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Ratgeber : Zusatzbeitrag: Zahlen oder die Kasse wechseln

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Fragen rund um Krankenversicherung und Gesundheitsreform beantworteten gestern Markus Juhls von der AOK Nordost und Mareike Schuldt vom Verband der privaten Krankenversicherung.

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2011 | 10:41 Uhr

Meine gesetzliche Kasse verlangt schon seit vergangenem Jahr einen Zusatzbeitrag. Muss ich den weiter bezahlen? Der normale Beitragssatz ist ja zum 1. Januar erhöht worden.

Den Zusatzbeitrag müssen Sie trotzdem zahlen - er hat mit dem bundeseinheitlichen allgemeinen Beitragssatz nichts zu tun. Den Zusatzbeitrag müssen Kassen nehmen, die mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen. Er kommt zum allgemeinen Beitrag noch hinzu. Die einzige Möglichkeit, dem Zusatzbeitrag zu entgehen, ist der Wechsel in eine Kasse ohne Zusatzbeitrag. Die Sonderkündigungsfrist haben Sie wahrscheinlich verpasst, sie gilt nur in einem engen Zeitfenster bei erstmaliger Erhebung des Zusatzbeitrages. Aber Sie können nach 18-monatiger Mitgliedschaft ganz regulär in eine andere Kasse wechseln.

Neuerdings soll es einen Sozialausgleich für den Zusatzbeitrag geben. Wie bekomme ich den?

2011 bekommen Sie keinen Sozialausgleich. Das liegt da ran, dass nicht mehr der kassenindividuelle Zusatzbeitrag als Maßstab genommen wird, sondern ein durchschnittlicher zusätzlicher Finanzbedarf, den ein Schätzerkreis ermittelt. Für 2011 gehen die Experten davon aus, dass aufgrund der Beitragssatzerhöhung kein Zusatzbeitrag notwendig ist. Damit liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag in diesem Jahr bei 0 Euro. Auch wenn Ihre Kasse den Zusatzbeitrag verlangt, bekommen Sie also noch keinen Ausgleich.

Ich bin Angestellte und seit zwölf Jahren privat krankenversichert. Angesichts der letzten Beitragserhöhung überlege ich, in die gesetzliche Kasse zu wechseln. Geht das? Ich bin 57 Jahre alt.

Ein Wechsel in die Gesetzliche ist laut Sozialgesetzbuch V nicht zulässig. Hier gibt es eine Altersgrenze von 55 Jahren. Sie sollten mit Ihrer jetzigen Versicherung reden und einige Sparvarianten durchkalkulieren lassen: Denkbar ist der Wechsel in einen jüngeren, preiswerten Tarif mit gleichem Leistungsumfang. Besteht diese Möglichkeit, können Sie beim Wechsel Ihre Alterungsrückstellungen mitnehmen. Ansonsten sollten Sie die versicherten Leistungen durchforsten - hier gibt es Sparpotenzial durch Verzicht, wie etwa auf das Einzelzimmer im Krankenhaus. Auch die Anhebung des Selbstbehaltes kann den Monatsbeitrag reduzieren. Der Wechsel zu einem anderen Anbieter lohnt für Sie wahrscheinlich nicht - Sie verlören Ihre kompletten Alterungsrückstellungen.

Mein Sohn ist privat krankenversichert. Was wird da raus, wenn er im Sommer die Schule beendet?

Beginnt er eine Ausbildung, wird er gesetzlich versicherungspflichtig. Sollte er nach der Schule studieren, kann er zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wählen. Die Entscheidung gilt dann für die gesamte Studienzeit.

Ich bin derzeit bei meiner Frau beitragsfrei familienversichert. Was wird daraus, wenn ich in Rente gehe?

Mit Rentenbeginn endet die Familienversicherung bei der gesetzlichen Kasse. Das heißt aber nicht, dass Sie dann ohne Krankenversicherung dastehen. Sie können sich gesetzlich weiterversichern, müssen dann aber natürlich einen eigenen Beitrag zahlen.

Vor einigen Jahren wurde meine private Krankenversicherung gekündigt, weil ich die Beiträge nicht gezahlt hatte. Seitdem habe ich keine Krankenversicherung. Was kann ich tun? Ich bin 73 Jahre alt.

Da Sie zuletzt privat versichert waren, können Sie sich auch nur privat versichern. Laut Gesetz müssen Sie das sogar, da seit 2009 in Deutschland die Pflicht zur Versicherung gilt. Für Sie kommt der Basistarif infrage. Unabhängig von Ihrem Alter und eventuellen Vorerkrankungen müssen Sie aufgenommen werden. Sie bekommen dort Leistungen, die ungefähr denen der gesetzlich Versicherten entspricht. Begrenzt ist der Beitrag auf den Höchstbeitrag der gesetzlichen Kassen. Das sind rund 575 Euro monatlich. Sollten Sie durch die Beitragshöhe bedürftig werden, kann er auf Antrag halbiert werden. Unter Umständen ist eine weitere Reduzierung möglich. Sie müssen nicht zu Ihrem alten Unternehmen zurückkehren, sondern können frei wählen.

Wie werden die Beiträge für Selbstständige berechnet, wenn sie sich gesetzlich krankenversichern?

Regulär werden Selbstständige mit dem Höchstbeitrag - das sind 575,44 Euro plus Pflege - eingestuft. Können Sie nachweisen, dass Sie das dafür nötige Einkommen noch gar nicht haben, müssen Sie auch weniger zahlen. Der Mindestbeitrag liegt bei 297,02 Euro monatlich, Existenzgründer können mit 198,01 Euro eingestuft werden. Krankengeld ab der siebten Woche ist dabei mitversichert. Beim Nachweis Ihrer Einkünfte müssen Sie berücksichtigen, dass Sie den Status eines freiwilligen Mitgliedes haben. Das bedeutet, dass alle Ihre Einkünfte berücksichtigt werden. Also auch Zinsen oder Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung.

Krankenversicherungsbeiträge kann man von der Steuer absetzen. In welcher Höhe?

Eine Begrenzung nach oben gibt es seit dem Steuerjahr 2010 nicht mehr. Abgezogen werden bei gesetzlich Versicherten nur die Anteile für Krankengeld, hier werden pauschal vier Prozent vom Beitrag abgezogen. Alles andere kann steuerlich geltend gemacht werden. Bei privat Versicherten ist das rechnerisch etwas schwieriger. Auch hier ist der Beitragsanteil für das Krankengeld nicht steuerrelevant. Hinzu kommt, dass alle Leistungen herausgerechnet werden müssen, die über das Leistungsspektrum der gesetzlichen Kassen hinausgehen. Dazu gehört beispielsweise der Anspruch auf Chefarztbehandlung. Grob geschätzt, können privat Versicherte rund 80 Prozent der Beiträge steuerlich geltend machen. Im Detail rechnet die Versicherung das aus. Ab diesem Jahr muss die Versicherung diese Daten an eine zentrale Stelle bei der Rentenversicherung Bund übermitteln, die dann die Beträge an die verschiedenen Finanzämter weiterleitet.

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