Zu wenig Polizisten für zu viele Aufgaben

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15. April 2008, 07:05 Uhr

Schwerin - Günstige Zeiten für Verkehrssünder. Die Gefahr, erwischt zu werden, war 2007 so gering wie seit Jahren nicht mehr. So zog die Polizei 24 Prozent weniger Raser aus dem Verkehr als noch 2006. Auch die Zahl der ertappten Alkoholsünder sank um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Grund: Der Einsatz der Polizei zum G8-Gipfel im vergangenen Jahr ging deutlich zu Lasten der Verkehrsüberwachung in Mecklenburg-Vorpommern. Überstunden, die in den Tagen vor und während des Gipfels von mehr als tausend Polizisten allein aus dem Land geleistet wurden, mussten in den folgenden Monaten abgebummelt werden. Mit der gestern von Innenminister Lorenz Caffier präsentierten Verkehrsunfall-Bilanz war es dann auch offiziell: Wurden im Jahr 2006 noch an 47100 Geschwindigkeits-Kontrollstellen 5,61 Millionen Fahrzeuge gemessen, waren es 2007 bei 39400 Kontrollen nur noch 3,79 Millionen Fahrzeuge.

Für die Gewerkschaft der Polizei ist diese Entwicklung keine Überraschung. „Wir pfeifen auf dem letzten Loch“, sagte der Landesvorsitzende Michael Silkeit gegenüber unserer Zeitung. Denn nach dem bis 2010 gültigen Personalentwicklungskonzept soll die Polizei tausend Stellen abbauen. Statt 6000 werden dann nur noch knapp 5000 Polizisten dem Land zur Verfügung stehen. Inzwischen fordern auch Landtagsabgeordnete wie Wolf-Dieter Ringguth (CDU), den Personalabbau zu überdenken. Wie Silkeit sieht auch er die über Jahre erzielten guten Ergebnisse der Polizei bei der Bekämfung der Kriminalität und bei der Verkehrsicherheit in Gefahr.

So war Mecklenburg-Vorpommern 2007 erstmals nicht mehr das Bundesland mit den meisten Verkehrstoten je Einwohner. Allerdings liegt die Zahl von 87 Unfalltoten auf eine Million Einwohner gerechnet noch deutlich über den Bundesdurchschnitt (60). Allerdings waren die Straßen in Sachsen-Anhalt (87) und Brandenburg (103) noch gefährlicher als die im Nordosten.

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