Züchter des großen Krabbelns

In den Gewächshäusern der Firma Katz Biotech in Baruth brauchen Besucher starke Nerven. Auf 4000 Quadratmetern unter Glas wimmelt es nur so von Insekten. Die kleine Firma hat sich auf die Produktion von winzigen Nützlingen wie Schlupfwespen, Raubmilben und Marienkäfern spezialisiert.

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22. Juni 2008, 07:30 Uhr

Baruth - In einem wahren Dschungel aus Tabakblättern und Bohnenkraut haben sich Schwebfliegen, Blattläuse und Spinnmilben zu unzähligen Millionen niedergelassen. Selbst für hartgesottene Tierliebhaber ist das gelegentlich zu viel. „Wir hatten schon Biologiestudenten, die ihr Praktikum bei uns abbrechen mussten“, sagt Oliver Hillert, Produktionsleiter der Katz Biotech AG in Baruth.

Nützlinge brauchen Schädlinge

Für Hillert und seine Kollegen sind die Myriaden von Plagegeistern allerdings von unschätzbarer Bedeutung, schließlich haben sie sich auf die „Produktion“ der Nützlinge spezialisiert. Und für deren Zucht werden Unmengen an Schädlingen benötigt. „Zunächst muss sich der Schädling wohlfühlen und prächtig vermehren“, erläutert Gartenbauingenieur Hillert die Verwertungskette. Nur wenn der Schädling genug zu fressen hat, mangelt es auch den Nützlingen an nichts.

Am Ende verkauft werden allerdings nur die Puppen und Larven der insgesamt 30 Nützlingsarten, die die Katz Biotech produziert. „In den Spitzenzeiten im Frühjahr und Sommer versenden wir fast 1,5 Millionen Stück in der Woche“, rechnet Vorstandsvorsitzender Peter Katz vor. Zu den 3000 Kunden seiner Firma gehören Gärtnereien, Zoos und Botanische Einrichtungen. „Das Bundeskanzleramt für seine Grünflächen und Tropical Island in Brand sind ebenfalls gute Abnehmer für unsere Produkte“, ergänzt Katz. In Zahlen umgerechnet, bedeutet das 1,3 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Damit gehört die Katz Biotech AG zu den größten Herstellern von biologischen Nützlingen in Deutschland, in Ostdeutschland sind die Baruther sogar das einzige Unternehmen dieser Art.

Gemessen daran waren die Anfänge des Familienbetriebes bescheiden. Im Jahr 1992 in Welzheim bei Stuttgart gegründet, begann Peter Katz als Ein-Mann-Betrieb in einem Kellerraum mit ersten Zuchtversuchen. Ihren entscheidenden Schritt vollzog die Katz Biotech AG erst mit dem Umzug ins brandenburgische Baruth und der Übernahme eines ehemaligen DDR-Betriebes.

Goldgräberstimmung in Andalusien

Im Jahr 2000 kauften die Württemberger mit der Brandenburger Firma „Floranützlinge“ den letzten in Ostdeutschland existierenden Betrieb für die Herstellung biologischer Nützlinge. „Durch den Aufkauf hatten wir plötzlich einen immensen Zugewinn an Know-how“, erklärt Peter Katz. Mittlerweile wagt sich der 17 Mitarbeiter zählende Betrieb selbst an die hart umkämpften Märkte im Ausland. „Eines unserer großen Ziele ist Spanien“, hebt Katz hervor. Besonders in Andalusien, einem der größten Gemüseanbaugebiete Europas, herrsche eine regelrechte Goldgräberstimmung unter Nützlingsherstellern.

Mit Hochdruck sucht man bei Katz deshalb nach Lösungen für das Hauptproblem der Branche: Nützlingseinsätze im Freiland. „Die Tiere sind nicht ortstreu. Wenn sie was Besseres finden, hauen sie einfach ab“, so Produktionsleiter Hillert. Die Ideallösung haben die Baruther zwar auch noch nicht. Erste Versuche mit Marienkäfern seien jedoch vielversprechend verlaufen.

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