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Eltern fühlen sich vom Bürgermeister schlecht und falsch informiert : Zuspitzung im Crivitzer Kita-Streit

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Zur Bürgerfragestunde vor Beginn der eigentlichen Sitzung der Stadtvertreter am Donnerstagabend waren Dutzende Crivitzer gekommen, um Neues über den Stand in Sachen Kita-Privatisierung zu erfahren.

svz.de von
erstellt am 08.Jul.2011 | 08:08 Uhr

Crivitz | Der Sitzungssaal im Bürgerhaus war zu klein: Zur Bürgerfragestunde vor Beginn der eigentlichen Sitzung der Stadtvertreter am Donnerstagabend waren Dutzende Crivitzer gekommen, um Neues über den Stand in Sachen Kita-Privatisierung zu erfahren. "Ist der Trägerwechsel endlich vom Tisch?" , wollte Susanne Döring von der Elternvertretung der städtischen Kita "Uns Lütten" wissen. Über die Antwort waren die meisten Zuhörer sichtlich enttäuscht. Bürgermeister Ulrich Güßmann wiederholte wie schon seit Wochen, dass es keinen neuen Sachstand gäbe. Das Thema werde weiter in den Ausschüssen behandelt. "Es gibt noch keinen Termin für eine Entscheidung."

Das glauben die Vertreter einer extra gegründeten Bürgerinitiative und der Elternvertretungen der betroffenen Häuser nicht. Denn die Stadt prüft seit Monaten, ob sie die Kitas "Uns Lütten" in der Neustadt und "Marienkäfer" in Wessin sowie den Hort an der Grundschule an einen freien Träger abgibt, um Kosten zu sparen. Dagegen sprechen sich viele Eltern aus, an einer entsprechenden Unterschriftenaktion im Frühjahr beteiligten sich mehr als 700 Personen (SVZ berichtete).

Bislang gibt es zu diesem Thema nur einen Beschluss: Der Sozialausschuss empfiehlt Verhandlungen mit dem Diakoniewerk "Neues Ufer". Das Votum des beratenden Ausschusses wird von den protestierenden Eltern strikt abgelehnt. Denn das Diakoniewerk betreibt in der Crivitzer Altstadt bereits eine evangelische Kita. Wenn die Stadt ihre drei Häuser ebenfalls an diesen freien Träger abgibt, sind alle Kindereinrichtungen in Crivitz konfessionell ausgerichtet. Sowohl die Wahlmöglichkeit als auch das Grundrecht auf Glaubensfreiheit würden so gefährdet, argumentiert Britta Brusch-Gamm, die Vorsitzende der BI. Die Bürgerinitiative wolle damit nicht die Arbeit des Diakoniewerkes diffamieren. Ihre Forderung geht weiter: Sie möchte erreichen, dass die Stadt Crivitz auf die Privatisierung ihrer Kindereinrichtungen verzichtet. Denn die Eltern sind mit der Betreuung ihrer Kinder - mehr als 400 in den drei Häusern - sehr zufrieden. Die BI zweifelt an, dass es durch einen Trägerwechsel zu Einsparungen für die Stadt kommen würde, wenn überhaupt, dann beim Lohn der Erzieherinnen.

Britta Brusch-Gamm kritisierte in der Bürgerfragestunde auch, dass die Eltern bislang nicht in die Debatte um die Kita-Privatisierung einbezogen wurden. Alexander Gamm ging noch einen Schritt weiter. Er attackierte Bürgermeister Güßmann scharf, unterstellte ihm Verschleppung der Debatte und falsche Aussagen in der Öffentlichkeit. Ultimativ forderte Alexander Gamm den Bürgermeister zum Rücktritt auf.

Zu diesen Vorwürfe wollte sich Ulrich Güßmann nicht spontan äußern. Er möchte, dass Alexander Gamm seine Vorwürfe schriftlich vorträgt, damit er angemessen reagieren kann, sagte er.

In der Sachfrage gab es immerhin doch noch einen neuen Fakt: Verhandlungen mit dem Jugendamt des Kreises Parchim zu den Betreuungskosten stehen an. Die Eltern hoffen, dass diese mit sinkenden Beiträgen für sie und geringeren Kosten für die Stadt enden.

Doch die Akteure aus der Bürgerini tiative wollen nicht länger warten. Sie gehen in die Offensive. In Crivitz startet eine neue Unterschriftensammlung, um genügend Stimmen für einen Bürgerentscheid zu bekommen. Ziel ist es, dass parallel zur Landtags- und Kreistagswahl am 4. September die Crivitzer direkt darüber entscheiden, ob die städtischen Einrichtungen überhaupt an einen Träger abgegeben werden sollen. "Damit es zu dieser Abstimmung kommt, brauchen wir jetzt zirka 400 Unterschriften von wahlberechtigten Crivitzern", erläutert e Britta Brusch-Gamm.

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