Zu wenig Besucher im Snowfunpark

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11. Juni 2008, 03:48 Uhr

Mangelnde Auslastung des Snow Fun Parks in Wittenburg und fortwährende Auseinandersetzungen mit dem Kreditgeber haben für Investor Hans-Gerd Hanel erste Konsequenzen. Der Kaufmann aus Hamburg, der den Bau der Skihalle wenige Kilometer östlich der Hansestadt maßgeblich vorangetrieben hatte, stellte Insolvenzantrag für die von ihm geführte Holding. Der Schritt sei notwendig geworden, da hohe Abschreibungen zu einer „bilanziellen Überschuldung“ führten, erklärte Hanel am Mittwoch.

Anders lautende Medienberichte seien falsch. Nicht die Ende 2006 Skihalle im Kreis Ludwigslust stehe vor dem Aus. Diese Halle wurde für rund 75 Millionen Euro gebaut. Daran hält die Holding des Investors Hans-Gerd Hanel als Kommanditist knapp 13 Prozent. Eben diese Holding und nicht die Skihalle steht nun wegen Überschuldung vor dem Aus. Der Betrieb der Skihalle könne langfristig auf gesunde Beine gestellt werden. „Solche Freizeitprojekte brauchen drei Jahre, um sich zu etablieren.“ Beispiele in Holland zeigten, dass solche Hallen rentabel zu betreiben seien.

Nach Angaben von Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) gibt es für die Skihalle in Wittenburg neue Interessenten. Die Verhandlungen dazu würden von Wirtschaftsministerium und Landesförderinstitut begleitet. „Ziel ist es zunächst, den Betrieb durchgängig aufrecht zu erhalten und Arbeitsplätze zu sichern. Für die Zukunft gilt es, die Anlage mit einem neuen Unternehmenskonzept erfolgreich am Markt zu platzieren“, erklärte Seidel und bekannte sich damit zu dem umstrittenen Projekt.

Das Land gewährte für die Förderung 17,4 Millionen Euro. Seit der Pleite des ebenfalls massiv geförderten CD-Werkes im nordwestmecklenburgischen Dassow steht die Förderpolitik der Landesregierung besonders im Fokus.

Wie der Marketingleiter der Betreibergesellschaft in Wittenburg, Stefan Ulbrich, sagte, kamen im Eröffnungsjahr 638 000 Besucher in die Skihalle. Mit 900 000 war kalkuliert worden. Die im Sommer noch ausbleibenden Skifahrer sollen durch andere Gäste ausgeglichen werden. So gebe es inzwischen auch Sommerangebote wie Kartbahn und Open-Air-Konzerte. Zudem komme der Tagungstourismus in Schwung. „Mit einer Auslastung unseres Hotels von 44 Prozent liegen wir über dem Landesdurchschnitt“, sagte Ulbrich. Er zeigte sich überzeugt, dass der Snow Fun Park als größte Skisporthalle Europas die Besucherzahlen deutlich erhöhen wird und der Fortbestand gesichert ist. „Keiner hat ein Interesse daran, die Anlage, die einen fantastischen touristischen Mehrwert in die Region bringt, platt zu machen.“

Nach Angaben Hanels laufen seit Monaten Gespräche mit der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria in Klagenfurt, die aus dem Projekt aussteigen wolle. Da es um viel Geld gehe, würden die Verhandlungen mit harten Bandagen geführt. „Das hängt uns derzeit wie Ketten an den Beinen“, klagte Hanel. So stehe auch nicht das für notwendige Werbekampagnen erforderliche Geld bereit. Die Löhne der Mitarbeiter seien aber ebenso gezahlt worden wie die Rechnungen der Lieferanten. Laut Hanel erzielte der Snow Fun Park 2007 einen Umsatz von 9 Millionen Euro. Fachleute aus Salzburg hätten für das dritte Jahr bis zu 25 Millionen Euro prognostiziert.

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