führen eine ganze Menge Gespräche in diesen Tagen.“

Wie eine Domain-Abfrage zeigt, sind die Planungen einer Neugründung oder parlamentarischen Abspaltung vielleicht schon deutlich älter. Da ist ein auf Petry registiertes Projekt namens „die Blauen“, das schon seit Monaten hinter vorgehaltener Hand exisiert. Am 3. Juli 2017 aktualisierte eine Frauke Petry, laut Registrierung wohnhaft in Tautenheim/Frohburg (Wohnort/Pastorat ihres Ex-Mannes), letztmals die Internet-Domain dieblauen.de.

<p>www.dieblauen.de registriert auf Frauke Petry.</p>
Foto: Denic/Screenhot/shz.de

www.dieblauen.de registriert auf Frauke Petry.

Petry bestätigte am Mittwoch laut jedoch die Anmeldung der Internetadresse. Sie betonte aber, dass dahinter keine Partei stecke. „Blau“ verkörpere eine Idee, sei aber kein Parteiname, erklärte die fünffache Mutter am Rande einer Sitzung des Sächsischen Landtags.

Zuvor waren Zweifel angebracht, ob wirklich Frauke Petry dahintersteckt. Die Domain dieblauen.de existiert bereits seit dem 11. Juli 2009 und wurde am 19. Januar 2016 auf den Web-Dienstleister United Domains übertragen. Die letzte Änderung an dem Domain-Eintrag wurde am 3. Juli 2017 vorgenommen. Aus öffentlich einsehbaren Einträgen kann man nicht rekonstruieren, wer die Domain ursprünglich eingerichtet hat oder ob die Domain dieblauen.de im Laufe der Zeit verkauft wurde. Bei der Registrierung einer Internet-Adresse muss man in Deutschland keinen Ausweis vorlegen.

Auch einen Twitter-Account für eine Palamentariergruppe namens „die Blauen“ gibt es bereits, eine erste Pressekonferenz zu noch unbekannter Zeit wurde über den Kanal ankündigt. Dieses Konto mit einer umgekippten Deutschlandflagge als Hintergrundbild erwies sich jedoch als Fake. Hinter der Verwirrung stiftenden Satire könnte wurde zunächst der TV-Komiker Jan Böhmermann vermutet. Wer wirklich dahinter steckt, ist bisher jedoch unklar.

 
 

Petry nahm nach ihrem Austritt aus der sächsischen AfD-Landtagsfraktion am Mittwoch mit ihren beiden Mitstreitern Kirsten Muster und Uwe Wurlitzer in der letzten Reihe der AfD-Fraktion im Plenarsaal als fraktionslose Abgeordnete Platz. Eine räumliche Trennung soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Das Trio wurde bei der Landtagssitzung aber von mehreren ihrer früheren Kollegen mit Handschlag begrüßt. Petry räumte ein, dass es menschlich eine schwierige Situation sei: „Wenn man sich von einer Partei trennt, da hängen auch Emotionen dran.“ Man versuche aber, das menschlich fair durchzuziehen. Man sollte das so handhaben „wie bei einer Ehescheidung, wenn Kinder betroffen sind“, sagte sie.

Pretzell und seine Ehefrau, die Noch-Parteivorsitzende Frauke Petry, hatten am Dienstag angekündigt, ihre Ämter niederzulegen und aus der AfD auszutreten. Petry hatte das mit der „Radikalisierung“ der Partei begründet. Die ehemaliger Parteivorsitzende ist am Mittwoch, 27. September 2017, um 22.45 Uhr zu Gast in der ARD-Sendung „Maischberger“.

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