Zwei deutsche Soldaten und fünf Kinder bei Anschlag in Kundus getötet

Nach Medienberichten vom Montag sind bei einen Selbstmordanschlag in Afghanistan zwei deutsche Soldaten der ISAF-Schutzgruppe getoetet worden. Foto: ddp
Nach Medienberichten vom Montag sind bei einen Selbstmordanschlag in Afghanistan zwei deutsche Soldaten der ISAF-Schutzgruppe getoetet worden. Foto: ddp

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20. Oktober 2008, 09:35 Uhr

Kabul/Berlin - Bei einem Selbstmordanschlag sind in Afghanistan zwei deutsche Soldaten und fünf Kinder getötet worden. Ein weiterer Bundeswehr-Soldat wurde mittelschwer und ein weiteres afghanisches Kind schwer verletzt, wie Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) am Montagabend in Berlin bestätigte. Ein vierter Soldat erlitt leichte Verletzungen. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag nahe der Stadt Kundus im Norden des Landes und nannten ein weit höhere Opferzahl.

Nach Medieninformationen gehören die beiden getöteten Soldaten dem Fallschirmjägerbataillon 263 im saarländischen Zweibrücken an. Die Soldaten waren in einem gepanzerten Fahrzeug vom Typ „Mungo“ unterwegs.

Jung äußerte „große Betroffenheit“. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana verurteilte in Brüssel den „abscheulichen“ Anschlag. Das verletzte Kind wird nach Jungs Angaben von der Bundeswehr in Afghanistan medizinisch versorgt.

ISAF-Sprecher Richard Blanchette sprach den Angehörigen der Toten und den Verletzten sein Mitgefühl aus. Der Brigadegeneral sagte: „Taten wie diese, die nichts bieten außer Gewalt und Tod, werden uns von unserem Engagement zur Schaffung eines besseren Afghanistan nicht abbringen.“

Die Zahl der in Afghanistan seit Beginn des Einsatzes getöteten deutschen ISAF-Soldaten stieg mit den jüngsten Opfern auf 30. Der Gouverneur der Provinz Kundus, Engineer Mohammad Omar, sagte, zu dem Anschlag sei es im Distrikt Char Dara nahe Kundus-Stadt gekommen. Neben dem Konvoi der Bundeswehr habe sich ein Attentäter auf einem Fahrrad in die Luft gesprengt. In Char Dara war Ende August ein deutscher Soldat getötet worden, als sein Konvoi in eine Sprengfalle geriet. Auch zu dieser Tat hatten sich die Taliban bekannt.

Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid teilte am Montag auf der Homepage der Aufständischen wenige Stunden nach dem Anschlag mit, ein Selbstmordattentäter namens Islamuddin habe sich in die Luft gesprengt. Zu dem Anschlag sei es gekommen, als die „Invasionstruppen“ Häuser im Dorf Hadschi Amanullah nahe Kundus durchsucht hätten. Nach Taliban-Angaben - die bei Opferzahlen unzuverlässig und völlig übertrieben sind - starben zwölf deutsche Soldaten.

Gouverneur Omar sagte, man habe vor dem Anschlag Erkenntnisse über fünf aus Pakistan eingesickerte Selbstmordattentäter gehabt. Möglicherweise habe die Bundeswehr bei ihrem Einsatz in dem unruhigen Distrikt nach Attentätern gesucht.

Der Bundestag hatte das Mandat für den Bundeswehr-Einsatz in der NATO-geführten ISAF am vergangenen Donnerstag für 14 Monate verlängert. Die Obergrenze wurde um 1000 auf 4500 Soldaten erhöht. Im Rahmen der ISAF sind nach Angaben der Bundeswehr derzeit gut 3300 deutsche Soldaten eingesetzt. Beim Bundeswehreinsatz am Hindukusch sind bislang mindestens 30 deutsche Soldaten ums Leben gekommen.

Die FDP-Verteidigungspolitikerin Birgit Homburger sagte, der „hinterhältige und menschenverachtende Anschlag“ mache erneut das hohe Risiko der deutschen Soldaten bei ihrem Einsatz in Afghanistan für Frieden, Fortschritt und Stabilität deutlich.

Der Abgeordnete der Linkspartei, Wolfgang Gehrcke, sagte, seine Fraktion habe bei der Ablehnung über die Verlängerung des Mandats an die Opfer dieses Krieges gedacht. Der Grünen-Experte Winfried Nachtwei entgegnete in der ARD, ein Abzug „wäre eine völlig falsche Schlussfolgerung“. Die afghanische Bevölkerung schätze den Bundeswehr-Einsatz.

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