Zuflucht in Bunkern

Raketenstellungen, Waffendepots und Kasernen haben früher dort gestanden, wo jetzt Eichen und Fichten wachsen. Übrig geblieben sind überwucherte Bunker – „vortreffliche Winterquartiere für Fledermäuse“, findet Uwe Hermanns vom Amt für Stadtgrün.

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01. April 2008, 07:21 Uhr

Rövershagen - „Alles alte DDR-Relikte“, sagt Jörg Harmuth. Der Forstamtsleiter kraucht mit einer sechs-köpfigen Expertengruppe in den Führungsbunker, der größten Anlage. Überwuchert von Büschen und jungen Birken liegt sie versteckt mitten in der Rostocker Heide. „Früher durfte hier keiner hin, heute schaffen sich Bunker-Fanatiker gewaltsam Zutritt“, sagt Harmuth. Das müsse er irgendwie ändern auch wegen der Fledermäuse.

„Die Bunker sind ideal“, erklärt Uwe Hermanns vom Amt für Stadtgrün und aktiv in der Fachgruppe Fledermausschutz. Die Bauwerke liegen einsam, bieten Schutz und sind „außerdem ein Fledermaus-Paradies“. Aber baulich müsse noch einiger verändert werden, sagt er.
Einfluglöcher und Schutzräume fehlen, zudem ist die Luftfeuchtigkeit zu niedrig. „Und wir müssen die Eingänge verschließen“, sagt Roger Kähler. In seinem Forstrevier liegen die künftigen Winterquartiere der Fledermäuse.

„Hier findet niemand einen Verunglückten“
„Viel zu holen ist hier nicht mehr“, sagt Harmuth. Eine aus den Angeln gehobene, verbogene Stahltür zeugt von einem gewaltsamen Einstieg. „Liebhaber befriedigen immer wieder ihre Neugier und steigen in die Bunker ein“, erzählt der Förster.
Die Anlagen sind verfallen und leer. Alte Kabel, verrostete Rohre und Stahlplatten liegen verstreut herum. Es ist stockduster. Stolperfallen und Löcher bergen Gefahren. „Und hier findet niemand einen Verunglückten“, sagt Harmuth. Wenn doch, wird der Förster zur Verantwortung gezogen – also die Stadt Rostock, „weil wir nicht genügend abgesichert haben“. Dicke Betonplatten und Stahltüren verschließen die Bunkereingänge, „doch das reicht nicht“, sagt Stadtbeauftragter Hermanns. Am liebsten würde er die Anlagen „total verrammeln“, aber dann können Fachleute nicht kontrollieren, ob die Fledermäuse ihre Behausung wirklich annehmen.

Platz für mehr als 500 Tiere

Also probieren die Förster eine andere Taktik. Hinweisschilder sollen künftig Fotos und Beschreibungen zu den Schutzräumen zeigen. Bunker-Experte Götz Thomas Wenzel wird sie gemeinsam mit dem Forstamtsleiter aufstellen. Parallel verschließen Arbeiter die unterirdischen Räume neu, bauen Wasserzufuhren ein und erweitern die Flugschächte für die künftigen Bewohner. Schlafkästen und zusätzlich eingebaute Nischen sollen Fledermäusen ihr Winterquartier attraktiv machen.
„Mehr als 500 Tiere können hier schlafen“, erklärt Fledermaus-Fachmann Hermanns. Die Einflugschlitze müssen noch ein bisschen freigelegt werden, „aber das machen wir schon“, sagt Harmuth.

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