Zuschuss für Mittagessen und letztes Kita-Jahr

Obst-Igel selbstgebaut  in der Kita „Anne Frank“ in Schwerin
Obst-Igel selbstgebaut in der Kita „Anne Frank“ in Schwerin

Der Kita-Besuch wird billiger: Im Vorschuljahr übernimmt das Land ab 1. September 80 Euro von den Elternbeiträgen für einen Ganztagsplatz. Weitere Erleichterung: Sozial Schwache müssen das Essen in der Kita nicht mehr bezahlen.

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16. Juli 2008, 11:01 Uhr

Schwerin - Sechs Millionen Euro aus dem Landeshaushalt in diesem Jahr und 14,5 Millionen Euro ab nächsten Jahr werden aus dem Landeshaushalt für die 83 000 Kinder in Kindergärten und Krippen bereitgestellt: „Mecklenburg-Vorpommern soll zum familien- und kinderfreundlichsten Bundesland Deutschlands werden. Eine gute und bezahlbare Kinderbetreuung ist Teil des Kinderlandes MV – und dazu gehört auch, dass kein Kind ohne Mittagessen bleibt“, sagte Sozialminister Erwin Sellering (SPD) gestern bei der Vorstellung des Programmes.

Bislang hätten viele Eltern ihre Kinder schon am späten Vormittag wieder aus der Kita geholt, weil sie sich das Mittagessen nicht leisten konnten. „Damit ist jetzt Schluss – wir zahlen für die Kinder aus bedürftigen Familien pro Mittagessen bis zu 1,50 Euro an die Essensanbieter“, sagte Sellering. Die Gelder fließen direkt an den jeweiligen Anbieter von Mittagessen oder an die Tagesmutter. „Mit dem, was die Kommunen verpflichtet sind zu zahlen, ergibt sich ein kostenfreies Essen für alle Kinder, deren Eltern Sozialleistun-gen in Anspruch nehmen müssen“, so Sellering. „Damit erreichen wir auch das wichtige Ziel, nicht mehr Geld ins Portmonee der Eltern zu bringen, sondern den Kindern direkt zur Verfügung zu stellen, was sie für ein gesundes Aufwachsen brauchen.“ Unbürokratisch will das Land beim Landesamt für Gesundheit und Soziales künftig die Anträge der Essenanbieter sammeln und bedienen.

Umweg über Kommunen nicht vorgesehen

Darüber hinaus trage das Land ab 1. September einen Großteil der Elternbeiträge im Vorschuljahr. Allen Eltern, die Beiträge zahlen müssen, wird der Betrag monatlich um 80 Euro für einen Ganztagsplatz abgesenkt. Für einen Teilzeitplatz steuert das Land 48 Euro bei, 32 Euro sind es für einen Halbtagsplatz. Wird der Kita-Platz schon von Sozialleistungen gestützt, erhalten Eltern nur jenen Teil ersetzt, den sie tatsächlich zahlen. Im Vorfeld hatte es eine Debatte mit den Kommunen darüber gegeben, dass diese ihre Kostenanteile mit Landesmitteln sanieren wollten.

Ein Umweg über die Kommunen sei nicht vorgesehen, sagte Sellering. „Kein Euro soll in die Verwaltung gehen“.Bei der Kita-Finanzierung tragen Land, Kommunen und Eltern je ein Drittel und der Träger zehn Prozent der Kosten.

Die Sozialpolitiker von SPD und CDU, Jörg Heydorn und Harry Glawe, zeigten sich zufrieden. „Für die CDU ist heute ein sehr schöner Tag“, sagte Glawe. „Wir können Wort halten.“

18 000 Kinder profitieren von Essenszuschuss
Die Senkung der Elternbeiträge im letzten Kindergarten-Jahr war ein Wahlversprechen der Union. 9100 Familien würden damit entlastet, sagte Glawe. Derzeit koste ein Kindergartenplatz allein den Eltern den im Landesdurchschnitt 120 Euro pro Monat. Insgesamt betragen die Kosten pro Platz 400 Euro.

Die SPD hatte sich vor allem für das kostenfreie Mittagessen eingesetzt. Davon profitierten 18 000 Kinder, hieß es. Heydorn wies jedoch darauf hin, dass nach jetzigem Stand nicht überall im Land Kostenfreiheit beim Mittagessen für die bedürftigen Kinder erreicht werden könne. Grund sei, dass manche Kommunen bis zu 2,30 Euro je Mittag als „häusliche Ersparnis“ von den Eltern bezahlen lassen. Von dieser „häuslichen Ersparnis“ werden künftig die 1,50 Euro Landeszuschuss abgezogen.

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