Zittern im Airbag-Werk

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat Mecklenburg erreicht: Das Airbag-Werk TRW in Laage hat die Produktion zurückgefahren, da Automobil-Hersteller weniger abrufen. Noch habe dies keine negativen Auswirkungen auf die Festangestellten, sagt Geschäftsführer Richard Stanzel. Verträge von Leiharbeiter laufen dagegen aus.

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16. Oktober 2008, 05:45 Uhr

Laage - Deutsche Auto-Hersteller schließen Werke über Wochen – ein Vorgang, der auch Konsequenzen für das Laager Airbag-Werk TRW hat. „Die Finanzkrise ist ein großes Thema“, erklärt Geschäftsführer Richard Stanzel. TRW sei von den Autobauern abhängig, die die in Laage gefertigten Gasgeneratoren für Airbags nach Bedarf abrufen. Momentan deutlich weniger, räumt Stanzel ein. Es herrsche Ungewissheit: „Alle Programme laufen noch, aber einige Hersteller rufen weniger ab.“ Stanzel spricht von „Stagnation“ und einer „Durststrecke“ bei TRW, davon, dass das angepeilte Herbstergebnis – höher erhofft als im Vorjahr – nicht eintreten werde. Folge: Das Werk, das seit Jahren enormen wirtschaftlichen Aufschwung nahm, quasi eine Bilderbuch-Geschichte schrieb, suche jetzt nach Ein-sparmöglichkeiten. So sei Gleitzeit der Mitarbeiter ein Thema. Über Monate angehäufte Überstunden würden abgebaut. Stanzel versichert: „Bis jetzt hat es für die Festangestellten keine Auswirkungen.“

Leiharbeiter laufen aus
Anders sei dies bei Leiharbeitern, die TRW als „Puffer“ für Spitzenzeiten bei Zeitarbeitsfirmen abruft. Im September waren dies nach Auskunft von Werksleiter Stephan Gappa 80 der insgesamt 585 Beschäftigten am Standort Laage. Hier würden die Verträge auslaufen.
„Es gibt Anpassungen“, erklärt Richard Stanzel, der auch Chef des Mutterwerkes von TRW in Aschau (Bayern) ist. Man versuche der Krise mit „sinnvollen Maßnahmen“ zu begegnen. „Wir haben eine hohe Verantwortung – für insgesamt 1500 Beschäftigte“, so der Geschäftsführer. Er hoffe, „dass das nächste Jahr nicht noch trauriger wird“.

Gerüchte in und um Laage berichten sogar von einer temporären Schließung des gesamten Werkes. Das dementiert Richard Stanzel. Ein Mitarbeiter bestätigt: „Bei uns steht nichts still.“ TRW sei vielmehr dafür bekannt, „dass es alles für die Interessen seiner Leute macht“.
Das versichert auch der Geschäftsführer, der hofft, dass die Stimmung der Auto-Kunden bald wieder besser wird. „In der Wirtschaft herrscht derzeit das große Schweigen“, sagt er. „Jeder sitzt im gleichen Boot.“ Es wäre fatal, wenn die Menschen noch mehr verunsichert würden.

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