Zu wenig Geld für die Nachsorge

Im Kinderzentrum werden jährlich mehr als 6000 Kinder und Jugendliche behandelt. Auch Heike Schnee aus Benzin bei Rehna kommt mit ihren Söhnen Theo und Jakob in die Einrichtung an der Wismarschen Straße.Reinhard Klawitter
Im Kinderzentrum werden jährlich mehr als 6000 Kinder und Jugendliche behandelt. Auch Heike Schnee aus Benzin bei Rehna kommt mit ihren Söhnen Theo und Jakob in die Einrichtung an der Wismarschen Straße.Reinhard Klawitter

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11. Februar 2010, 06:45 Uhr

Schwerin | Die Nachsorge-Einrichtung "Pro-Fil" kümmert sich um chronisch und schwerstkranke Kinder und Jugendliche, die gerade aus dem Krankenhaus entlassen worden sind. Landesweit ist dieses Angebot einzigartig, das seit 2007 im Kinderzentrum in Schwerin - direkt gegenüber von den Helios-Kliniken - angesiedelt ist. Doch jetzt droht "Pro-Fil" das Aus. Grund: "Der Kostensatz, den die Krankenkassen bislang für unsere Arbeit gezahlt haben, war nie kostendeckend", erklärt Geschäftsführer Thomas Wagner. "Aber jetzt sind unsere Vorräte aus Spenden aufgebraucht. Wenn man permanent Minus macht, muss man irgendwann aufhören." Den Vertrag mit den Krankenkassen hat "Pro-Fil" deshalb im vergangenen Jahr gekündigt. Vom 15. Februar an gibt es keine gültige Vereinbarung mehr, sagt Dr. Thomas Spribille, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und systemischer Familientherapeut im Kinderzentrum.

"Für die Nachsorge wählen wir nur Fälle aus, bei denen die Familie zu entgleisen droht und ein neuer stationärer Krankenhausaufenthalt wahrscheinlich ist", erklärt Prof. Dr. Peter Clemens. Er gehörte Im Jahr 1991 zu den Gründern des Kinderzentrums. Mehr als 6000 Kinder und Jugendliche aus ganz Mecklenburg werden heute dort im sozialpädiatrischen Zentrum, in der Frühförderstelle und bei der Kindernachsorge behandelt.

"Pro-Fil" ermöglicht Eltern, mit ihren schwerstkranken Kindern zu Hause zurechtzukommen. Drei Monate lang helfen Experten z.B. bei Ämtergängen ebenso wie bei der Bedienung von medizinischen Geräten. Sie bauen Netzwerke auf, erklären Eltern, welche Alarmsignale ernst genommen werden müssen und wo sie nicht übervorsichtig sein müssen. Oft werden Familien mit Frühgeborenen betreut. "Es gibt aber auch den Fall des achtjährigen Jungen, der beim Spielen schwer verunglückt, plötzlich gelähmt im Rollstuhl sitzt und weder selbst essen noch sprechen kann", sagt Dr. Thomas Spribille. Neben der Linderung von großem menschlichen Leid würde die professionelle Nachsorge auch Folgekosten sparen. "Wir bekommen pro Kind 1000 Euro", sagt Prof. Clemens. "Rund 2500 Euro kostet ein stationärer Aufenthalt, wenn die Eltern vor Sorge mit dem kleinen Patienten wieder in die Klinik kommen."

Mehr als 160 Kinder im Alter bis zu zwölf Jahren hat "Pro-Fil" in den vergangenen zwei Jahren betreut. Wie es weitergehen soll mit der Einrichtung? "Wir machen mit unserer Arbeit sofort weiter, wenn die Krankenkassen einen Kostensatz zahlen, der zumindest unsere Kosten deckt", sagt Thomas Wagner. "Mehr brauchen wir gar nicht."

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