Ziegler schlägt Wellen

von
25. April 2008, 08:08 Uhr

Das konnte einigen in der brandenburgischen SPD natürlich gar nicht gefallen, was Dagmar Ziegler an Begründung mitlieferte für ihren Rückzug aus der Landespolitik 2009. Denn wer will sich schon gerne nachsagen lassen, er habe nichts dagegen, zusammen mit ehemaligen Stasi-Spitzeln regieren zu wollen. Dabei haben solche Sätze wie der von Ziegler zu dem IM am Kabinettstisch durchaus schon Tradition. Der Bundestagsabgeordnete Stefan Hilsberg, der im Süden des Landes seit 1990 seinen Wahlkreis hat und trotz der dort nicht so einfachen Verhältnisse stets erfolgreich verteidigte, verzichtete wegen der Vergangenheit Manfred Stolpes auf einen Posten als Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Hilsberg, Mitbegründer der Ost-SPD, der 2005 auch Vizechef der SPD-Bundestagsfraktion wurde, ist nach langer Krankheit wieder aktiv in seinem Wahlkreis. Bis heute wagt trotz, vielleicht aber auch wegen der klaren Worte zu Stolpe keiner, ihn dort herauszufordern. Wenn die Genossen und Genossinnen in der Prignitz genauso standfest zu Dagmar Ziegler halten, hat sie eine lange Karriere im Bundestag vor sich.

Der Potsdamer SPD-Führungszirkel erklärte die Angelegenheit mit den Stasi-Geschichten zur Nebensache. Generalsekretär Klaus Ness drehte das Thema in der ihm eigenen Art in den richtigen Wind: Das mit den früheren IM sei ein Problem, und die Linkspartei könne doch wohl auch andere Kandidaten für die Ministerposten finden. Da kann sich dann jeder seinen Reim darauf machen.

Ganz unter ging in dem Spektakel, dass Matthias Platzeck jetzt wieder Abschied nehmen muss von einer Frau. Was die SPD betrifft, so ist Ziegler die einzige im Kabinett und das sieht dann doch wie ein Manko aus. Anderswo ist das inzwischen anders. Zum Beispiel bei der CDU, die in der Landesregierung mit einem Zwei-Drittel-Frauenanteil glänzt. Was hilft das Gerede gegen den Frauenschwund, wenn in den eigenen Reihen immer die Jungs den Ton angeben?! Wenn über die Probleme des Landes geredet wird, fällt auch Matthias Platzeck manchmal ein, dass vornehmlich die männlichen Einwohner hier bleiben. Und jetzt passiert das in der eigenen, zurückbleibenden Minister-Männerriege.

„Viel zu früh“, hieß es zudem zu Dagmar Zieglers Ankündigung. Eine Kandidatur für den Bundestag muss jedoch auf lange Sicht vorbereitet werden. Wer nun von der Frau das übliche Ritual erwartet, kennt sie zu wenig. Andere informieren ein paar Mitstrippenzieher, halten sich dann monatelang bedeckt und kommen irgendwann daher, als seien sie gerade erleuchtet worden. Dagmar Ziegler gehört nicht zu denen, die mit Entscheidungen schwanger gehen und dabei so tun, als sei gar nichts. Dergleichen ist sowieso eher eine Männersache.

pps: Es gab auch jene die meinten, Ziegler sei farblos und deswegen wolle Platzeck sie loswerden. Das ist dann aber doch allzu missverständlich und der Landesvater dementierte auch sofort.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen