Nils Küchler aus Neu Strenz lebte elf Monate in den USA : Zivildienst in Kansas City

Nils Küchler (Mitte, hinten) absolvierte in Kansas seinen Zivildienst  in einer Wohngemeinschaft behinderten Menschen.privat
Nils Küchler (Mitte, hinten) absolvierte in Kansas seinen Zivildienst in einer Wohngemeinschaft behinderten Menschen.privat

Das Forstamt, das Krankenhaus und der Natur- und Umweltpark sind bekannt dafür, dass sie Männer die Möglichkeit bieten ihren Zivildienst dort zu leisten. In eine ganz andere Richtung verschlug es jedoch Nils Küchler.

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12. November 2010, 08:04 Uhr

Güstrow | Der 20-Jährige absolvierte seinen Wehrersatzdienst in den USA. In rund 6600 Kilometern Entfernung lebte er elf Monate in einer integrativen Wohngruppe mit geistig beeinträchtigten Menschen.

"Ich wollte schon immer ins Ausland. Als ich im Internet auf die Möglichkeit gestoßen bin meinen Zivildienst in Amerika zu leisten und somit auch meine Englischkenntnisse aufzubessern, musste ich nicht lange zögern ", berichtet der Neu-Strenzer. Gleich nach dem Fachabitur ging er auf die Reisen nach Kansas City, einer knapp 150 000 Einwohner zählenden Stadt im mittleren Westen der Vereinigten Staaten.

"Zwar gab es zahlreiche Vorbereitungsveranstaltung, doch vor Ort angekommen, wurde ich erst einmal ins kalte Wasser geworfen", räumt der 20-Jährige ein. "Zum Anfang habe ich vieles nicht verstanden, das Wörterbuch war mein ständiger Begleiter", sagt er weiter. Trotz der Anlaufschwierigkeiten kam ein Abbruch für den Neu-Strenzer jedoch nie in Frage. Wohl gefühlt habe er sich schließlich von der ersten Minute an: "Ich wurde von allen sehr herzlich aufgenommen und habe mich schnell eingelebt. Gab es Kommunikationsprobleme, haben wir eben Hände und Füße zur Hilfe genommen", erzählt Küchler. Besonders geholfen habe ihm dabei, dass alle wie in einer richtigen Familie zusammenlebten: Je ein Mann und eine Frau als Betreuer sowie vier Menschen mit geistiger Behinderung bewohnen ein Haus. Insgesamt gibt es in Kansas City vier solcher Einrichtungen, die in regelmäßigem Kontakt stehen.

Neben einem klar strukturierten Tagesablauf gab es dabei auch einen Putzplan und feste Termine zum Kochen. Gemeinschaftliche Aktivitäten waren ebenfalls an der Tagesordnung. "Wir haben Ausflüge unternommen, zusammen gebastelt und gespielt oder haben uns über unsere Erlebnisse ausgetauscht", berichtet Nils Küchler. Mit Menschen mit geistiger Behinderung zusammen zu arbeiten und zu leben sei für ihn völlig neu gewesen, doch habe er schnell bemerkt, dass die gegenseitigen Vorurteile völlig unbegründet sind.

Auch die Landeskunde kam für den 20-Jährigen dabei nicht zu kurz. In einer USA-Rundreise standen unter anderem Städte wie New York, Washington oder Las Vegas auf dem Programm.

Die Eindrücke, die Nils Küchler während der Zeit in den USA sammelte, sind ihm wichtig. "In dem knappen Jahr habe ich Erfahrungen gemacht, die mir niemand mehr nehmen kann. Ich bin selbstständig geworden und habe viel dazu gelernt. Auch, dass man jedem Menschen Respekt zollen sollte, egal wo er herkommt oder welche Geschichte er hat", betont der 20-Jährige. Auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland hat der Neu-Strenzer noch regen Kontakt zu seinen ehemaligen Mitbewohner. Das Internet macht es möglich. Und sogar mit dem Studium hat es für den 20-Jährigen von Kansas aus geklappt. Seit dem ersten September absolviert er ein duales Studium bei der Aida in Rostock. Sein Vorstellungsgespräch war sicher außergewöhnlich: Per Telefon und mit guten Englischkenntnissen konnte der angehende Schiffsbetriebstechniker überzeugen.

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