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Manipulationsvorwürfe gegen Stromhändler : Zockerei bis zum Energie-Blackout

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"Stabil und sicher" sei die Stromversorgung, hatte Bundeskanzlerin Merkel im Gespräch mit unserer Redaktion versichert. Nun stellt sich heraus: In den ersten Februartagen bestand offenbar sehr wohl Grund zur Sorge.

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erstellt am 16.Feb.2012 | 07:21 Uhr

Berlin | "Stabil und sicher" sei die Stromversorgung in Deutschland, hatte Bundeskanzlerin Merkel vor einer Woche im Gespräch mit unserer Redaktion versichert. Die Verbraucher müssten sich "keine Sorge" machen. Nun stellt sich heraus: In den ersten Februartagen bestand offenbar sehr wohl Grund zur Sorge. Es habe zu unterschiedlichen Tageszeiten "erhebliche, über mehrere Stunden andauernde Unterdeckungen" im Stromnetz gegeben, schlägt die Bundesnetzagentur jetzt in einem internen Schreiben Alarm. Nicht die Kälte, nicht der Atomausstieg, sondern Zockerei an der Strombörse könnte zum Beinahe-Blackout geführt haben, so der Verdacht.

Im Bundeswirtschaftsministerium zeigt man sich alarmiert. Man nehme die Vorwürfe "sehr ernst", erklärte ein Sprecher von Minister Rösler (FDP) gegenüber unserer Redaktion. Manipulation an der Strombörse? Die Bundesnetzagentur geht entsprechenden Hinweisen jetzt nach. Auffällig: Die Preise an der Leipziger Strombörse waren in der vergangenen Woche angesichts von Rekordkälte und hoher Stromnachfrage aus Frankreich in die Höhe geschnellt - teils sogar auf mehr als 350 Euro für die Megawattstunde Strom. Ein Preis, der an der Börse kaum mehr attraktiv ist.

Strenge Regulierung und Koordinator gefordert

Die Stromhändler hätten deshalb den Produzenten eine geringere Nachfrage vorhergesagt und den Bedarf kleingerechnet, so die Vermutung. Und weil dann weniger Strom bereitgestellt wurde, musste die Lücke mit sogenannter Regelenergie gedeckt werden. Diese war zum günstigeren Festpreis von 100 Euro je Megawattstunde zu haben. Dafür wurde die sogenannte Kaltreserve genutzt, die im Zuge des Atomausstiegs bereitgestellt worden war. Dennoch gab es Probleme im Netz.

Stand Deutschland kurz vor dem Blackout? Opposition und Verbraucherschützer fordern eine strengere Regulierung. So könnte gesetzlich festgeschrieben werden, dass der Preis für Regelenergie nicht niedriger sein darf als der jeweils aktuelle Börsenpreis. Scheitert gar die Energiewende? Die Wirtschaft fordert einen "Chef-Koordinator". "Klare Verantwortlichkeiten, Transparenz und ein stringentes Projektcontrolling sind unverzichtbar", heißt es im Zehn-Punkte-Forderungskatalog des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, der unserer Redaktion vorliegt.

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