Züchterkrach im Pferdeverband

Im Imagetief: die Zucht des  Mecklenburger Warmbluts dpa
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Im Imagetief: die Zucht des Mecklenburger Warmbluts dpa

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10. Februar 2010, 06:58 Uhr

Schwerin | Er hat hoch gepokert und verloren: Der Streit um die Hengsthaltung im Landgestüt Redefin hat dem Präsidenten des Pferdezuchtsverbandes den Posten gekostet. Nach Kritik aus den Zuchtvereinen im Land sei Verbandschef Jörg Weinhold von seinem Amt zurückgetreten, teilte Verbandsvize Dieter Quaas gestern mit. Reinholds Zweifel hätten "zu heftigem Protest geführt und für Entrüstung bei den Züchtern gesorgt", meinte Quaas. Die Kritik an dem Landesbetrieb sei nicht Position des Verbandes. Der stehe vielmehr "hinter dem Gestüt und identifiziert sich mit ihm", erklärte der zweite Verbandsvize Lorenz Rehse, der gemeinsam mit Quaas bis zur Neuwahl des Präsidiums Mitte April die Geschäfte führt.

Mit dem Wechsel an der Verbandsspitze dürften die Querelen aber kaum beendet sein. Weinholds Rücktritt löste bei anderen Pferdehaltern Enttäuschung aus. Den Vorwurf des Interessenkonflikts Weinholds, der als ehrenamtlicher Zuchtverbandspräsident auch das Landgestüt im Blick hatte, aber als angestellter Zuchtberater bei dem größten deutschen privaten Hengsthalter auch wirtschaftliche Interessen verfolgte, konnte Weinhold selbst zwar kaum entkräften. Schon vor Jahren führte der Konflikt zu einem Abwahlantrag gegen Weinhold, den er allerdings überstanden hatte. "Da sehe ich keinen Widerspruch. Es war klar abgesprochen, das zu trennen", meinte er gestern nur. Für einen Teil der Züchter ist das auch eher unerheblich. Sie zählten Weinhold zu den Reformern im Verband, der ein modernes Zuchtmanagement eingefordert hatte.

Das hat das Mecklenburger Warmblut offenbar auch nötig. Die Pferderasse, deren Zucht 1812 in Redefin begründet worden war und der sich der mit öffentlichen Zuschüssen wirtschaftende Landesbetrieb verschrieben hat, steckt im Imagetief. Keineswegs, wehrt Quaas ab. Die "charakterlich gut ausgebildeten Pferde" seien anerkannt. Etwa die Hälfte der 2500 Zuchtstuten seien Mecklenburger Warmblüter.

Und doch: Geringe Wertschöpfung, niedrige Preise, wenige gute Hengste: Züchter in MV, so heißt es in der Branche, weichen inzwischen immer häufiger aus und vermarkten ihre Tiere unter dem Oldenburger oder Hannoveraner Brand. Kritiker sehen gerade im Landgestüt die Anforderungen an eine moderne Zucht nicht erfüllt. Das sei sowohl vom Gestüt als auch vom Land immer wieder torpediert worden, hieß es. Man könne "nicht auf Anhieb das Spitzentier" haben, verteidigte Quaas indes die Redefiner Zucht. Während Gestütschefin Antje Kerber Kritik abwehrt und in einer Erklärung lediglich meint, ein Gestüt ohne Hengste sei für sie undiskutabel, weil es die "nahezu 200jährige Tradition" und das Entwicklungskonzept des Gestüts in Frage stellt, sehen andere die Mecklenburger Zucht in der Krise.

Doch die Probleme scheinen hausgemacht: Das Land und sein Gestüt können bei der derzeitigen Finanzausstattung kaum mithalten, wenn es darum geht, sich wirklich gute Hengste in den Stall zu holen. Erst im vergangenen Jahr klaffte ein Finanzloch von 160 000 Euro. Das Land sprang teilweise ein. Insgesamt 1,1 Millionen Euro schießt der Steuerzahler ohnehin schon jährlich zu. Ein Ende 2008 beschlossenes Zukunftskonzept soll die Zuschüsse auf 700 000 Euro drücken. Trotz der Finanzspritze: Im Vergleich zum Gestüt Moritzburg oder Neustadt/Dosse falle MV einfach "hinten runter", meint ein Branchenkenner. Private Hengsthalter hätten dem Gestüt den Rang abgelaufen.

Auch Weinhold legte gestern noch einmal nach: Von der Kritik an der Hengsthaltung im Landgestüt "habe ich nichts zurückzunehmen", sagte er, der damit vor allem bei Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) in Ungnade fiel. "Redefin hin oder her: Mit Tradition allein kann man keine Wirtschaftlichkeit begründen." Das Gestüt steht nicht in Frage und sei in der Aus- und Weiterbildung von großer Bedeutung, meinte Weinhold. Aber: Die Züchter wollten Qualität. "Ohne gute Hengste kann sich Redefin am Markt aber nicht etablieren", so Weinhold. Spitzentiere könne sich Redefin aber nicht zulegen, weil das Geld fehle. Selbst der vom Landesrechnungshof gerügte Kauf des 155 150 Euro teuren und als Super-Hengst gehandelte "Don Akzentus" erweist sich eher als Ausfall statt als Leistungsträger. "Der hat die Erwartungen nicht erfüllt", meint der ehemalige Zuchtverbands präsident Weinhold.

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