Zu arm für eine Ausbildung

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24. Juli 2008, 07:39 Uhr

Schwaan - Voller Hoffnung blickte Katrin K.* bis gestern auf den Ausbildungsstart am 1. September. Dann beginnt ihre Lehre zur Medien-Gestalterin in Puttbus. Doch die Ausbildung kostet Geld. Was sie bekommt, reicht nicht aus. Das Arbeitsamt riet der Schwaanerin jetzt, die Berufsausbildung nicht zu beginnen. Das zierliche Mädchen mit den schulterlangen Haaren versteht die Welt nicht mehr.

„Seit November habe ich mich um einen Ausbildungsplatz bemüht. Ich habe rund 20 Bewerbungen geschrieben“, erzählt die 16-Jährige. Drei Firmen reagierten gar nicht, von den anderen hagelte es Absagen. Da war sie froh, als ihr das IT College Puttbus einen Lehrvertrag anbot. Nach zwei Jahren wäre sie eine Gestaltungs-technische Assistentin, nach drei Jahren Mediengestalter. „Außerdem würde ich damit zugleich die Hochschulreife erlangen“, erklärt Katrin. Der Haken: Die Auszubildenden erhalten kein Lehrlingsgeld, sondern müssen Schulgeld zahlen.

Für die Schwaanerin eine große finanzielle Hürde. Denn Katrins Mutter ist Hartz IV-Empfängerin. Dennoch wollte die 16-Jährige nicht so einfach aufgeben. „Ich würde 420 Euro Bafög bekommen, außerdem überlässt mir meine Mutter das Kindergeld von 154 Euro“, erzählt die aufgeschlossene Realschul-Absolventin. Doch neben 180 Euro Schulgeld werden 270 Euro für eine möbeliertes, warmen Zimmer fällig. „Da bleiben nur 50 Euro zum Leben“, hat sich Katrin ausgerechnet.

Lange hat sie gebraucht, um überhaupt in Puttbus eine Unterkunft zu finden. Doch nach einem Besuch am Mittwoch im Arbeitsamt Rostock hat die 16-Jährige nun allen Mut verloren. Hintergrund: Angesichts der drohenden finanziellen Schwierigkeiten bat die Schwaanerin bereits vor acht Wochen beim Arbeitsamt in Rostock um ein persönliches Gespräch. Vier Wochen wartete Katrin auf eine Antwort, erhielt dann einen Termin, weitere vier Wochen später.

„Es war aber kein persönliches Gespräch, sondern es saßen viele Jugendliche in dem Raum. Als sie dann ihre persönliche Situation darlegte, riet ihr die Mitarbeiterin vom Berufsstart in Puttbus ab. Sie können kein Geld vom Amt erwarten. Vielmehr wurde die 16-Jährige aufgefordert, sich an einem Bewerbungstraining zu beteiligen. „Was soll das? Ich weiß, wie ich Bewerbungen zu schreiben habe“, sagt Katrin. Außerdem stellte man ihr in Aussicht, dass sie danach Ausbildungsangebote erhalte. „Ich müsste mich in den Firmen sofort persönlich vorstellen. Egal in welchem Beruf.“ Auch müsste sie sich selbst um Angebote bemühen. Für Fahrten in Bewerbungsorte und sogar für eine Übernachtung, wurde ihr Geld in Aussicht gestellt. „Selbst, wenn es bis nach Bayern gehen sollte“, erzählt Katrin.

Die Schwaanerin kann das alles nicht verstehen. Sie habe sich extra in der Schule rangehalten, gebüffelt, den Abschluss mit einer Zwei hingelegt. Nun scheint ihr Traum von der Ausbildung zu platzen, nur weil die Familie nicht genug Geld hat.
* Der Name ist von der Redaktion geändert.

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