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Zündanlagenhersteller Bremi in Dömitz : "Zeitarbeiter wertvoll wie Goldstaub"

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Der Dömitzer Zündanlagenhersteller Bremi deckt die Produktionsspitzen mit befristeten Mitarbeitern ab. Und die 24-jährige Sandra Kryzanowski ist glücklich damit. Zeitarbeitsfirmen im Land erhalten ein positives Urteil.

svz.de von
erstellt am 18.Apr.2013 | 10:20 Uhr

Sandra Kryzanowski aus Dömitz ist glücklich. Sie gehört als Beschäftigte mit Zeitvertrag seit 2010 weiterhin dem Bremi-Werk an. Die 24-jährige Frau schätzt ihren Arbeitsplatz auch deshalb, weil sie ihre Leistung auch zukünftig quasi um die Ecke erbringen kann. Für die gelernte Sozialassistentin ist dieser Job wichtig, weil sie in der Region und ihrem Beruf so leicht keinen Job finden würde. "Ein für die Region gut bezahlter Arbeitsplatz ist eben nicht einmal an jeder Ecke zu haben", so ihre Auskunft.

Mit Sandra Kryzanowski erhielt auch die 53-jährige Martina Pittack in 2010 eine befristete Anstellung. Die beiden Dömitzerinnen sind zwei der insgesamt neun Mitarbeiterinnen, die seit 2010 befristet zum Bremi-Werk gehören. Und auch die 21 anderen Kollegen und Kolleginnen, die seinerzeit bei Bremi begannen, konnten in dem Dömitzer Zulieferbetrieb bleiben. Allerdings sind sie über eine Zeitarbeitsfirma an den alten Arbeitsplatz zurückgekehrt.

"Zulieferbetriebe für die Automobilindustrie, besonders kleine und mittelständische, wie unser Dömitzer Werk, unterliegen einem eminenten Druck durch die Auftraggeber. Deshalb greifen wir, um Aufträge zu sichern, immer wieder auf Kräfte von Zeitarbeitsfirmen zurück. Sie sind wertvoll wie Goldstaub", betont Werkleiter und Prokurist Karl-Heinz Tief. "Für unsere Termingeschäfte sind Zeitarbeiter in der Produktion absolut überlebenswichtig. Um in der Branche als bekannt zuverlässiger Partner nachhaltig mit gutem Namen im Wettbewerb zu bestehen, entscheiden die Konzerne nach den ihnen angebotenen Stück- oder Chargenpreisen, der Qualität und insbesondere nach dem frühest möglichen Termin der Auslieferung", erlaubt Tief einen Einblick in das Branchenmarketing der Hersteller für Zündelektronik in der Automobilindustrie.

Aus diesen gängigen Erfordernissen sind die befristeten Mitarbeiter für Werkleiter Tief ebenso wichtig wie die 170 festen Arbeitskräfte. "Nur so können wir auch auf sich plötzlich auftuende Chancen erfolgreich reagieren. So sind auch die 30 Mitarbeiter, die Ende 2010 mit Zeitvertrag angestellt wurden (SVZ berichtete), auch noch 2013 in Lohn und Brot. Allerdings mit der Einschränkung, dass sie über eine Zeitarbeitsvermittlung wieder in der Bremi-Produktion aktiv sind. Voraussetzung war dabei ein Auftrag des VW-Konzerns und die Zusicherung von Bremi, binnen 14 Tagen zu liefern. Das gelang eben auch, weil die 30 bekannten Kräfte quasi über Nacht wieder verpflichtet werden konnten", unterstreicht Tief das Wechselspiel zwischen Angebot, Nachfrage und Arbeitsplatzsicherung, das auch für ein Unternehmen mit 27 Millionen Euro Umsatz in 2012 gilt. Zu diesen 30 Personen hat Tief stets Kontakt gehalten, weil, wie Tief es begründete, diese Kräfte eingearbeitet und zuverlässig produzieren konnten. Eine Festeinstellung nach Ablauf der Zeitverträge war nach Aussage des Werkleiters nicht wirtschaftlich. "Und das ist eben der ausschlaggebende Fakt, so Tief. "Deshalb sind wir den Weg über die Zeitarbeitsfirmen gegangen, haben so die für uns qualifizierten Frauen und Männer wieder in die Produktion zurück geholt." Eine weitere Chance für die "Nichtfesten" sind die Nachbesetzungen von Stellen, die bei Bremi altersbedingt ausscheiden, was Werkleiter Tief auch als Qualitätspflege ansieht.

Insbesondere solche Unternehmen wie Bremi profitieren von Zeitarbeitsfirmen, meint die Leiterin für den Arbeitgeberservice der regionalen Arbeitsagentur, Veronika Sohra. Aber auch die bei diesen Firmen beschäftigten Männer und Frauen würden in aller Regel Vorteile erfahren. Sie stehen in einer festen Beschäftigung, erhalten Tariflohn und sind sozial abgefedert. Der Mindeststundenlohn für eine Helfertätigkeit betrage 7,50 Euro. Das wird in der Region nicht überall gezahlt, weiß Sohra. Und sie möchte gleich noch eine Lanze für Zeitarbeitsfirmen im Landkreis Ludwigslust-Parchim brechen: "Keine dieser Firmen treibt Schindluder, wie ich aus anderen Teilen der Republik zu hören bekommen habe."

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