Reaktorunglück von Fukushima: Was hat sich seither getan? : Zwei Jahre nach "3/11"

<strong>Ein Symbol der Katastrophe: </strong>Das Schiff ist bei dem Tsunami gestrandet. Zwei Jahre sind vergangen, seit das Meer in Japan nach einem schweren Erdbeben tausende Menschen in den Tod riss. Ganze Gemeinden leben weiterhin in Behelfsunterkünften. Und die Folgen des Super-GAUs in Fukushima bleiben unabsehbar.<foto>KIMIMASA MAYAMA/dpa</foto>
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Ein Symbol der Katastrophe: Das Schiff ist bei dem Tsunami gestrandet. Zwei Jahre sind vergangen, seit das Meer in Japan nach einem schweren Erdbeben tausende Menschen in den Tod riss. Ganze Gemeinden leben weiterhin in Behelfsunterkünften. Und die Folgen des Super-GAUs in Fukushima bleiben unabsehbar.KIMIMASA MAYAMA/dpa

Zwei Jahre sind vergangen, seit das Meer in Japan nach einem schweren Erdbeben tausende Menschen in den Tod riss. Viele werden noch vermisst. Und die Folgen des Super-GAUs in Fukushima bleiben unabsehbar.

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10. März 2013, 06:33 Uhr

Fukushima | Vor dem Bahnhof Fukushima flanieren Passanten mit Einkaufstaschen an den Geschäften vorbei, Kinder in Schuluniform laufen kichernd durch den Schnee. Zwei Jahre nach dem Super-GAU von "3/11" - dem 11. März - im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi gehen die Menschen in der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz scheinbar unbeschwert wieder ihren Alltagsgeschäften nach.

Doch der Schein der Normalität trügt. Während der neue Ministerpräsident Shinzo Abe (58) die Rückkehr zur Atompolitik vorbereitet und sich - wie Kritiker meinen - im Zusammenspiel mit den Medien bemüht, die Menschen ihre Sorgen vor der Strahlung vergessen zu lassen, stehen Zehntausende Menschen in den betroffenen Regionen weiterhin vor einer ungewissen Zukunft. Das Erdbeben und der Tsunami zerstörten am 11. März 2011 nicht nur das Atomkraftwerk Fukushima, sondern walzten ganze Landstriche nieder - und damit auch die Arbeitsplätze und die Lebensgrundlage der Menschen in der von Überalterung und Abwanderung stark betroffenen Region. Mehr als 15 800 Menschen starben durch den Tsunami, viele werden weiter vermisst. Kritiker beklagen, der Wiederaufbau komme zu langsam voran. Zehntausende Opfer leben noch heute in engen Behelfsunterkünften.

Familien und ganze Dorfgemeinschaften sind auseinandergerissen. Viele waren früher Bauern und Fischer. Jetzt haben sie nichts mehr zu tun, werden immer öfter krank, vereinsamen, manche verfallen dem Alkohol. Während die neue Regierung Abe stolz ist, den Wiederaufbauetat deutlich aufgestockt zu haben, fordern Katastrophenhelfer vor allem Unterstützung für die seelische Versorgung der Menschen. Viele können auch nach zwei Jahren noch nicht über das erlebte Grauen reden. Auch wenn die Trümmer aufgeräumt sind, die Wunden sind noch vielerorts sichtbar. Nicht sichtbar ist dagegen die Strahlung in Fukushima in Folge des ebenfalls schwer zerstörten Atomkraftwerks, die noch immer Zehntausende an eine Rückkehr in ihre Häuser hindert.

Zwar ist die Atomruine nach Darstellung der Regierung und des Betreibers Tepco unter Kontrolle. Ein großes Problem bereiten jedoch die Unmengen Wasser, die weiterhin zur Kühlung der beschädigten Reaktoren benötigt werden. 360 500 Kubikmeter verstrahlten Wassers habe sich angesammelt, die Auffangbehälter seien fast voll, warnt die Zeitung "Mainichi Shimbun". Gerüchten nach erwägt Tepco ein erneutes Ableiten ins Meer. Derweil hat der Staat mit einem enormen Aufwand die Dekontaminierung riesiger Landstriche veranlasst, um die Belastung überall unter ein Millisievert/Jahr zu senken. Doch auch das wirft Probleme auf. So werden die Methoden, etwa der Strahlung mit Hand und Schaufel beizukommen, von vielen Menschen angezweifelt. Man könne sowieso nicht überall dekontaminieren, zum Beispiel die vielen Bergwälder. Auch weiß niemand, wohin mit den wachsenden Bergen an Atommüll, denn noch immer gibt es keine Entscheidung über Zwischenlager. Arbeiter berichten davon, wie strahlender Abraum einfach in Flüssen und Wäldern illegal beseitigt wurde.

Kritiker vermuten, dass die Regierung Abe mit dem Riesenaufwand die Folgen des Atomunfalls herunterspielen will. Auf diese Weise wolle sie den Widerstand gegen ein Wiederanfahren der nach dem GAU abgeschalteten AKWs aufweichen. Währenddessen profitiere die vom Staat mit der Dekontaminierung beauftragte Bauindustrie, die seit jeher eine starke Wählerbasis für Abes Regierungspartei LDP ist. Dagegen sind Hunderttausende von Opfern noch immer nur unzureichend oder gar nicht für den Verlust ihres Eigentums entschädigt worden. Viele Evakuierte sind verunsichert, ob sie überhaupt jemals wieder in ihre Heimat zurückkehren können.

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