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Sternberg : Zuerst Mensch und dann Pfarrer

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In der voll besetzten katholischen Kirche Sankt Pius wurde Horst Gollnick am Sonnabend verabschiedet. In Sternberg fühlte er sich von Anfang an wohl, "wegen der Menschen und der Landschaft".

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erstellt am 28.Mär.2011 | 10:42 Uhr

Sternberg | Ihm fällt im Gespräch

immer wieder ein fröhlicher Satz ein. Nicht lapidar dahin gesagt, sondern mit Hintersinn, gleichwohl der Schalk dabei mitunter aus den Augen blinzelt. Wer Horst Gollnick gegenüber sitzt, überlegt manchmal, hat er das nun ernst gemeint. Er hat, doch kaum jemand hätte diese Worte von einem katholischen Seelsorger mit 77 Jahren erwartet. Jeder hat eine andere Art, aber Gollnick ist noch anders. Was er so ungezwungen an Lebensfreude auszudrücken vermag, kommt an - tief im Inneren. Seine Predigten, "die immer sehr kurz waren", wie er selbst sagt, seien seine "gelebten Träume". Sie sind in

einem Büchlein zusammengefasst, das den bezeichnenden Titel "Kleine Blume Hoffnung" trägt.

In der voll besetzten katholischen Kirche Sankt Pius wurde Horst Gollnick am Sonnabend aus Sternberg verabschiedet. Er lebt künftig in Bad Doberan, bezieht dort eine Zwei-Raum-Wohnung. Eine Treppe hoch, zum täglichen Leben alles in der Nähe, wie das ein älterer Mensch brauche. Der einzige Nachteil sei, dass es nicht Sternberg ist. "Ich habe stets gesagt, aus dieser Stadt zieht man doch nicht weg", räumt Gollnick ein. Der

Zufall habe ihn nun überholt.

In seiner offiziell letzten Predigt hatte er sich den Sternbergern noch einmal

erklärt. "Kürzlich stand in der Zeitung die Liste der reichsten Männer der Welt, doch mein Name fehlte. Dabei gehöre ich mit den Menschen hier um mich herum doch zu den Reichsten auf Erden."

Am 1. Juli vorigen Jahres feierte Gollnick sein 50. Priesterjubiläum. Er war Pfarrer in Rostock, Wismar, Waren und Neubukow, dann beinahe ein Jahrzehnt Erwachsenenseelsorger, "ein Reisender, ständig auf Achse". Zum Ende dieser Zeit wohnte Horst Gollinick bereits in Sternberg, bevor er 1982 Pfarrer in St. Pius wurde. "Das war ein Glücksfall. Aber

eigentlich gibt es nur Glücksfälle. Wie schaffst du sonst dein Leben?", fragt der 77-Jährige ohne Pathos. Er habe einen Trick bei dessen Bewältigung: "Manchmal gehe ich nicht gern irgendwohin. Aber angekommen, bin ich gern dort, sagt mir mein Verstand." Diese Einstellung habe ihm schon oft geholfen. In Sternberg jedoch fühlte er sich von

Anfang an wohl, "wegen der Menschen und der schönen Landschaft".

Gollnick steht für die Zusammen arbeit von Kirchen unterschiedlicher Konfessionen und hat das in Sternberg vorgelebt. "Der Gott, den ich gefunden habe, ist ein Gott der Freiheit", sagt er. "Ich war immer erst Horst Gollnick, der Mensch, und dann Pfarrer." Von diesem Credo

habe er sich nie abbringen lassen, auch nicht von dem, niemanden zu etwas zu zwingen. "Wir sind doch alle auf der

Suche, nach einer Handvoll Glück, nach einem Stück Leben."

Nach seinem 75. Geburtstag im Oktober 2008 wurde Horst Gollnick offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Gleichzeitig trat die katholische Kirchgemeinde Sternbergs mit ihrer Brüeler Außenstelle der Pfarrei von Bützow und Schwaan bei, die schon Jahre vereint war. Die rückläufige Zahl von Christen und Priestern machte ein Zusammenrücken erforderlich. Der neu gebildeten Pfarrei gehören rund 1500 Katholiken an. Für die Sternberger blieb trotz Ruhestands Horst Gollnick der Seelsorger, führte Gottesdienste und Religionsunterricht für die Kinder weiter. Künftig hält Pfarrer Bernd Wojzischke aus Bützow die Predigten in der St.-Pius-Kirche. Ostern kehrt Gollnick aber noch einmal an seine langjährige Wirkungsstätte zurück, das sei schon abgemacht. Und er werde seine Ansprache in der gewohnt ungezwungenen Art, die seine Lebensfreude ausdrückt, halten, kündigt der 77-Jäh rige bereits an.

Für den Wustrowsee, zu dem er zum Baden radelte, egal wie kalt das Wasser war, hat sich Horst Gollnick, der früher surfte und im Verein Fußball spielte, auf Anhieb Ersatz ausgeguckt. "Es gibt doch nicht weit weg von Bad Doberan ein größeres Gewässer, die Ostsee, besser geht es wirklich nicht." Und natürlich werde er auch dorthin mit dem Rad fahren.

Zwei, drei Wochen, sagt Gollnick, brauche er bestimmt noch für den Umzug. Was sich alles angesammelt habe,

allein die Tausenden von Büchern. Und wenn der Pfarrer im Ruhestand dann zum letzten die Türen zu Kirche und Pfarramt schließt, wird wahrscheinlich die eine oder andere Träne fließen, die er sich auch bei allem Frohsinn und Lebensmut gelegentlich erlaubt hat.

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