Parchim: Ausstellung „Die heile Welt der Diktatur“ : Zeit für den Abschied von der DDR

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Nicht zufällig kommt die Ausstellung "Die heile Welt der Diktatur" gerade in der Zeit des Leninstraßen-Streits nach Parchim. SPD-Kreistags-Fraktionschef Rechenberg hat es geschafft, die Schau in die Eldestadt zu holen.

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19. November 2010, 11:07 Uhr

Zu sehen ist sie in der Kirche St. Marien.

Rechenberg will nicht polarisieren: "Es geht darum, zur individuellen Vergangenheit eine ehrliche und versöhnliche Sicht zu bekommen." Schließlich seien die Menschen im Osten Deutschlands nach dem Ende der Deutschen Demokratischen Republik kaum zur Besinnung gekommen. Der Parchimer SPD-Politiker: "Wir sind aufgebrochen, ohne von der DDR ausreichend Abschied zu nehmen." Wie er das meint, verdeutlicht er mit einem guten russischen Brauch. Wenn man sich dort von Bekannten verabschiedet, kann das Taxi ruhig schon vor der Tür stehen und hupen. Man setzt sich zum Abschied eine Minute ruhig hin und denkt an diejenigen, die man verlässt. So viel Zeit muss sein. Diese historische Minute haben den Menschen in Deutschland gefehlt, übrigens beileibe nicht nur den Ex-DDR-Bürgern.

Wolfgang v. Rechenberg will mit der Ausstellung niemanden vorführen oder anklagen: "Wir müssen bestimmte Sachen klären und die Menschen stärken." Es gehe darum, zwischen politischem System und persönlicher Lebenserinnerung zu differenzieren. Schon gar nicht hätten Zeitgenossen das Recht, anderen den Anstand abzusprechen. "Wir brauchen eine gesellschaftliche Atmosphäre grundsätzlicher Wertschätzung der Menschen", sagt v. Rechenberg. Genau dazu soll die Ausstellung einen Beitrag leisten. Trotz schöner Erinnerungen, die wahr sind und es auch bleiben, lassen sich die diktatorischen Züge der DDR nicht wegdiskutieren. Der Historiker Stefan Wolle, der die Ausstellungstexte zu den Fotos von Harald Schmitt beisteuert schreibt: "Die Menschen, die aus der DDR kamen, sind noch immer in der Situation des Aufbruchs. Was geschehen ist, hat sie viel zu tief geprägt, als dass sie es einfach abschütteln könnten. Noch sind sie nicht wirklich angekommen in der neuen alten Gesellschaft der vereinigten Bundesrepublik, und ihr einziges Reisegepäck besteht aus Erfahrungen, Erinnerungen und Biographien."

Passend zum Thema liest heute um 19.30 Uhr in der Kirche St. Marien Dr. Sandra Pingel-Schliemann aus ihrem Werk "Lebenswege".

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