Zeitreise in die DDR

Die DDR haben sie nicht erlebt, denn sie sind nach der Wende geboren. Jetzt gehen Schüler des Wittenburger Liscow-Gymnasiums in Berlin auf eine Zeitreise, zu der die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur einlädt. Mit dabei: Bundespräsident Horst Köhler.

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05. März 2008, 08:58 Uhr

Wittenburg - Wenn es gute Gründe dafür gibt, dann kann ein Klausurtermin auch mal verschoben werden. 30 Schülerinnen und Schüler des Christian-Ludwig-Liscow-Gymnasiums aus Wittenburg haben am kommenden Dienstag einen guten Grund, um ihre Klausuren um einen Tag nach hinten zu verschieben: Sie fahren ins Berliner Schloss Bellevue, um gemeinsam mit Bundespräsident Horst Köhler an einer Gesprächsrunde mit Angehörigen von Opposition und Widerstand in der Sowjetischen Besatzungszone und DDR teilzunehmen. Das Thema: „Unangepasste Jugendliche in der DDR“.

Bundesstiftung hat die Schülergruppe eingeladen

Die Pausenglocke hallt durch die Flure und Klassenzimmer des alten Backsteingebäudes und läutet an diesem frühen Nachmittag die siebte Unterrichtsstunde ein. Geographie und Kunst stehen eigentlich auf dem Plan, doch einige Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse des Liscow-Gymnasiums wollen lieber etwas Geschichte machen – und über die bevorstehende Fahrt nach Berlin reden. Sie gehören zu dem 30-köpfigen Wittenburger Tross, der einer Einladung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur folgt. „Neben dem Stoff zu diesem Thema in unseren Lehrplänen, haben wir in unserer Schule auch schon zahlreiche Projektwochen und Seminartage angeboten. Die Bundesstiftung hat davon erfahren und uns gefragt, ob wir an der Veranstaltung teilnehmen wollen“, sagt Volker Stritzel, Geschichtslehrer am Liscow-Gymnasium. Und die Schüler wollten – und zwar mehr, als letztendlich mitreisen können. Mauerbau, Stasi, Zwangsaus-weisung, Ausbürgerung, Flucht in den Westen – die 17-jährigen Schüler zählen auf, was sie in den Unterrichtsfächern Geschichte und Politik schon behandelt haben. Dazu gehörten auch Ausflüge nach Schwerin zum Dokumentationszentrum für die Opfer Deutscher Diktaturen. Wie ging es zu in der DDR? Wie haben die Eltern gelebt? Was passierte mit den Kritikern? Auf diese Fragen erhoffen sich die Jugendlichen in Berlin Antworten.

Jetzt geht es in die Hauptstadt. „Wir sind sehr gespannt darauf, auf Zeitzeugen zu treffen“, sagt Christoph Rheinschmitt. Seine Mitschüler nicken. Eingeladen hat die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ihren Vorstandsvorsitzenden, den evangelischen Pfarrer Rainer Eppelmann, die Buchautorin Claudia Rusch und den Herausgeber des Buches „Ostpunk – Too Much Future, Michael „Pankow“ Boehlke . Auch dabei sind Achim Beyer, der vor seiner Flucht in den Westen von 1951 bis 19556 im Gefängnis saß, sowie Ralf Hirsch, 1986 Gründungsmitglied und Sprecher der „Initiative für Frieden und Menschenrechte“. Komplettiert wird die Runde mit Bundespräsident Horst Köhler.

Auch eine Schulklasse aus dem Westen ist dabei
Auch die Gymnasial-Lehrer Hartwig Kolthof und Volker Stritzel sind gespannt auf die kleine Zeitreise und die Begegnungen in Berlin. „Es ist auch eine Klasse aus Westdeutschland eingeladen. Ich bin gespannt zu erfahren, wie diese Schüler mit diesem Thema umgehen“, sagt Stritzel.


Stimmen der Schüler



Tobias Harz (Zarrentin):
Ich erwarte von dem Tag, dass ich durch das Treffen von Zeitzeugen nachvollziehen kann, wie meine Eltern früher gelebt haben.

Alexandra Heine (Bantin):
Ich bin gespannt, mehr über die DDR und von
den positiven und vor allem den negativen Eindrücken der Zeitzeugen zu erfahren.

Erik Feder (Kogel):
Ich erhoffe mir vom Besuch im Berliner Schloss Bellevue, dass ich Geschichte und Politik einmal hautnah miterleben kann.

Saskia Düde (Luckwitz):
Ich hoffe, dass mir das Leben in der DDR näher gebracht wird und wir auch andere politische Fragen stellen können.

Lennart Kiehn (Testorf):
Mich interessieren vor allem die Zeitzeugen, so dass ich bei unserem Besuch in Berlin Geschichte hautnah erleben kann.

Maximilian Neitmann (Vallhun):
Geschichte ganz nah und unverfälscht erleben, das ist es, was ich erwarte. Und auf den Bundespräsidenten bin ich auch gespannt.

Christin Hohnsbein (Lassahn):
Ich hoffe, dass ich mehr über das Leben in der DDR erfahren werde, um mich so besser in diese Zeit hinein versetzen zu können.

Christoph Reinschmitt (Valluhn):
Das Verständnis für Geschichte zu wecken, das erhoffe ich mir von unserem Treffen mit Zeitzeugen am Dienstag in Berlin.

Volker Stritzel (Schwerin):
Diese Einladung ist für unsere Schüler eine einmalige Gelegenheit, den Bundespräsidenten Horst Köhler und Zeitzeugen kennen zu lernen.

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