Zweijährige im Rampenlicht - Menschen aus der Region stehen in der Gnevsdorfer Kirche vor der Kamera

Maskenbildnerin Sabrina Meyer (rechts) legt letzte Hand an. Sarah Röhl, ihr Freund Andre Kilon und Emma-Marie (2) waren Statisten für eine Filmproduktion in der Gnevsdorfer Kirche. Foto: Annett Habermann
Maskenbildnerin Sabrina Meyer (rechts) legt letzte Hand an. Sarah Röhl, ihr Freund Andre Kilon und Emma-Marie (2) waren Statisten für eine Filmproduktion in der Gnevsdorfer Kirche. Foto: Annett Habermann

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25. August 2008, 07:47 Uhr

Gnevsdorf - Mit gütiger Miene setzt der Pfarrer auf der Kanzel zur Predigt an. „Gott liebt seine Geschöpfe, er meint es ernst mit unserer Freiheit“, sagt er. „Ja, ja“, stimmt ihm eine helle Stimme aus der ersten Kirchenbank zu.

Die Gemeinde unter dem Kreuzgewölbe der Gnevsdorfer Kirche lacht und mit ihnen Kameramann, Produktionsleiterin und Maskenbildner. „Danke, aus“, sagt jemand. Der Pastor alias Schauspieler Oliver Breite beugt sich hinunter zu dem kleinen Mädchen, das in der ersten Reihe in einem weißen Kleid auf dem Schoß seiner großen Schwester sitzt. „Emma, du machst mir das Leben schwer.“

Die zweijährige Emma-Maria, ihre Schwester Sarah Röhl sowie deren Freund Andre Kilon sind drei von über 30 Komparsen, die sich für Filmaufnahmen der Hamburg Medial School zur Verfügung gestellt haben. Das 30-köpfige Filmteam dreht in Gnevsdorf und Parchim.

„In zehn Sekunden wollen wir drehen“, sagt jemand zwischen Kameras, Kabeln und Scheinwerfern. „Sieben eins die erste, Klappe. Und bitte.“ Schauspieler Oliver Breite beginnt seine Predigt von vorn. Emmas Gemurmel setzt an den richtigen Stellen ein – unbeabsichtigt. Denn das kleine Mädchen ist ebenso wenig Schauspieler wie der Rest der Gemeinde in den Kirchenbänken.

Komparsen möchten ein bisschen Filmluft riechen
Es sind Frauen und Männer aus Gnevsdorf und Umgebung, die ein bisschen Filmluft riechen wollen und sich auf den Aufruf der Filmhochschule gemeldet haben. „Als ich davon las, wollte ich unbedingt mitmachen“, sagt Sarah Röhl. „Ich wollte mal Schauspielerin werden, was ich wegen der hohen Ausbildungskosten aber auf Eis gelegt habe.“

Als sie zum Dreh kam, sei sie erst einmal in die Maske geschickt worden. Jetzt trägt Sarah Röhl ihr blondes Haar als Pferdeschwanz zusammengebunden und ein blau geblümtes Kleid mit weit oben liegender Taille, wie es in den 80ern modern war, in denen der Film spielt. „Die für diese Zeit typischen Löwenmähnen fehlen uns allerdings“, bedauert Maskenbildnerin Manuela Bruns.

Auf der Suche nach Scheiteln, die nachgezogen oder Ponys, die toupiert werden müssen, lässt sie ihren Blick über die Kirchenbänke schweifen. Die Komparsen sind gelassen, keiner scheint aufgeregt, schließlich sollen sie auch vor der Kamera ganz sie selbst sein. Ein Herr mit weißem Hemd und ernstem Blick sitzt in der letzten Bank, davor ein junger Mann mit strengem Scheitel, riesiger Brille und frommem Gesicht, ganz vorn drei Jungen, die nicht still sitzen können – eine Gemeinde wie sie in jeder Kirche sitzen könnte.

Mittendrin Renate Will aus Ganzlin, die von Maskenbildnerin Manuela Bruns noch ein wenig Lack ins dauergewellte Haar bekommt. „Ich glaube, ich bin die älteste Frau hier“, sagt die 73-Jährige.

Währenddessen beobachtet Emma-Marie interessiert, wie die Absolventen der Filmhochschule mit Lichtmessgeräten und Kabeln umherlaufen, sich Daten zurufen und in ihre Funkgeräte sprechen. „Sie unterhält die Leute ganz gut“, sagt Sarah Röhl.

Wovon der Film handeln soll, weiß die 18-Jährige nicht so genau. „Es geht um einen Pfarrer, glaube ich. Wir als Gemeinde sollen jedenfalls viel lachen, fröhlich sein, ihm zuhören und möglichst nicht in die Kamera schauen.“

Kleidung im Stil der 80er und gefönte Haare
Die Atmosphäre am Drehort gefällt ihr. „Vielleicht ab und zu ein wenig stressig, aber ich find’s gut. Außerdem wird dafür gesorgt, dass wir zwischendurch warme Jacken bekommen und einen Imbiss.“ Andre Kilon aus Wessentin wollte seine Freundin eigentlich nur zum Filmdreh bringen. „Aber dann haben sie mich überredet, mich umgezogen und die Haare gefönt“, so der 18-Jährige.

Oliver Breite macht sich auf der Kanzel wieder für seine Predigt bereit.„Das Ganze sag ich jetzt noch ungefähr hundert Mal. Und ihr müsst immer wieder zuhören, als wäre es das erste Mal.“ Dann heißt es erneut: „Sieben eins, die dritte. Klappe. Und bitte.“

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