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Bützow: Arbeitsmarktreform bringt dramatische Veränderungen : Zweiter Arbeitsmarkt in Gefahr

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Wenn Czarschka, Geschäftsführerin des Vereins "BQG Umwelt und Arbeit Bützow und Umland", an April 2012 denkt, wird sie unruhig. Dann soll die Arbeitsmarktreform des Bundes in Kraft treten.

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erstellt am 27.Jul.2011 | 11:15 Uhr

Wenn Birgit Czarschka, die Geschäftsführerin des Vereins "BQG Umwelt und Arbeit Bützow und Umland", an den April 2012 denkt, wird sie äußerst unruhig. Dann soll die Arbeitsmarktreform des Bundes in Kraft treten - mit dramatischen Folgen. "Der Zweite Arbeitsmarkt wird zusammenbrechen." Denn die Hürden, Langzeitarbeitslose zu beschäftigen, werden noch höher. Der Zuschuss für Beschäftigungsgesellschaften wie die BQG wird um bis zu 80 Prozent gesenkt. "Angekündigt waren 30 Prozent", sagt Czarschka. "Wir hatten bereits mit 35 Prozent gerechnet - und das ist schon kaum zu machen." Außerdem werden die Tätigkeitsfelder, auf denen sich die Maßnahmeträger tummeln dürfen, noch mehr eingeschränkt. "Damit entfernen wir uns immer weiter vom Ersten Arbeitsmarkt", erklärt die Geschäftsführerin.

Doch ob die BQG mit den gekürzten Mittel überhaupt überleben kann, ist noch gar nicht sicher. Heute beschäftigt der Verein sechs Festangestellte und rund 100 Mitarbeiter in den unterschiedlichsten Maßnahmen. Im Umweltbereich, für den Tourismus, für Sport und Kultur und im Sozialen sind die Mitarbeiter eingesetzt. Und die Miniaturstadt wird von ihnen betreut. Doch schon heute werden nicht alle Kosten durch Zuschüsse des Jobcenters gedeckt. Ein Beispiel: "Die Betreuer müssen hier im ländlichen Raum bis zu 150 Kilometer am Tag fahren", rechnet Birgit Czarschka vor. "Das ist für uns schon ein Kraftakt."

Genau das ist das Thema des Rühner Bürgermeisters, Hans-Georg Harloff: die Anpassung der Förderung an die Gegebenheiten vor Ort. "Wir haben eine hohe Arbeitslosigkeit und keine Aussicht auf neue Arbeitsplätze", sagt er. "Da muss hier eben mehr Geld für den Zweiten Arbeitsmarkt herfließen." Wenn die Förderung wegfallen würde, müsste die Ausstellung der Kunstvereinigung im Kloster Rühn zugemacht werden. "Und die Frau, die das jetzt macht, säße wieder zuhause", so Harloff. Seine Forderung: Die Ausgaben für den Zweiten Arbeitsmarkt müssten auf die regionalen Besonderheiten zugeschnitten werden. "Damit wir Langzeitarbeitslose in Beschäftigung bringen können."

Dazu gehört auch, dass das Land wieder Geld gibt, meint Birgit Czarschka. "So wie es vor ein paar Jahren schon einmal war."

Auch den Bützower Bürgermeister, Sebastian Constien, treibt die Sorge um die Zukunft des Zweiten Arbeitsmarktes um. Er bereitet deshalb für Mitte August eine Diskussionsrunde vor. Die 22 Bürgermeister aus dem Umland, Vertreter der Ämter Bützow und Schwaan, der Arbeitsagentur, des Jobcenters und der Teterower Beschäftigungsgesellschaft BQG sind eingeladen. Dazu die Landratskandidaten und Landesvertreter der demokratischen Parteien. "Die Resonanz ist bisher gut", so der Bürgermeister. "Ich glaube, dass wir hier ein Zeichen setzen können, dass alle Beteiligten willens und in der Lage sind, gemeinsam etwas für den Zweiten Arbeitsmarkt zu tun."


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