Zum Wohl der Kinder unterwegs - Familienhebammen unterstützen junge Eltern in Krisensituationen

Nach dem Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie vor knapp einem Jahr wurde heftige Kritik am Jugendamt der Stadt laut. Darauf hat die Stadt reagiert: Sie setzt Familienhebammen ein. Sie sollen sich in hilfebedürftigen Familien frühzeitig um die Neugeborenen kümmern und Eltern Kontakte zu weiteren Beratungsstellen und Hilfsangeboten vermitteln.

svz.de von
29. Oktober 2008, 08:10 Uhr

Schwerin - Das positive Bild der Hebamme als Türöffner nutzen – das wollen Sozialministerium und Schweriner Stadtverwaltung und damit junge und hilfsbedürftige Familien mit Neugeborenen erreichen und unterstützen.

So genannte Familienhebammen sollen Müttern und Vätern helfen, die mit ihren Kindern oder der Organisation des Alltags überfordert sind, aber Angst davor haben, sich an das Jugendamt zu wenden. „Wir wollen damit frühzeitig jungen Familien Erziehungskompetenz vermitteln“, sagt die Koordinatorin Dr. Beate Kloesel.

Der Bedarf für Hilfe in den Familien sei in Schwerin vorhanden, ergänzt sie. Nicht zuletzt der Tod Lea-Sophies vor knapp einem Jahr habe das auf tragische Weise gezeigt. Der Einsatz von Familienhebammen soll nun ein Baustein frühzeitiger öffentlicher Hilfe für Familien in Krisensituationen sein, wenn dies von den Betroffenen gewünscht wird.

Fünf Geburtshelferinnen haben in Schwerin an der Weiterbildung zur Familienhebamme teilgenommen, zwei bereits Honorarverträge mit der Stadt unterschrieben. Neben ihrer Anstellung im Klinikum arbeiten sie vier Stunden pro Woche im Auftrag der Stadt.

An welcher Stelle sie eingesetzt werden, koordiniert Beate Kloesel vom Kinder- und Jugendgesundheitsdienst des städtischen Gesundheitsamts. Die finanziellen Mittel für dieses Projekt stellt das Ministerium für Soziales und Gesundheit bereit.

Die Aufgaben einer Familienhebamme gehen über die gewohnte Arbeit einer Geburtshelferin hinaus. Von der neunten Lebenswoche des Kindes bis zu seinem ersten Geburtstag sollen die Familienhebammen die Väter und Mütter begleiten, die von Problemen wie Armut, Krankheit oder Sucht betroffen sind.

Auch allein erziehende junge Mütter werden unterstützt. „Oft vermitteln wir Grundlegendes wie das regelmäßige Füttern oder Fläschchengeben“, sagt Dagmar Kliefoth, die bereits erste Erfahrungen als Familienhebamme gesammelt hat.

„Wir versuchen, den Eltern zu zeigen, wie wichtig die Kommunikation mit dem Kind ist.“ Ihre Kollegin Kathrin Schulz erzählt: „Zu den Erfolgserlebnissen unserer Arbeit zählt, wenn wir sehen, dass ein Kind zunimmt, oder wie langsam das Verantwortungsgefühl der Eltern für das Kind wächst, wie allmählich eine Bindung entsteht.“

Um grundlegende medizinische Betreuung von Kindern und Müttern gehe es natürlich bei dem Einsatz der Familienhebammen, sagt Koordinatorin Beate Kloesel. Aber auch um die Beratungen und Weitervermittlung an weiterführende öffentliche Hilfsangebote und das Jugendamt. „Nur durch bessere Vernetzung der Beratungsstellen und Angebote können wir erfolgreich Prävention betreiben“, betont sie.

Die Hinweise, in welchen Familien die Hilfe der Hebammen gebraucht werden könnte, laufen bei Beate Kloesel zusammen. „Am häufigsten sprechen mich Geburtshelferinnen an. In ihrer täglichen Arbeit haben sie die besten Einblicke in die Verhältnisse, in die Kinder hineingeboren werden“, sagt sie.

Aber auch Anrufe von Verwandten, Nachbarn, Ärzten oder Kitas erreichen den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst. „Die Hemmschwelle, sich zunächst bei uns zu melden, ist geringer als beim Jugendamt“, sagt Kloesel.

Allerdings sei der Bedarf an diesem Angebot der Familienhilfe höher als das, was Kathrin Schulz und Dagmar Kliefoth mit ihren jeweils vier Stunden pro Woche leisten können. Maximal vier Familien kann jede der beiden Hebammen in dieser Zeit betreuen. „Wir stehen mit unserer Arbeit noch am Anfang“, sagt Beate Kloesel. Sie hofft, dass das Angebot zukünftig noch weiter ausgebaut werden kann.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen