Kommunen des Amtes Eldenburg Lübz : Zerstückelung der Landschaft beendet

Alle von Änderungen betroffenen Grundstücke werden neu vermessen. archiv
Alle von Änderungen betroffenen Grundstücke werden neu vermessen. archiv

Kleine, über das gesamte Gemeindegebiet verteilte Grundstücke eines Eigentümers, mehrere davon wegen ihrer verwinkelten Lage oft nur durch Betreten fremder Flächen zu erreichen - keine Seltenheit.

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11. Februar 2011, 10:20 Uhr

Diverse kleine, über das gesamte Gemeindegebiet verteilte Grundstücke eines Eigentümers, mehrere davon wegen ihrer verwinkelten Lage oft nur durch Betreten fremder Flächen zu erreichen - auch in mehreren Kommunen des Amtes Eldenburg Lübz keine Seltenheit. Solche Zustände haben sich nach vielen Jahrzehnten oft durch Erbschaften oder Verkäufe ergeben. "In manchen Kommunen ist es extrem", sagt Norbert Timm, Leiter des Amtes für Stadt- und Gemeindeentwicklung. "In Kreien etwa haben wir 16 kleine, weit verstreute Flächen gezählt, die einem Mann gehören."

Um die Zerstückelung zu beenden, gibt es die Flurneuordnung. Eine Gemeindefläche ist auf einer Karte in wenige Flure aufgeteilt, die jeweils mehrere Grundstücke ausweisen. Durch Zusammenlegungen können aus 16 kleinen Parzellen zum Beispiel zwei oder drei große werden.

Teure Vermessungsarbeiten zu 90 Prozent gefördert

Um dies so korrekt wie möglich zu vollziehen, ist es notwendig, dass alle von Änderungen betroffenen Grundstücke neu vermessen werden. "Dies ist teuer, wird aber zu 90 Prozent gefördert, wenn die betreffende Gemeinde am Flurneuordnungsverfahren teilnimmt", sagt Timm. Ohne Förderung würden die Kosten in einer Kommune allein in diesem Punkt schnell über eine Million Euro betragen, so dass selbst der noch zu zahlende Eigenanteil eine nennenswerte Größe sei. A propos Größe: Sie entscheidet bei Verfahren genannter Art in bezug auf Grundstücke nicht allein, sondern auch der biologische Wert einer Fläche, was gerade in der Landwirtschaft eine Rolle spielt. Liegt zum Beispiel die so genannte Bodenwertzahl eines durch Tausch hinzubekommenen Grundstückes unter der des alten, wird versucht, diesen Nachteil durch mehr neue Fläche oder Zahlung eines Geldbetrages auszugleichen.

"Wenn das Verfahren in einem Ortsteil abgeschlossen ist - wie etwa in Zahren und Gallin - sind alle Flurstücke mit den einzelnen Grundstücken neu bezeichnet, so dass in der Regel besonders im Außenbereich eine ganz andere Karte als vorher auf dem Tisch liegt", berichtet der Amtsleiter. Jedes Verfahren dauert mindestens zehn Jahre.

Unterstützung bei Sanierung von Privathäusern möglich

Teilweise entstehen ganz neue Wege und Straßen, jetzt noch existierende verschwinden, alte Landwege verwandeln sich zu Ackerflächen. Dafür müssen als Ausgleich an anderer Stelle Bäume gepflanzt werden. "Ein weiterer großer Vorteil des Programms besteht darin, dass der Bau von Straßen gefördert wird - im Innenbereich zu 65 Prozent über die Dorferneuerung, im Außenbereich sogar zu 80 Prozent über den ländlichen Wegebau", sagt Timm. 2010 ermöglichte das Flurneuordnungsprogramm, in Kreien vier Straßen im Wert von 403 000 Euro zu sanieren. In Wessentin war es eine für 784 000 Euro und auch in Vietlübbe sowie Gallin wurden insgesamt drei Verbindungen erneuert.

Darüber hinaus werden die Kosten für Sanierungsmaßnahmen an Privathäusern mit rund 30 Prozent unterstützt. Zusätzlich bestehe auch für Eigentümer nicht betroffener und damit nicht automatisch einbezogener Grundstücke die Möglichkeit, Grenzen neu feststellen zu lassen - ebenfalls gefördert.

Im Amt Eldenburg Lübz befinden sich gegenwärtig sechs seiner 16 Gemeinden beziehungsweise Ortsteile von ihnen im Flurneuordnungsverfahren (Broock-Wessentin, Kuppentin-Daschow, Marnitz, Vietlübbe, Kreien und Groß-Pankow), Anträge gestellt haben Herzberg, Werder, Kritzow, Granzin und Suckow. Eine Aufnahme muss vor allem durch hohen Regelungsbedarf begründet sein. Organisator ist in jedem Fall das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umweltschutz (StALU) in Parchim, allerdings nicht losgelöst. "Alle, die auf gemeindlicher Ebene mitwirken beziehungsweise betroffen sind, bilden eine Teilnehmergemeinschaft, die wiederum einen Vorstand wählt", erklärt der Amtsleiter. Ein Teilnahmezwang bestehe für keinen Grundstückseigentümer.

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