Zwei Taktgeber fürs Theater

Dirigent Peter Leonard war zwischen 2004 und 2007 Generalmusikdirektor am Volkstheater.
Dirigent Peter Leonard war zwischen 2004 und 2007 Generalmusikdirektor am Volkstheater.

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31. Juli 2008, 09:37 Uhr

Rostock - Gestern noch Boston, Massachusetts, bald schon Rostock, Hansestadt. Der US-Dirigent Peter Leonard wird mit hoher Wahrscheinlichkeit neuer künstlerischer Leiter am Volkstheater Rostock (NNN berichteten). Er wäre die erste Wahl, erklärt Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling. „Leonard hat in seiner Zeit in Rostock die Herzen der Menschen im Sturm erobert.“

Zwischen 2004 und 2007 war der Amerikaner bereits Generalmusikdirektor am Volkstheater, hat mit zahlreichen Aufführungen populärer Stücke für frischen Wind gesorgt und neues Publikum erschlossen. Berühmt berüchtigt waren seine „Konzerte für Teens“ vor mehreren Tausend Kindern und Jugendlichen. Nach Kritik an den „miserablen akustischen Bedingungen der Spielstätte“, Spannungen mit den Orchestermusikern und Intendant Piontek wurde sein Vertrag 2007 nicht mehr verlängert.

„Für ein solches Engagement stehe ich sofort bereit. Ich liebe die Stadt und ich liebe das Volkstehater“, bekennt Leonard, der derzeit durch die USA tourt, sich offen zur neuen Aufgabe in Rostock. Gleichzeitig knüpft er sein Ja an eine Bedingung: Keine Spartenschließungen. In zwei Wochen wird es dazu Gespräche mit Roland Methling geben. Schon vor anderthalb Jahren bei der gescheiterten Kündigung Pionteks stand der preisgekrönte Dirigent bereit.

Während Leonard dem Volkstheater ein künstlerisches Profil geben soll, ist Kay-Uwe Nissen der Mann fürs Grobe. Der designierter Geschäftsführer der geplanten Theater-GmbH bestätigt Gespräche. Seine Zustimmung hängt ebenfalls von der Prämisse keine Spartenschließung ab. Im Gegenzug verspricht Nissen – derzeit noch als Anwalt tätig, aber auch ausgebildeter Kaufmann – Ausgaben zu senken und Einnahmen zu erhöhen. Die Spielstätten in Greifswald und Neustrelitz erreichten bei weniger Zuschüssen höhere Einspielergebnisse, sieht Nissen auch in Rostock noch unausgeschöpfte Potenziale. Kurzfristig könnten durch besseres Marketing die Zuschauerränge gefüllt werden – insbesondere beim Sommer-Open-Air. „Da gibt es Mittel und Wege. Wir brauchen nur den Mut, um Entscheidungen durchzubringen.“

Langfristig will Nissen auch beim künstlerischen Personal einsparen – beispielsweise durch einen Haustarifvertrag. „Für echte Einspareffekte braucht es allerdings noch zwei, drei Jahre Zeit“, warnt Nissen vor übertriebenen Erwartungen.

Am 26. August wird der Hauptausschuss die Auflösung des Vertrages mit Generalintendant Steffen Piontek absegnen. Gleichzeitig sollen die Neuen ernannt werden. Die Wahl des CDU-Politikers Nissen gilt als sicher, auch für Leonard ist eine Mehrheit sehr wahrscheinlich.

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