Zoo will aus Tierdung Kapital schlagen - Uni Rostock testet neuartige Biogasanlagen

Zootierpfleger Joerg Kuechenmeister mistet im Zoo in Rostock das Elefantengehege von Sara (r.) und Dzomba (li.) aus. In einem gemeinsamen Projekt untersuchen der Rostocker Zoo und die Universitaet, wie organische Abfaelle von Zootieren in Waermeenergie umgewandelt werden koennen. Foto: ddp
Zootierpfleger Joerg Kuechenmeister mistet im Zoo in Rostock das Elefantengehege von Sara (r.) und Dzomba (li.) aus. In einem gemeinsamen Projekt untersuchen der Rostocker Zoo und die Universitaet, wie organische Abfaelle von Zootieren in Waermeenergie umgewandelt werden koennen. Foto: ddp

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17. März 2008, 03:16 Uhr

Rostock - Die Tiere im Rostocker Zoo machen Mist - viel Mist. Täglich sieben oder acht Schubkarren voll Dung holt Tierpfleger Jörg Küchenmeister allein aus dem Stall der beiden Elefanten Sara und Dzomba. 900 Tonnen sind es von allen Tieren im Jahr. Bislang wurden die Abfallprodukte in die Deponie Parkentin (Landkreis Bad Doberan) transportiert. Mit Hilfe von Wissenschaftlern der Rostocker Universität versucht der Zoo nun, aus seinem Tierdung Kapital zu schlagen. Mit Biogasanlagen könnte aus Mist Wärmeenergie gewonnen und damit sowohl Heizkosten als auch umständliche Entsorgungswege gespart werden.

Die Idee ist nicht neu, die Umsetzung aber mit den gemischten Bioabfällen verschiedener Tierarten durchaus, wie Norbert Kanswohl von der Agrarwissenschaftlichen Fakultät erklärt. „Wir haben auf der einen Seite organische Substanzen und auf der anderen Seite Mikroorganismen, die diese mögen. Die Mikroorganismen fressen die Substanzen und produzieren dabei unter anderem brennbares Methan, also genau das Biogas, das wir haben wollen.“ In der Landwirtschaft werde dieses Verfahren schon lange genutzt. Weil aber die Verdauungsprodukte von Elefant, Bär und Nilpferd ganz anders zusammengesetzt sind als jene von Schwein oder Rind, sind die bisherigen Erfahrungen nicht einfach übertragbar.

Experimentiert wird in einem kleinen Labor im Dachgeschoss der Agrarwissenschaftlichen Fakultät. Bräunlich-grünes Gebräu wabert dort in gläsernen Kolben. Unter Federführung von Kanswohl und seinem Kollegen Mathias Schlegel werden verschiedene Kotproben ausgewogen und mit Mikroorganismen versetzt, die dann bei 35 Grad mit ihrer Arbeit beginnen. „Wie viel Methan lässt sich aus welchen Substanzen gewinnen? Welche Mischungsverhältnisse sind optimal?“ - das seien im Moment die aktuellen Fragen, sagt Kanswohl.

Die Forschungsergebnisse könnten auch für Landwirte interessant sein. Etwa die Hälfte aller Anlagen in Mecklenburg-Vorpommern laufe mit geringer Ausbeute. Ein Grund seien die strukturellen Veränderungen, beispielsweise in der Geflügelhaltung. Mehr als die Hälfte aller Legehennen lebe inzwischen in alternativer Haltung, was wiederum bedeute, dass ihr Kot nicht pur, sondern vermengt mit viel Stroh anfalle. Schön für die Tiere, schwierig für Betreiber von Biogasanlagen, sagt der Wissenschaftler. Stroh nämlich sei schwerer zu zersetzen als Kot.

Auf das Problem sind die Forscher auch im Zoo immer wieder gestoßen. Jetzt wird getestet, wie das sperrige Material entweder biologisch, also beispielsweise mit Hilfe von Pilzen, oder physikalisch aufgebrochen werden kann. Dafür ziehen die Wissenschaftler demnächst in ein größeres Forschungslabor am Rande des Zoos. Dort hat ein Firmenverbund aus dem mecklenburgischen Krassow einen Gärbehälter mit 800 Litern und sechs weitere mit je 400 Liter Fassungsvermögen zu Versuchszwecken zur Verfügung gestellt - die ideale Größe für einen späteren Einsatz im Zoo, sagt Kanswohl.

Noch etwa drei bis vier Jahre werde es dauern, bis taugliche Anlagen für den Zoo aufgebaut werden können. Dann aber wäre der finanzielle Nutzen für die Einrichtung enorm. Daneben hofft der Zoo auch auf einen Bildungseffekt, denn anhand der Biogasanlagen erhielten Besucher einen Einblick in erneuerbare Energien.

Dafür hatte Zoomitarbeiter Frank Fuchs, zuständig für Bildungsprojekte, zu einem öffentlichen Informationstag schon einmal eine Mini-Biogasanlage in seiner Werkstatt aufgebaut. Gästen wollte er das umweltschonende Verfahren demonstrieren, das demnächst im Zoo Einzug halten soll. Der Erfolg war im Wortsinn durchschlagend, wie sich Fuchs lachend erinnert. Denn die installierten Gärgefäße waren damals in einem unbeobachteten Moment explodiert, so dass sich ihr stinkender Inhalt vom Fußboden bis zur Decke überall wiederfand. Das werde nicht wieder passieren, versprechen die Uni-Wissenschaftler.

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