Zwischen Pest und Cholera

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22. August 2008, 10:01 Uhr

Zugegeben, Kultusminister Henry Tesch (CDU) und sein Staatssekretär haben mit dem Theaterkonzept etwas vorgelegt, was zwei ihrer SPD-Vorgänger nicht geschafft haben. Seit dem ersten Theatergutachten 1999 rufen die Kreise und Städte lautstark nach einer Landesentscheidung, jetzt haben sie ein Eckpunkte-Papier, das sich in seiner Deutlichkeit gewaschen hat. Der neuerliche Aufschrei ist programmiert. In dem Wissen darum, hat Tesch das Papier entgegen erster Absicht unter Verschluss gehalten, eine echte Geheimniskrämerei daraus gemacht. Diesem Streit wichen andere aus.

Festzuhalten ist auch: Die Schmerzen sind gleichmäßig verteilt. Am schlimmsten trifft es das Theater Parchim, das schon lange mit dem Mecklenburgischen Staatstheater fusioniert sein sollte, bislang aber geschickt diesen Plänen auswich. Nach der heutigen Veröffentlichung wird die Debatte jedoch landesweit aufbrechen, denn die große Frage ist: Kann man in Theaterfusionen über Hunderte Kilometer Entfernung noch spielen und künstlerische Qualität abliefern, oder fährt man nur noch? Ein Kultursterben auf dem Land ist zu befürchten. Die großen Städte sind da noch am besten dran.

Wenn sie sich denn zu ihren Theatern bekennen, und nicht wie Rostock schon im Vorhinein auf Sparflamme drehen. Die Städte können sich nicht auf Kosten des Landes ihrer Theaterfinanzierung entziehen. Sie können aber in dem Kulturraumkonzept neue Mitfinanziers gewinnen. Das Problem nur: Der Kultusminister fordert die finanzielle Verantwortung der Kommunen für ihre Theater. Der Innenminister hingegen fordert die finanzielle Konsolidierung der Kommunalhaushalte zu Lasten der Theater, wenn man den Hinweisen des Landesrechnungshofes folgt. Die Bürgermeister haben die Wahl zwischen Pest und Cholera.

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